Donnerstag, 28. August 2008

There will be blood

USA (2007)
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Daniel Day-Lewis (Daniel Plainview), Paul Dano (Paul / Eli Sunday), Dillon Freasier (H.W. Plainview), Ciarán Hinds (Fletcher), Henry (Kevin J. O’Connor) und andere Ölmänner

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Nun, da mein Full-HD-Equipment vollständig ist, habe ich den ersten Test mit der Blu-Ray von There will be blood vollzogen, natürlich in 1080p und 24Hz für echtes Kinofeeling. Der Film mit seinen weiten, kargen Landschaften eignet sich besonders gut für die hohe Auflösung, beeindruckt aber auch durch die Details in den Gesichtern der Darsteller.

Unter denen sticht Daniel Day-Lewis hervor, verdient für diese Rolle als Ölmann Daniel Plainview mit dem Oscar prämiert. Wie so oft sein Gesicht unter Bärten versteckend und dennoch ausdrucksstark ist jede seine Bewegungen, jede Regung durchdacht und eindrucksvoll. Doch auch sein Gegenspieler, Paul Dano (zuletzt als Sohn in Little Miss Sunshine), weiß zu überzeugen. Da er allerdings zwei Brüder spielt, die nie gleichzeitig im Bild sind, wirken einige Szenen sehr verwirrend. Ebenso im Unklaren gelassen wird man mit dem Bruder von Daniel: Ist er wirklich ein Fremder, der sich nur als Bruder ausgibt, oder ist es umgekehrt? Mit vielen solchen Fragen wird der Zuschauer in diesem erzählerisch wie musikalisch sehr minimalistischen Film allein gelassen. Wenig wird gesagt oder erklärt; Regisseur Paul Thomas Anderson lässt den Ölmagnaten pur und in aller Gewalt seine Wirkung entfalten. Hilfestellung zur Interpretation wird nicht gegeben.

Schwierig und wenig massenkompatibel ist zudem das Timing des Films. Erst nach fünfzehn Minuten fällt das erste Wort; vorher sieht man ausschließlich hart arbeitende Männer. Dies scheint dem Charakter des Daniel Plainview einen plausiblen Hintergrund zu geben, doch später wird er andere Gründe für seine Menschenfeindlichkeit nennen. Eine etwas straffere Inzenierung hätte da nicht geschadet. Das Ende des Films nach einem größeren Zeitsprung wirkt schließlich zu aufgesetzt, auch wenn die wichtigen Handlungsstränge um Plainviews Sohn und seinen Gegenspieler Eli Sunday beendet werden und dem Titel aller Ehre getan wird.

Fazit: There will be blood ist eine beeindruckende Charakterstudie, die durch Bilder und Darsteller die Zuschauer zu fesseln weiß. Allerdings ist der Film auch recht sperrig und gibt wenig Hinweise zur Rezeption, so dass man etwas Ausdauer für die 2,5 Stunden mitbringen sollte.

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Sonntag, 24. August 2008

Outsourcing - jetzt auch bei PC-Spielen

Auf der Games Convention wurde endlich von JoWooD das Entwicklerstudio enthüllt, welches das Addon Götterdämmerung für Gothic III entwickelt: Es heißt Trine Game Studios, ist in Indien beheimatet und entwickelt parallel auch Die Gilde 2: Venedig. Jetzt sind also auch die Spieleentwickler auf die Idee gekommen, Auftragsarbeiten in das Land mit dem scheinbar unerschöpflichen IT-Reservoir zu vergeben.

Beide Addons scheinen dabei Versuchballons mit möglichst geringem Risiko zu sein, um das Outsourcing zu testen. Ihnen gemeinsam ist der geringe Umfang, eine (inzwischen) ausgereifte Grafik-Engine und Codebasis sowie eine feststehende Handlung. Denn diese Erfahrung haben andere IT-Firmen bereits gemacht: Wenn eine Software genau nach einem detaillierten Pflichtenheft entwickelt werden kann, dann ist eine Auftragsarbeit möglich. Wenn es jedoch ständige Änderungen gibt oder über einen längeren Zeitraum eine Zusammenarbeit zwischen den Auftragsfertigern und dem Auftraggeber notwendig ist, dann ist Indien nicht geeignet. Zu unterschiedlich sind die Arbeitszeiten durch die Lage auf der anderen Seite des Globus, und zu hoch die Sprachbarriere, da Englisch für beide Parteien nicht die Muttersprache ist.

Ich bin natürlich gespannt, wie dieses Experiment ausgeht. Für JoWooD kann es nicht schlimmer werden als beim Release von Gothic III und somit besteht die Hoffnung, dass in Indien nicht nur preiswerter, sondern auch mit weniger Bugs und pünktlich entwickelt wird - unter den genannten Einschränkungen. Andernfalls hat man zumindest Geld gespart beim Verprellen der Fans und eine Lektion gelernt; Gothic 4 wird ja parallel von Spellbound entwickelt und ist das wichtigere der beiden Projekte.

Sonntag, 24. August 2008

Datenschutz und Datenhandel

In der letzten Woche ist erstmals auch in den deutschen Medien ausführlich von Fällen des Handels mit persönlichen Daten deutscher Bürger berichtet worden, nachdem es zuletzt u.a. in England eine Serie von Datenverlusten gab. Die Opposition schreit natürlich nach härteren Gesetzen und der Verband der Call-Center-Betreiber hat nichts besseres zu tun, als Öl ins Feuer zu gießen und den schwarzen Peter weiterzuschieben. Doch die eigentlichen Ursachen der aktuellen Probleme sind vielfältiger und nicht durch Aktionismus zu behandeln. Ich möchte darum ein paar Worte über die Thematik verlieren und das Problem von verschiedenen Seiten beleuchten.

Die Berichte in den Medien weisen darauf hin, dass Mitarbeiter von Call-Centern die Daten gesammelt und danach weiterveräußert haben. Dies erinnert mich an eine Vorlesung Datenschutz und Datensicherheit, nach der die größte Gefahr für Datenverarbeitungssysteme nicht von äußeren Angriffen durch Hackern ausgeht, sondern von den eigenen Mitarbeitern. Doch warum sind die Telekom- oder Lotterie-Daten dann nicht bei den jeweiligen Mutterfirmen verloren gegangen, sondern in den Call-Centern? Dazu muss man wissen, wie die Arbeitsbedingungen dort aussehen. Die großen Unternehmen lagern ihre Call-Center aus, um Geld zu sparen. Dies wird nur erreicht, indem unter Tarif bezahlt, mehr Arbeitszeit verlangt wird und erfolgsabhängige Gehälter auf der Tagesordnung stehen. D.h. die Mitarbeiter gerade im Outbound-Bereich stehen bei schlechter Bezahlung unter ständigem Druck, und da ist es nicht verwunderlich, wenn der Eine oder Andere sich Mittel und Wege sucht, das Gehalt etwas aufzubessern. Die Bindung an das Unternehmen ist in Call-Centern meist sehr gering und damit sinkt auch die Hemmschwelle, den Arbeitgeber zu hintergehen

Damit gibt es zumindest eine Erklärung, weshalb Menschen Daten verkaufen. Doch warum gibt es überhaupt eine Nachfrage nach den Daten der Bürger? In der Wirtschaft steckt das Problem dahinter, potentielle Kunden für die eigenen Produkte zu finden. Durch Werbung und andere Marketingaktionen spricht man nicht alle möglichen Adressaten an; und die Kunden selber bevorzugen meist bestimmte, eingeschränkte Wege der Informationsbeschaffung. Es gibt also viel Potential für die Zusammenführung von Produktanbietern und ihren Abnehmern.

Vermittler von Dienstleistungsprodukten zum Beispiel leben von der Provision, die der Produktanbieter dem Vermittler bei erfolgreichem Abschluss zahlt, und sind damit auf der Suche nach möglichst vielen so genannten Leads. Diese sind nichts anderes als die elementaren Kundendaten mit einer ansprechbaren Adresse (physisch, E-Mail oder per Telefon), in die man einen potentiellen Abschluss hineininterpretiert. Solange eine Menge von Daten so preiswert ist, dass sich aus genügend von ihnen ein Abschluss generieren lässt und die Provision diese Kosten deckt, wird es also eine Nachfrage nach den Daten der Bürger geben. Wenn der Verkäufer der Datensätze Garantien über ein bestimmtes Produktinteresse seiner Leads gibt, dann werden diese für entsprechende Käufer wertvoller, da statistisch die Chance auf einen Abschluss steigt. Somit ergibt sich die Ironie, dass mit steigender Menge von Daten die Preise dafür sinken können, weil sie für den Käufer keinen generierbaren Wert haben - während sich der Wert für die eigentlichen Besitzer der Daten, nämlich die Bürger, nicht ändert.

Wie man sieht, sind die aktuellen Probleme mit dem Datenhandel hausgemacht, doch liegt es nicht direkt im Einflussbereich der Betroffenen, sie zu beheben. Klar, man könnte einfach keinem Unternehmen mehr vertrauen und darauf achten, wem man welche Daten gibt. Doch dazu gehört neben einer gehörigen Portion Paranoia auch ein gewisser Bildungsgrad und eine Selbstbeschränkung, der sich die meisten Menschen nicht unterwerfen wollen oder können. Die noch vor ein paar Jahren vorherrschende Hoffnung, dass große Datensammlungen nur sehr aufwendig zu analysieren und auszuwerten sind, hat sich mit der Weiterentwicklung der Technik (Algorithmen und Hardware) leider zerschlagen.

Ob ein totales Verbot des Datenhandels nun hilft oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Was ich allerdings ganz und gar ablehne, ist der Zwang für alle DV-Systeme, die Daten intern zu verschlüsseln. Dies ist nur eine teure Hemmschwelle, die trotzdem leicht zu überwinden ist - am Ende muss jemand die gespeicherten Daten nutzen können, also wird es immer Menschen mit Zugriff geben. Viel wichtiger ist, den Zugriff zu regeln und zu kontrollieren, denn hier trat der eigentliche Fehler auf. Und auch die Herkunft der Daten sollte immer mit abgespeichert werden, denn momentan landen gekaufte Daten einfach in einer Datenbank und sind da nur schwer wieder zu entfernen. Wer will da entscheiden, dass Datensatz A bewusst vom Kunden zwecks Beratung an Unternehmen X weitergegeben wurde, während Datensatz B durch halb-illegale Aktionen in den Datenpool geraten ist?

Am Ende hilft nur der sogar im Gesetz verankerte, aber von den Regierungen dieses Landes und der EU in den letzten Jahren mit Füßen getretene Grundsatz der Datensparsamkeit und der Verzicht auf Zentralisierung und Zusammenführung aller möglichen Datenquellen. Dadurch werden die Daten nämlich erst so wertvoll, weil man z.B. aus dem Surfverhalten einer Person verbunden mit seiner Adresse sehr genau einen Kunden für bestimmte Produkte ablesen kann. Man schafft also durch die Vorratsdatenspeicherung einen riesigen Datenpool, der automatisch das Interesse der Privatwirtschaft weckt. Die Nachfragen der Musikindustrie nach den Besitzern bestimmter IP-Adressen sind da nur der Anfang; irgendwann werden die gesammelten Datenmengen einen so großen Anreiz darstellen, dass entweder von innen oder aber von außen sich jemand an den Datenbanken vergehen wird.

Ebenso verhält es sich mit den Fluggastdaten, die die USA von jedem per Flugzeig einreisenden EU-Bürger verlangen. Dort werden viele Daten der Bürger abgefragt, die per Data Mining in Bezug auf ihre Terrorgefahr hin ausgewertet werden. Doch es sind so viele Felder, die dort gesammelt werden, dass sowohl Privatwirtschaft als auch andere Regierungen ein Interesse daran haben. Da zudem in den USA geringere Datenschutzstandards gelten als hierzulande, ist nicht auszuschließen, dass diese Daten bereits jetzt zur Wirtschaftsspionage genutzt werden oder demnächst Ziel von Angriffen sind, sei es von innen oder außen.

Wir sollten also schleunigst damit aufhören, für die geringe Chance einer verbesserten Sicherheit oder Einsparungen in der Datenverarbeitung riesige Datenpools zu schaffen, deren Missbrauchspotential so ungleich höher ist als in den aktuellen Fällen. Sind die persönlichen Daten der Bürger erst einmal im freien Umlauf, kann sie niemand mehr zurückholen. Und wer will schon seinen Namen und seine Adresse ändern, weil irgendeine Behörde vergessen hat, den neuesten Sicherheitspatch einzuspielen oder ein privates Unternehmen seine Mitarbeiter schlecht behandelt und bezahlt?

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Sonntag, 17. August 2008

The colour of magic

UK (2008)
Regie: Vadim Jean
Darsteller: David Jason (Rincewind), Sean Astin (Twoflower), Tim Curry (Trymon), David Bradley (Cohen the Barbarian), Nicholas Tennant (Head Librarian), James Cosmo (Galder Weatherwax), Jeremy Irons (Patrician), Brian Cox (Narrator), Christopher Lee (Death), Marnix Van Den Broeke (Death), uvm

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Nach dem Erfolg der ersten Pratchett-Verfilmung Hogfather war es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Roman seinen Weg auf die Leinwände Bildschirme finden würde. Mit The colour of magic / The light fantastic hat man sich nun die beiden ersten Scheibenwelt-Bücher vorgenommen, die bis heute an Witz unerreicht sind, dafür aber unter Fans gerne als “fragmentarisch” bezeichnet werden.

Wir treffen zum ersten Mal auf Rincewind (gelungen dargestellt von David Jason), den wohl erfolglosesten Zauberer der Scheibenwelt, und seine Truhe aus magischem Birnbaumholz, die ihren eigenen Kopf und vor allem hunderte von kleinen Beinen hat. Diese sind sehr ansprechend animiert, aber vermutlich hätten viele Auftritte von Truhe das Budget gesprengt, so dass ihre Rolle im Vergleich zu den Büchern deutlich zusammengekürzt wurde. Generell fehlen einige Elemente der Vorlage, u.a. die Steincomputer der Druiden, die ich als Informatiker natürlich gerne gesehen hätte.

Dafür sind die Kulissen überzeugender als in Hogfather (Ausnahme: die Abschussrampe in Krull) und die Maske arbeitet weiterhin auf hohem Niveau (besonders beim Bibliothekar). Die drei neuen Darsteller, Sean Astin, Tim Curry und David Bradley (kaum zu erkennen als Cohen) wissen in ihren Rollen zu gefallen. Allein Jeremy Irons interpretiert den Patrizier für meinen Geschmack etwas zu lebhaft, wo doch sein Profil so gut zu dem Charakter passt.

Viele Witze wie das Prinzip der Fire-In-Surance oder die Nah-Rincewind-Erfahrung von Tod ziehen wie in den Büchern; dafür neigt Regisseur und Drehbuchautor Vadim Jean weiterhin zu Längen in der Inszenierung, was bei der Fülle des Stoffes in der Vorlage doch etwas überrascht. Traut man Zuschauern vorm TV nicht zu, einer schnelleren Handlung zu folgen?

Insgesamt bleibt wieder eine erfolgreiche Pratchett-Verfilmung zu konstatieren, die gut den Ton der Bücher trifft und genügend Zuschauer anzuziehen wusste, um einen weiteren Film in Angriff zu nehmen. Ab die Post ist momentan noch in der Entwurfsphase für das Drehbuch und ich bin etwas enttäuscht, dass weder die Hexen noch die Nachtwache im Mittelpunkt stehen. Da wird es vermutlich eher eine Verfilmung der Kinderbücher geben. Dafür ist weiterhin eine Umsetzung der Nomen-Trilogie als Animationsfilm durch Dreamworks im Gespräche.

Bis zur Veröffentlichung der deutschen DVD von The colour of magic im Oktober wird leider noch etwas Zeit vergehen; ich habe einen Mitschnitt der österlichen TV-Ausstrahlung gesehen. Ich hoffe jedoch, dass es für den in HD produzierten und ausgestrahlten Film auch eine Blue-Ray-Fassung geben wird, da ich mittlerweile Full-HD-Abspielgeräte mein Eigen nenne.

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Sonntag, 17. August 2008

Die blaue Grenze

Deutschland/Dänemark (2005)
Regie: Till Franzen
Darsteller: Antoine Monot, Jr. (Momme Bief), Beate Bille (Lene), Dominique Horwitz (Kommissar Poulsen), Hanna Schygulla (Frau Marx), Jost Siedhoff (der alte Bief), Sebastian Schultz (Morten), Jens Münchow (Teddy), Ole Hedegaard (Dänischer Grenzer) und andere Grenzgänger

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So schnell kann es gehen: Nach Auf der anderen Seite gleich der nächste Film mit Hanna Schygulla, die sich ansonsten ja rar macht. Dabei ist mir diese Perle von Film erst jetzt bei der TV-Ausstrahlung aufgefallen. Aber besser spät als nie.

Die Handlung dreht sich rund um Momme, dessen Vater zu Beginn des Films stirbt. Dies bringt den jungen Mann dazu, nach Flensburg zu seinem Großvater zu fahren, wo er die Dänin Lene kennenlernt. Zusammen geraten sie in dier Nacht auf ein Polizeirevier und in ein Verhör mit Kommissar Poulsen, der eigentlich gerade beurlaubt wurde. Während sich die Wege von Momme und Lene nach dieser Nacht trennen, lernt der Kommissar seine neue Nachbarin Frau Marx kennen, die ihn sehr seltsam ansieht. Am Ende wird es alle in Dänemark wieder zusammenführen.

Der Film lebt von seiner herrlichen nordisch-kalten Ausstrahlung. Diese findet Ausdruck in der herbstlich-kargen Landschaft rund um die Flensburger Förde, dem trockenen Humor und dem grandiosen Soundtrack ebenso wie in dem ruhigen Erzähltempo. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf einer mystischen Romantik, die sich mit dem Tod beschäftigt. Dies beginnt schon mit den einleitenden Worten aus dem Off, die von einer Zeit erzählen, als die Toten noch zusammen mit den Lebenden auf der Erde weilten. Und Erfahrungen mit dem Tod hat fast jede Figur im Film gemacht. Momme hat den Vater verloren, sein Großvater die Frau. Lenes Eltern sind beide tot und Frau Marx hat den Mann verloren. Zudem wird Momme fast sterben und Lenes Tante träumt von dem Land zwischen Leben und Tod.

Alles in diesem Film spielt sich an so einer Grenze ab, sei es nun zwischen Tod und Leben, Deutschland und Dänemark oder Land und Wasser in der Flensburger Bucht. Und an diesen Grenzen können sich Dinge ereignen, die in der traumgleichen Entwicklung der Handlung auf eine Ende hinauslaufen, dass den Namen vollendetes Happy-End verdient. Doch viel wichtiger sind dem Film seine Figuren und deren Odyssee; viele versuchen lange erfolglos, die eine oder andere Grenze zu überschreiten, andere müssen erst überzeugt werden, sie zu übertreten.

Wer also keine Probleme mit einer mystischen Handlung in Verbindung mit dem trockenen Humor der Norddeutschen hat, der sollte sich Die blaue Grenze auf jeden Fall einmal ansehen. Die genannten Elemente verbinden sich zu einer Einheit, die mir sehr gefallen hat und die ich hiermit jedem ans Herz lege.

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Sonntag, 17. August 2008

Live is live

Die olypmischen Spiele stellen die übertragenden Sendeanstalten vor ein großes Problem: Zu viele Entscheidungen finden parallel statt; was also soll den Zuschauern präsentiert werden? Momentan ist diese Wahl bei der ARD auf Leichtathletik gefallen. Aus Sicht der zu maximierenden Einschaltquoten ist dies sicherlich eine vertretbare Entscheidung.

Leider bin ich aber Tennis-Fan und als solcher stark an dem ebenfalls gerade laufenden Finale Nadal gegen Gonzales interessiert. Also habe ich die Sendepläne der digitalen ARD- und ZDF-Programme inspiziert und bin auf den ZDF infokanal gestoßen, den ich zwar nicht übers analoge Kabelnetz empfange, der jedoch in der ZDF mediathek einen Livestream anbietet.

Nach der Auswahl der einzigen technischen Kombination, die auf meinem Rechner ein sich bewegendes Bild zeigt, folgte jedoch die Ernüchterung: Der Livestream zeigt nur eine Aufzeichnung des Damenfinales vom Vormittag (MEZ). Da auf dem ebenfalls angebotenen Stream des ZDF dokukanals eine Sendepause herrscht, weiß ich leider nicht, ob nur der Stream nicht überträgt oder ich wirklich das Bild sehe, dass gerade über den Sender läuft.

In letzterem Fall wäre dies schon eine große Enttäuschung, denn die ZDF mediathek ermöglicht sowohl Livestreams als auch Aufzeichnungen anzusehen. Einen Livestream für eine Aufzeichnung zu missbrauchen zeugt davon, dass die verantwortliche Redaktion ihre technischen Möglichkeiten nicht richtig zu nutzen weiß. Nadal hat das Finale übrigens gewonnen und gerade berichtet die ARD nachträglich davon; aber live ist für mich etwas anderes.

Nachtrag:

Ein weiteres Live-Highlight während dieser olympischen Spiele war der Liveticker auf spox.com, der trotz weiter laufender Entscheidungen Feierabend machte.

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Freitag, 15. August 2008

Plagiatus oder von der Stange?

Schon seit einiger Zeit langweilt mich das Theme meines Blogs. Zu sehr Standard, zu blass der Kontrast und technisch überholt - nach 2,5 Jahren kann es ruhig etwas Neues werden. Also habe ich im Mai begonnen, auf Basis des Codelog-Themes mit der Yahoo UI CSS Library herumzuspielen, die es erlaubt, CSS-Styles komplett frei von absoluten Größenangaben wie Pixel zu halten und nur die relative Einheit em zu nutzen. Dies impliziert auch den totalen Verzicht auf Bilder im Layout, wodurch ein auf das Nötigste reduzierte Design möglich wird. Doch dann kamen der schöne Sommer und einige Probleme dazwischen, die zu lösen mir einfach nach der Arbeit der Elan fehlt.

Und nun stoße ich beim Popkulturjunkie auf ein zumindest optisch ins selbe Horn stoßende Theme mit einer noch harmonischer wirkenden Farbpalette. Obwohl ich eigentlich nicht zurück zu heller Schrift auf dunklem Grund wollte, reizt mich ein fertiges Theme zu installieren und alle Probleme hinter mir zu lassen. Schließlich steht auch noch ein lange verschobenes Upgrade an…

Mittwoch, 13. August 2008

Die Untersuchung

von Stanislaw Lem,
erschienen bei Suhrkamp, Phantastische Bibliothek, ISBN 978-3-518-36935-7, 8€

Dass Stanislaw Lem Krimis nicht ganz fern liegen, hat er mit dem futuristischen Der Schnupfen bewiesen, einem meiner Lieblingsbücher von ihm. Die Untersuchung, 17 Jahre vorher entstanden, ist dagegen auf den ersten Blick ein klassischer Kriminalroman mit allen dazugehörigen Elemeten, der auch noch in England, dem Mutterland des Genres, spielt.

Dort ermittelt der Scotland-Yard-Inspektor Gregory in einem Fall von verschwundenen Toten, die scheinbar aus den Leichenhallen entwendet wurden. Die Untersuchung kommt nur schleppend voran, es gibt so gut wie keine Indizien und der hinzugezogene Experte Sciss verliert sich in statistischen Auswertungen, die auf keine Täter hindeuten. Gregory weigert sich, an die wundersame Auferstehung Toter zu glauben und verdächtigt zunehmend den exzentrischen Sciss. Doch wie jede seiner Spuren verläuft sich auch diese im undurchdringlichen Nebel des englischen Winters.

Krimi hin oder her, seine Wurzeln kann Lem auch in diesem Buch nicht verleugnen. Inspektor Gregory ist ein rational denkender und handelnder Mensch, dessen Weltanschauung auf eine harte Probe gestellt wird. Er geht lieber jeder noch so extremen wissenschaftlichen Idee nach, die ihm Sciss präsentiert, als eine Sekunde an ein Wunder zu glauben, wie er das Umherwandeln von Toten bezeichnet. Er ist belesen auf den Gebieten der Medizin und Psychologie und geht wie bei der initalen Aufnahme des Tatortes sehr geordnet bei der Untersuchung seiner Fälle vor.

Doch trotz der Tatsache, dass der Leser Gregory das ganze Buch lang nicht von der Seite weicht, erfährt man nur selten, was er denkt und fühlt. Die Finten und Fallen, die er Sciss stellt, kommen so erst spät ans Tageslicht, und einige Aktionen bleiben fragwürdig. So geht er ab dem Punkt, in dem alle Spuren versandet sind, sehr unkoordiniert vor und behauptet gegenüber seinem Vorgesetzten sogar, sich von seiner Intuition leiten zu lassen. Lem spielt an einigen Stellen auch zusammenhangslos Details aus dem Privatleben des Ermittlers ein, die zwar in den Kontext des klassischen Krimis passen, aber innerhalb des Buches nur das ziellose Umherirren des Protagonisten betonen.

Ungewohnt ist schließlich die nicht vorhandene Auflösung, sowohl für das Genre als auch für Lem. Dabei hält sich das Buch ansonsten getreu an die Vorbilder, beschreibt spannend die Besichtigung eines Tatortes und den Verlauf der Ermittlungen. Doch dann sind da eben auch die fantastischen Elemente wie die Vermieter von Gregory und natürlich den umherlaufenden Leichen, die weder erklärt werden noch als Schwindel auffliegen. So bleibt nur ein erneutes Scheitern eines Helden in Angesicht eines für ihn unverständlichen Problemes zu konstatieren; ein von Lem vertrautes Element, das jedoch im Spiel mit dem Genre den Leser unzufrieden zurücklässt.

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Sonntag, 10. August 2008

Halle und seine Fußball-”Fans”

Halle ist im bundesdeutschen Fußball ein unbeschriebenes Blatt. Die Zweitligazeiten nach der Wiedervereinigung liegen lange zurück und seitdem ist selten konstant gewirtschaftet worden, so dass der HFC mit dem Aufstieg in die vierte Liga (Regionalliga) und dem Gewinn des Landespokals Erfolge wie lange nicht mehr aufweisen kann. So ein Landespokal berechtigt zum Start im DFB-Pokal, für dessen erste Runde mit Hannover 96 ein Erstligist zugelost wurde.

Die Chance also, etwas Werbung für die Stadt zu machen, denn die Partie wurde als Zusammenfassung in der ARD und sogar live auf Premiere gezeigt. Doch Halle ist ebenso wie viele andere Vereine der ehemaligen DDR-Oberliga für seine “Fans” berücksichtigt; Fanfeindschaften mit Magdeburg und Leipzig nötigen bei Spielen der Vereine gegeneinander immer ein großes Polizeiaufgebot zu Einsätzen, um Prügeleien zu verhindern. Doch gegen Hannover sollte so etwas eigentlich nicht notwendig sein, schließlich haben die Vereine erst zum dritten Mal gegeneinander gespielt.

Das Spiel lief ganz gut an; ein Drei-Klassen-Unterschied war nicht erkennbar. Halle spielte ordentlich mit, sah in direkten Zweikämpfen immer etwas schlecht aus, hatte aber auch seine Chancen. Leider war Hannover zu klever und abgeklärt, so dass nach 80 Minuten und ein paar unglücklichen Entscheidungen gegen den HFC (viele passive Abseitsstellungen, ein Elfmeter wurde nicht gegeben) es leider 4:0 für Hannover stand - bei nur sechs Chancen für den Bundesligisten.

Und dann ging es los. HFC-Fans aus der Kurve waren über die Trennzäune in den Sitzbereich der Gegentribüne geklettert und lieferten sich ein Schreiduell mit ein paar der etwa tausend angereisten Hannover-Fans über den Trennblock hinweg. Dann flogen die ersten Gegenstände zwischen den Kontrahenten, Fahnenstöcke und später auch zerstörte Schalensitze wurden geschmissen; schließlich kletterten die HFC-Fans auch noch in den Trennblock, um direkten Kontakt zu den Hannoveranern zu bekommen. Da Ordner, Stadionsprecher und die Kapitäne der Mannschaften die Unruhestifter nicht beruhigen konnten und auch Feuerwerkskörper flogen, unterbrach der Schiedsrichter die Partie und die Polizei lief als Puffer zwischen den Blöcken auf. Mit Einlauf der Polizei tauchten die randalierenden HFC-Anhänger aber schnell wieder unter in der sie deckenden Masse der Fankurve. Das Spiel konnte nach zehn Minuten Pause fortgesetzt werden und endete 5:0 für Hannover.

Damit war ausgerechnet Halle als Wiederholgungstäter die unrühmliche Ausnahme der ersten Runde des DFB-Pokals. Nirgendwo anders musste ein Spiel unterbrochen werden; die Randalierer die sich auch nach dem Spiel noch mit der Polizei anlegten haben dem Verein einen Bärendienst erwiesen. Nicht nur die Außenwahrnehmung der Stadt Halle hat durch die Berichte gelitten, sondern der HFC muss sich auch auf Sanktionen einstellen. Nach den Punktabzügen der letzten Saison kann dies böse sportliche Folgen haben. Zudem kann man die “Fans” ja nicht ernst nehmen, die sich vor dem Spiel für den Erhalt und die Sanierung des Kurt-Wabbel-Stadions einsetzen und danach Teile davon mutwillig zerstören.

Ein trauriger Nachmittag für Halle also. Jetzt heißt es abwarten, was der DFB für eine Strafe erteilt. Der HFC, der so abhängig ist von seinen vielen Fans, die gleichzeitig die wenigen Extremisten unter ihnen decken, hat keine große Wahl. Denn wenn er gegen die Randalierer vorgeht, bleiben auch die anderen Ultras den Spielen weg. Die Hoffnung ist also immer, dass die Strafen und Aufräumarbeiten dem Verein weniger kosten, als die Einbußen bei den Eintrittsgeldern ausmachen würden. Ich persönliche verstehe diese Menschen nicht; Fans sind sie jedenfalls in keinem Fall!

Montag, 4. August 2008

Lieber ein Ende als gar keins

Da hat man ein schönes Wochenende, kommt am Sonntagabend nach Hause und will einen der Filme schauen, den der DVD-Rekorder während der Abwesenheit aufgenommen hat. Es läuft alles prima, die Sex-Hotline-Werbung der Nacht-Wiederholung wird routinemäßig überspult, und dann, wahrscheinlich fünf Minuten vorm Schluss, ist plötzlich die Aufnahme zu Ende. Und ich weiß nicht, wie Shaun of the Dead nun ausgegangen ist. Immer diese Privatsender und ihr falsches VPS-Signal!

Dann heute der nächste Versuch; High Fidelity auf einem anderen Sender der Kölner TV-Gruppe aufgenommen. Eine interessante Liebeskomödie (sonst eher nicht mein Fall), bei der englischer Charme dank der Romanvorlage von Nick Hornby, Popkultur in Form von zeitgenössischer alternativer Musik und amerikanische Schauspieler (u.a. Jack Black) eine selten gesehene Verbindung eingehen. Es ist kurz vorm Ende des Films, er stellt ihr die Frage, ob sie seine Frau werden will - und plötzlich wieder Schluss mit der Aufnahme.

Zwei Filme. Kein Ende. Drei Stunden investiert, und nun? Zur Videothek rennen, um die Finals nachzuholen? Darauf warten, den Kumpel wieder zu treffen, der wahrscheinlich beide irgendwo in seiner Sammlung stehen hat? Und bis dahin die Hälfte der Filme schon wieder vergessen zu haben? Life ain’t easy!

Update #1
Eine Lösung ist immer, sich von Kollegen das Ende erzählen zu lassen. Dabei fehlt zwar meist der Stil des Originals, auf Vollständigkeit darf man auch nicht hoffen, aber wie der Titel schon sagt: Besser ein Ende als gar keins. Und ich mache jetzt einen Haken hinter Shaun of the Dead.

Update #2
Auch High Fidelity hat mir nun sein Ende offenbart inklusive einer Gesangseinlage von Jack Black. Dank der DVD bekam ich zusätzlich noch die herausgeschnittenen Szenen zu sehen und bin weiterhin sehr zufrieden mit dem Film. Denn Enden gut, alles gut!