Sonntag, 17. August 2008

Live is live

Die olypmischen Spiele stellen die übertragenden Sendeanstalten vor ein großes Problem: Zu viele Entscheidungen finden parallel statt; was also soll den Zuschauern präsentiert werden? Momentan ist diese Wahl bei der ARD auf Leichtathletik gefallen. Aus Sicht der zu maximierenden Einschaltquoten ist dies sicherlich eine vertretbare Entscheidung.

Leider bin ich aber Tennis-Fan und als solcher stark an dem ebenfalls gerade laufenden Finale Nadal gegen Gonzales interessiert. Also habe ich die Sendepläne der digitalen ARD- und ZDF-Programme inspiziert und bin auf den ZDF infokanal gestoßen, den ich zwar nicht übers analoge Kabelnetz empfange, der jedoch in der ZDF mediathek einen Livestream anbietet.

Nach der Auswahl der einzigen technischen Kombination, die auf meinem Rechner ein sich bewegendes Bild zeigt, folgte jedoch die Ernüchterung: Der Livestream zeigt nur eine Aufzeichnung des Damenfinales vom Vormittag (MEZ). Da auf dem ebenfalls angebotenen Stream des ZDF dokukanals eine Sendepause herrscht, weiß ich leider nicht, ob nur der Stream nicht überträgt oder ich wirklich das Bild sehe, dass gerade über den Sender läuft.

In letzterem Fall wäre dies schon eine große Enttäuschung, denn die ZDF mediathek ermöglicht sowohl Livestreams als auch Aufzeichnungen anzusehen. Einen Livestream für eine Aufzeichnung zu missbrauchen zeugt davon, dass die verantwortliche Redaktion ihre technischen Möglichkeiten nicht richtig zu nutzen weiß. Nadal hat das Finale übrigens gewonnen und gerade berichtet die ARD nachträglich davon; aber live ist für mich etwas anderes.

Nachtrag:

Ein weiteres Live-Highlight während dieser olympischen Spiele war der Liveticker auf spox.com, der trotz weiter laufender Entscheidungen Feierabend machte.

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Freitag, 15. August 2008

Plagiatus oder von der Stange?

Schon seit einiger Zeit langweilt mich das Theme meines Blogs. Zu sehr Standard, zu blass der Kontrast und technisch überholt - nach 2,5 Jahren kann es ruhig etwas Neues werden. Also habe ich im Mai begonnen, auf Basis des Codelog-Themes mit der Yahoo UI CSS Library herumzuspielen, die es erlaubt, CSS-Styles komplett frei von absoluten Größenangaben wie Pixel zu halten und nur die relative Einheit em zu nutzen. Dies impliziert auch den totalen Verzicht auf Bilder im Layout, wodurch ein auf das Nötigste reduzierte Design möglich wird. Doch dann kamen der schöne Sommer und einige Probleme dazwischen, die zu lösen mir einfach nach der Arbeit der Elan fehlt.

Und nun stoße ich beim Popkulturjunkie auf ein zumindest optisch ins selbe Horn stoßende Theme mit einer noch harmonischer wirkenden Farbpalette. Obwohl ich eigentlich nicht zurück zu heller Schrift auf dunklem Grund wollte, reizt mich ein fertiges Theme zu installieren und alle Probleme hinter mir zu lassen. Schließlich steht auch noch ein lange verschobenes Upgrade an…

Mittwoch, 13. August 2008

Die Untersuchung

von Stanislaw Lem,
erschienen bei Suhrkamp, Phantastische Bibliothek, ISBN 978-3-518-36935-7, 8€

Dass Stanislaw Lem Krimis nicht ganz fern liegen, hat er mit dem futuristischen Der Schnupfen bewiesen, einem meiner Lieblingsbücher von ihm. Die Untersuchung, 17 Jahre vorher entstanden, ist dagegen auf den ersten Blick ein klassischer Kriminalroman mit allen dazugehörigen Elemeten, der auch noch in England, dem Mutterland des Genres, spielt.

Dort ermittelt der Scotland-Yard-Inspektor Gregory in einem Fall von verschwundenen Toten, die scheinbar aus den Leichenhallen entwendet wurden. Die Untersuchung kommt nur schleppend voran, es gibt so gut wie keine Indizien und der hinzugezogene Experte Sciss verliert sich in statistischen Auswertungen, die auf keine Täter hindeuten. Gregory weigert sich, an die wundersame Auferstehung Toter zu glauben und verdächtigt zunehmend den exzentrischen Sciss. Doch wie jede seiner Spuren verläuft sich auch diese im undurchdringlichen Nebel des englischen Winters.

Krimi hin oder her, seine Wurzeln kann Lem auch in diesem Buch nicht verleugnen. Inspektor Gregory ist ein rational denkender und handelnder Mensch, dessen Weltanschauung auf eine harte Probe gestellt wird. Er geht lieber jeder noch so extremen wissenschaftlichen Idee nach, die ihm Sciss präsentiert, als eine Sekunde an ein Wunder zu glauben, wie er das Umherwandeln von Toten bezeichnet. Er ist belesen auf den Gebieten der Medizin und Psychologie und geht wie bei der initalen Aufnahme des Tatortes sehr geordnet bei der Untersuchung seiner Fälle vor.

Doch trotz der Tatsache, dass der Leser Gregory das ganze Buch lang nicht von der Seite weicht, erfährt man nur selten, was er denkt und fühlt. Die Finten und Fallen, die er Sciss stellt, kommen so erst spät ans Tageslicht, und einige Aktionen bleiben fragwürdig. So geht er ab dem Punkt, in dem alle Spuren versandet sind, sehr unkoordiniert vor und behauptet gegenüber seinem Vorgesetzten sogar, sich von seiner Intuition leiten zu lassen. Lem spielt an einigen Stellen auch zusammenhangslos Details aus dem Privatleben des Ermittlers ein, die zwar in den Kontext des klassischen Krimis passen, aber innerhalb des Buches nur das ziellose Umherirren des Protagonisten betonen.

Ungewohnt ist schließlich die nicht vorhandene Auflösung, sowohl für das Genre als auch für Lem. Dabei hält sich das Buch ansonsten getreu an die Vorbilder, beschreibt spannend die Besichtigung eines Tatortes und den Verlauf der Ermittlungen. Doch dann sind da eben auch die fantastischen Elemente wie die Vermieter von Gregory und natürlich den umherlaufenden Leichen, die weder erklärt werden noch als Schwindel auffliegen. So bleibt nur ein erneutes Scheitern eines Helden in Angesicht eines für ihn unverständlichen Problemes zu konstatieren; ein von Lem vertrautes Element, das jedoch im Spiel mit dem Genre den Leser unzufrieden zurücklässt.

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Sonntag, 10. August 2008

Halle und seine Fußball-”Fans”

Halle ist im bundesdeutschen Fußball ein unbeschriebenes Blatt. Die Zweitligazeiten nach der Wiedervereinigung liegen lange zurück und seitdem ist selten konstant gewirtschaftet worden, so dass der HFC mit dem Aufstieg in die vierte Liga (Regionalliga) und dem Gewinn des Landespokals Erfolge wie lange nicht mehr aufweisen kann. So ein Landespokal berechtigt zum Start im DFB-Pokal, für dessen erste Runde mit Hannover 96 ein Erstligist zugelost wurde.

Die Chance also, etwas Werbung für die Stadt zu machen, denn die Partie wurde als Zusammenfassung in der ARD und sogar live auf Premiere gezeigt. Doch Halle ist ebenso wie viele andere Vereine der ehemaligen DDR-Oberliga für seine “Fans” berücksichtigt; Fanfeindschaften mit Magdeburg und Leipzig nötigen bei Spielen der Vereine gegeneinander immer ein großes Polizeiaufgebot zu Einsätzen, um Prügeleien zu verhindern. Doch gegen Hannover sollte so etwas eigentlich nicht notwendig sein, schließlich haben die Vereine erst zum dritten Mal gegeneinander gespielt.

Das Spiel lief ganz gut an; ein Drei-Klassen-Unterschied war nicht erkennbar. Halle spielte ordentlich mit, sah in direkten Zweikämpfen immer etwas schlecht aus, hatte aber auch seine Chancen. Leider war Hannover zu klever und abgeklärt, so dass nach 80 Minuten und ein paar unglücklichen Entscheidungen gegen den HFC (viele passive Abseitsstellungen, ein Elfmeter wurde nicht gegeben) es leider 4:0 für Hannover stand - bei nur sechs Chancen für den Bundesligisten.

Und dann ging es los. HFC-Fans aus der Kurve waren über die Trennzäune in den Sitzbereich der Gegentribüne geklettert und lieferten sich ein Schreiduell mit ein paar der etwa tausend angereisten Hannover-Fans über den Trennblock hinweg. Dann flogen die ersten Gegenstände zwischen den Kontrahenten, Fahnenstöcke und später auch zerstörte Schalensitze wurden geschmissen; schließlich kletterten die HFC-Fans auch noch in den Trennblock, um direkten Kontakt zu den Hannoveranern zu bekommen. Da Ordner, Stadionsprecher und die Kapitäne der Mannschaften die Unruhestifter nicht beruhigen konnten und auch Feuerwerkskörper flogen, unterbrach der Schiedsrichter die Partie und die Polizei lief als Puffer zwischen den Blöcken auf. Mit Einlauf der Polizei tauchten die randalierenden HFC-Anhänger aber schnell wieder unter in der sie deckenden Masse der Fankurve. Das Spiel konnte nach zehn Minuten Pause fortgesetzt werden und endete 5:0 für Hannover.

Damit war ausgerechnet Halle als Wiederholgungstäter die unrühmliche Ausnahme der ersten Runde des DFB-Pokals. Nirgendwo anders musste ein Spiel unterbrochen werden; die Randalierer die sich auch nach dem Spiel noch mit der Polizei anlegten haben dem Verein einen Bärendienst erwiesen. Nicht nur die Außenwahrnehmung der Stadt Halle hat durch die Berichte gelitten, sondern der HFC muss sich auch auf Sanktionen einstellen. Nach den Punktabzügen der letzten Saison kann dies böse sportliche Folgen haben. Zudem kann man die “Fans” ja nicht ernst nehmen, die sich vor dem Spiel für den Erhalt und die Sanierung des Kurt-Wabbel-Stadions einsetzen und danach Teile davon mutwillig zerstören.

Ein trauriger Nachmittag für Halle also. Jetzt heißt es abwarten, was der DFB für eine Strafe erteilt. Der HFC, der so abhängig ist von seinen vielen Fans, die gleichzeitig die wenigen Extremisten unter ihnen decken, hat keine große Wahl. Denn wenn er gegen die Randalierer vorgeht, bleiben auch die anderen Ultras den Spielen weg. Die Hoffnung ist also immer, dass die Strafen und Aufräumarbeiten dem Verein weniger kosten, als die Einbußen bei den Eintrittsgeldern ausmachen würden. Ich persönliche verstehe diese Menschen nicht; Fans sind sie jedenfalls in keinem Fall!

Montag, 4. August 2008

Lieber ein Ende als gar keins

Da hat man ein schönes Wochenende, kommt am Sonntagabend nach Hause und will einen der Filme schauen, den der DVD-Rekorder während der Abwesenheit aufgenommen hat. Es läuft alles prima, die Sex-Hotline-Werbung der Nacht-Wiederholung wird routinemäßig überspult, und dann, wahrscheinlich fünf Minuten vorm Schluss, ist plötzlich die Aufnahme zu Ende. Und ich weiß nicht, wie Shaun of the Dead nun ausgegangen ist. Immer diese Privatsender und ihr falsches VPS-Signal!

Dann heute der nächste Versuch; High Fidelity auf einem anderen Sender der Kölner TV-Gruppe aufgenommen. Eine interessante Liebeskomödie (sonst eher nicht mein Fall), bei der englischer Charme dank der Romanvorlage von Nick Hornby, Popkultur in Form von zeitgenössischer alternativer Musik und amerikanische Schauspieler (u.a. Jack Black) eine selten gesehene Verbindung eingehen. Es ist kurz vorm Ende des Films, er stellt ihr die Frage, ob sie seine Frau werden will - und plötzlich wieder Schluss mit der Aufnahme.

Zwei Filme. Kein Ende. Drei Stunden investiert, und nun? Zur Videothek rennen, um die Finals nachzuholen? Darauf warten, den Kumpel wieder zu treffen, der wahrscheinlich beide irgendwo in seiner Sammlung stehen hat? Und bis dahin die Hälfte der Filme schon wieder vergessen zu haben? Life ain’t easy!

Update #1
Eine Lösung ist immer, sich von Kollegen das Ende erzählen zu lassen. Dabei fehlt zwar meist der Stil des Originals, auf Vollständigkeit darf man auch nicht hoffen, aber wie der Titel schon sagt: Besser ein Ende als gar keins. Und ich mache jetzt einen Haken hinter Shaun of the Dead.

Update #2
Auch High Fidelity hat mir nun sein Ende offenbart inklusive einer Gesangseinlage von Jack Black. Dank der DVD bekam ich zusätzlich noch die herausgeschnittenen Szenen zu sehen und bin weiterhin sehr zufrieden mit dem Film. Denn Enden gut, alles gut!

Samstag, 2. August 2008

Rendezvous mit Rama

von Arthur C. Clarke,
erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-24371-6, 8,95€

Science Fiction ist schon eine eigenartige Gattung in der Literatur. In ihr vereinen sich Märchen wie StarWars mit sozialkritischen, aus unserer Zeit herausgelösten Werken (1984) und es soll sogar Romane geben, die sich nur mit wissenschaftlichen Utopien beschäftigen und somit dem Namen alle Ehre machen. Ein Vertreter dieser Hard Science Fiction ist Rendezvous mit Rama, dessen Schwerpunkt auf der Spielerei mit den Elementen des Ersten Kontakts mit einer extraterrestrischen Zivilisation und der Umsetzung einer O’Neill-Kolonie liegt. Die Charaktere des Buches sind dagegen schwach gezeichnet und fern jeder Entwicklung; die Hauptperson ist eindeutig das fremde Raumschiff Rama.

Dieses tritt in einer nahen Zukunft in unser Sonnensystem ein mit Kurs auf die Sonne. Das Raumschiff Endeavour wird entsandt, um sich den zylinderförmigen Eindringling genauer anzusehen. Die Besatzung findet schnell einen Weg in das Innere von Rama und entdeckt dort eine eigenartige Hohlwelt mit atembarer Luft, einem runden Meer aus Eis und vor allem vielen Rätseln. So gibt es städteähnliche Konstrukte, die aus massiven Körpern ohne jede Öffnung bestehen und Furchen in dem gleichmäßigen Metallboden, deren Zweck sich erst bei Annäherung an die Sonne aufzeigt. Denn Rama “erwacht” plötzlich zum Leben: Die Furchen werden zu Lichtquellen, das Rundmeer schmilzt und seltsame biologische Roboter bevölkern die Oberfläche des Zylinders.

Erzählt wird diese erste Erkundung eines fremden Raumschiffs aus Sicht der Besatzungsmitglieder der Endeavour-Raumfähre. Dementsprechend gibt es auch keine Auflösung für die meisten Phänomene und Rätsel von Rama, sondern nur Vermutungen. Immer wieder gibt es auch kleine Spannungsböden, deren Auflösung jedoch meist sehr enttäuschend weil zutiefst logisch und wenig spektakulär verläuft. Wenn man die technischen Fähigkeiten und Mittel hätte, so eine Zylinderwelt zu konstruieren und über eine aberwitzige Zeitspanne durch den Raum zu schicken, dann würde man vermutlich auf dieselben Ideen kommen. Die eigentliche Intention der Erbauer von Rama und vor allem sie selber bleiben jedoch bis zum Ende im Unklaren.

Fazit: Rendezvous mit Rama ist eine Spielerei mit astronomischen Theorien und strotzt dementsprechend vor technischen Details. Zudem muss der Leser auf einen geordneten Spannungsbogen und ausgearbeitete Charaktere verzichten. Dafür bekommt man aber ein klassisches Werk der Science Fiction geliefert, welches dem Leser viel Interpretationsspielraum und eine faszinierende Utopie bietet. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, doch ich bin auch mit den Werken Stanislaw Lems aufgewachsen. Man sollte also schon ein Faible für diese Gattung haben, doch dann kann ich es nur empfehlen.

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Samstag, 26. Juli 2008

Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen - Ein Wir sind Helden-Tagebuch

von Wir sind Helden,
erschienen bei Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-596-17754-7, 12,95€

Das ist Popkultur in Reinform: Eine Band berichtet anekdotenhaft über ihren Aufstieg in den Pophimmel und bietet damit eine ungewöhnliche Perspektive auf ihre akustischen als auch visuellen Werke - in geschriebener Form. Entstanden ist dieser Überfall auf das Medium Buch aus den Online-Reportagen, die vor allem Sängerin Judith über die Jahre für die Band-Website geschrieben hat. Zwei Journalisten haben diese aufbereitet und die einzelnen Mitglieder noch einmal dazu befragt.

Herausgekommen sind dabei immerhin 400 sehr kurzweilige und unterhaltsame Seiten, die von der sympathisch-frischen Art der Helden leben. Man liest, wie die Band zusammenfand, sich in Studios verkroch, Videos drehte und vor allem viel über die Demokratie, mit der sie alle Entscheidungen durchdiskutieren (und deshalb bis heute kein Management haben). Und ich habe erfahren, wie sie sich vor dem Highfield Festival 2003 gefühlt haben, als ich sie zum ersten Mal live gesehen habe - damals, als sie auf dem Festival-Shirt noch ganz klein in der vorletzten Zeile aufgeführt wurden und kurz nach Mittag antreten mussten. Ein Jahre später waren sie schließlich an gleicher Stelle Headliner, so schnell kann es gehen.

Ab und zu lockern Bilder die Berichte und Kommentare auf. So erhält der Leser Einblicke in die Entstehung der Album-Artworks, kann die Storyboards zum Zeichentrick-Video von Von hier an blind bewundern und mittels Fotos sich ganz nah der Band fühlen. Ab und zu kommen auch Begleiter der Helden wie der Produzent, Roadie & Lichttechniker und sogar Thees Uhlmann von Tomte zu Wort. Letzterer trägt einen netten Vergleich zwischen den Touralltagen der beiden Bands bei (Stichwort Streichelzoo vs Rock’n'Roll).

Gegen Ende des Buches schleicht sich dann etwas Verbitterung in die Seiten, wenn der fortschreitende Untergang des klassischen CD-Musikvertriebs thematisiert wird. Dabei hat man bis dahin immer das Gefühl gehabt, dass gerade diese Band von ihren Touren und Live-Auftritten lebt. Und gleichzeitig wird einem bewusst, dass die Helden es geschafft haben, persönliche Informationen (bis auf das Baby) dem Leser über all die Seiten vorzuenthalten. Wenn man dann im Nebensatz liest, dass zwei der drei Bandhochzeiten ohne eine Erwähnung einfach übergangen wurden, dann ist man doch etwas überrascht. Da scheint es für die vier während all der Zeit also doch mehr gegeben zu haben als nur die Band. Beinahe hätten sie es geschafft, dies den Leser gar nicht merken zu lassen - so viel Privatspäre sei ihnen aber gegönnt.

Fazit: Wer schon immer einmal wissen wollte, wie der Alltag einer Popband aussieht, der sollte bei diesem Buch zuschlagen. Denn es ist sowohl authentisch als auch sehr unterhaltsam, selbst wenn nicht aus jeder Seite der Rock’n'Roll schreit. Wenn man also die Musik und vor allem die Texte der Band mag, dann kann man bedenkenlos zugreifen - Wir sind Helden sind einfach zu sympathisch, live wie in Buchform!

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Donnerstag, 24. Juli 2008

Das verhinderte Upgrade

Die unendliche Geschichte geht weiter: Mit jedem Major-Release meiner Blogsoftware Wordpress gibt es neue Probleme, die ein schnelles Update verhindern. Diesmal betrifft es die Permalinks, die nicht funktionieren. Damit wären alle Links innerhalb meiner Beiträge defekt, da nur noch die Standardeinstellungen ziehen. Sehr unschön.

Also muss das Upgrade noch etwas warten. Ein Glück, dass ich ein gebranntes Kind bin und vor der Serverinstallation lokal teste. Ärgerlich ist jedoch, dass eine zentrale Funktion einer Blogsoftware überhaupt defekt ist. Dies wirft ein schlechtes Licht auf die Qualitätssicherung im Projekt, und bei einem solchen Mängel sollte entweder das Release sofort zurückgezogen werden oder ein schneller Patch veröffentlicht werden. Die Vorschläge im Forum hatten jedoch bei mir keine Auswirkungen und selbst manuelle Patches nach dem Bugticket brachten keinen Erfolg. Also muss ich auf Version 2.6.1 warten und bis dahin mit der älteren Version leben - manche Dinge ändern sich einfach nie…

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Dienstag, 22. Juli 2008

Rock Harz 2008

Back from Dreck. Nachdem mein Magen jetzt langsam die Umstellung von der typischen Festivalnahrung (Grillen nach dem Aufstehen und vor den Bands um 12, Grillen zwischen den Bands, Grillen nach den Bands gegen 2h) auf normale, ausgewogenere Essstrategien akzeptiert, kann ich auch vom diesjährigen Rock Harz bei Osterode berichten.

Wetter & Organisation

Diese beide Elemente beeinflussen sich beim Rock Harz immer gerne gegenseitig; so auch dieses Mal. Das Wetter ließ sich zu einem Best-Of der letzten beiden Jahre hinreißen und mischte ständige Regenfälle auf Niveau des großen Gusses von 2006 mit dem Wind und der Kälte des Vorjahres. Damit war die Planung der Zeltplätze schon vor Eröffnung des Festivals hinfällig und die Vorsichtsmaßnahme, keine Autos mehr auf den Campingplatz zu lassen, führte zu einer plötzlichen Knappheit an Parkplätzen. Aber spontan, wie das Harzvolk nun einmal ist, entstanden hinter dem Edeka und vor der Mehrzweckhalle neue Campinggrounds, die zumindest bis Freitag noch Camper aufnahmen.

Danach wurden einfach keine Camping-Tickets mehr verkauft. Da es aber keine Kontrollen gab, wer überhaupt auf die Zeltplätze darf, konnte man das um fünf Euro ermäßigte Ticket ohne Camping erwerben und sich trotzdem dort breitmachen. Platz war genügend vorhanden, trotz der angeblich unerwarteten hohen Nachfrage nach Eintrittskarten. Dabei würde ich sagen, dass dieses Jahr weniger Besucher da waren, trotz der erneut größeren Bühne. Da aber die Festivalbändchen nur an genau einer Stelle verteilt wurden, bildeten sich am Donnerstag extrem lange Schlangen vor der Ausgabe.

Zudem mutierte bereits am Freitag die Wiese auf dem Festivalgelände zu einer einzigen wattähnlichen Matschfläche, da konnten auch Holzspäne und Strohballen nichts daran ändern. Die wenigen sonnigen Stunden reichten leider nicht einmal aus, das Campinggelände zu trocknen, so dass ich am Sonntag auch eine Menge des guten Harzbodens mit nach Hause schleppte.

Das diesjährige Highlight waren aber die Busshuttles, die zwischen Edeka und Festivalgelände verkehrten. In Stoßzeiten drei Busse fuhren die nasse und stinkende Meute durch das Dorf, so dass die Einwohner vom Großteil der Besucherströme entlastet wurden. Ich frage mich aber immer noch, wer auf die Idee kam, die 5000 Camper zwanzig Minuten weg auf der anderen Seite von Förste unterzubringen - die Dorfbewohner hatten sicherlich ihren Spaß.

Musik

Viele Bands haben mich dieses Jahr ja nicht angezogen. Aufgrund des weiten Weges vom Camping zur Bühne musste auch immer gut geplant werden, um nicht eine der interessanteren Bands zu verpassen - zu den Mittags-Spielzeiten habe ich es leider nie geschafft. Am Donnerstag legte Mambo Kurt mit seiner Heimorgel gleich in zwei Sessions los; was Knorkator auf ihrer Abschiedstour nicht vergönnt war. Nur 45 Minuten durften sie auf die Hauptbühne, die zwar sehr kurzweilig waren, aber leider auch sehr kurz.

Ein roter Faden dieses Jahr waren Bands, bei denen (wichtige) Teile der Musik nur aus der Konserve kamen. Es fing an mit den grottenschlechten Down Below und ging über die enttäuschenden Lacrimas Profundere bis hin zu den Headlinern Within Temptation, die trotzdem mein persönliches Highlight waren. Hier waren zumindest bis auf die Streicher alle Instrumente auf der Bühne vertreten und sorgten für ordentlich Druck - die Band ist live deutlich rockiger als aus der Konserve. Sängerin Sharon, inzwischen nicht mehr in voluminösen Ballkleidern auf der Bühne, hat einfach eine einzigartige Stimme, selbst wenn sie nicht jeden Ton trifft und wusste das verbliebene Publikum trotz der heranziehenden Sonntag-Nacht-Kälte auf Temperatur zu halten.

Eine noch bessere Stimme hat ja Liv Kristine, die bei Ehemann Alex Krull zumindest mitsingen durfte und damit die Werk-80-Show von Atrocity rettete. Denn Herr Krull selber kam gar nicht gegen die Musik an - ob dies nur am Mix lag oder an seiner Tagesform, weiß ich nicht. So konnte nur die Bühnenshow überzeugen; vor zwei Jahren mit eigenem Material war die Band auf jeden Fall besser.

Weitere Headliner wie Haggard, Saxon, Crematory oder Amon Amarth liefen weitgehend an mir vorbei, dafür fand ich Burden of Grief recht gut. Und der Ersatz für Third Moon, ein Gruppe von minderjährigen (!) Death-Metallern namens Hackneyed, machte ordentlich Stimmung, wenn auch die Mitglieder der Band beim weiblichen Teil unserer Truppe eher Muttergefühle weckten.

Alles in allem also ein nettes Festival, dass leider wie jedes Jahr vom Wetter unnötig mitgenommen wurde. Wenn die Veranstalter jetzt noch die Organisation endlich einmal zu 100% hinbekommen, dann könnte sich das Rock Harz durchaus noch in größeren Rahmen entwickeln. Aber eigentlich will ich das gar nicht, und die Bewohner von Förste sicher auch nicht…

Mittwoch, 16. Juli 2008

Auf der anderen Seite

Deutschland/Türkei (2007)
Regie: Fatih Akın
Darsteller: Baki Davrak (Nejat Aksu), Nurgül Yeşilçay (Ayten Öztürk), Tunçel Kurtiz (Ali Aksu), Nursel Köse (Yeter Öztürk), Patrycia Ziolkowska (Charlotte Staub), Hanna Schygulla (Susanne Staub) und andere Reisende zwischen Deutschland und der Türkei

Offizielle Homepage

Wenn es abends 21 Uhr in Berlin noch 25 Grad warm ist und die aufziehenden Wolken keine erfrischend kühle Nacht vermuten lassen, dann kann man eigentlich nur in den Biergarten oder ins Open-Air-Sommerkino gehen. Ich habe letzteres getan und mir den schon ein Jahr alten Film von Fatih Akin im Freiluftkino Friedrichshain angesehen. Auf der anderen Seite ist der zweite Teil einer Filmtrilogie von Fatih Akın, deren erster Teil Gegen die Wand mich sehr interessiert hat und deshalb Lust auf mehr machte.

Erneut geht es um die Probleme von Deutsch-Türken zwischen den Gesellschaften, diesmal an Hand dreier Kind-Elternteil-Paare. Nejat ist Germanistik-Professor in Deutschland, sein Vater Ali Rentner in Bremen. Da der alte Mann etwas einsam ist, überredet er die Hure Yeter, ihre Arbeit aufzugeben und zu ihm zu ziehen. Doch dann fällt Yeter bei einer häuslichen Auseinandersetzung so unglücklich, dass sie stirbt. Sie hinterlässt eine Tochter, Ayten, in der Türkei, der Nejat als Wiedergutmachung ein Studium finanzieren will und sich deshalb auf die Suche nach ihr macht.

Doch während Nejat in die Türkei reist, ist Ayten vor der türkischen Justiz nach Deutschland geflohen und hat sich dort in Lotte verliebt. Da sie keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt, wird sie schließlich wieder in die Heimat und dort in das Gefängnis abgeschoben. Lotte reist ihr hinterher, kann der Freundin jedoch nicht helfen. Allein im fremden Land, von der eigenen Mutter verstoßen, stirbt Lotte schließlich durch einen unglücklichen Zufall in einem Hinterhof. Durch diesen Tod lernen sich Lottes Mutter Susanne und Nejat kennen, und auch Ali verschlägt es dank Abschiebung wieder in die Heimat…

So wenig die Handlung von Auf der anderen Seite der von Gegen die Wand ähnelt, so viele Parallelen gibt es doch. In beiden Filmen sind es ungewollte Morde, die entscheidende Wendungen mit sich bringen, und beides Mal ist es das zu Passivität verurteilende Element der Haft, das andere Charaktere zu entscheidenden Reaktionen zwingt.

Der Unterschied findet sich jedoch in der finalen Aussage: Es ist egal, in welchem Land und in welcher Kultur etwas passiert, die Menschen sind in der Lage, in ihren Umgang jegliche Grenzen hinter sich zu lassen. Sehr schön verdeutlicht dies auch das Bild der beiden Särge, die in Flugzeuge eingeladen werden. Die erste Szene spielt in Deutschland, die zweite in der Türkei, doch für den Betrachter ist kein Unterschied zu erkennen.

Dies ist dann auch die Erkenntnis der Charaktere: Susanne unterstützt am Ende Ayten, wie sie es vorher bei Lotte versäumt hat und überwindet sich dabei selber. Und auch Nejat erkennt, was ihm sein Vater zeitlebens gegeben hat, und was er jetzt davon zurückzahlen kann. In die zutiefst schönen Bilder Istanbuls und der Schwarzmeerküste hüllt Fatih Akın diesmal also trotz zweier Todesfälle eine positive Aussage: Grenzen gibt es nur in den Köpfen der Menschen, und dort kann man sie auch überwinden!

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