Mittwoch, 28. Mai 2008

Bücher-Kurzbesprechung

Damit meine Bücher nach dem Lesen an ihren angestammmten Platz im Bücherregal wandern, habe ich mir die Selbstverpflichtung auferlegt, zu jedem einen Blog-Eintrag zu verfassen. Doch nicht zu allen Werken finde ich Zugang und verschiedenste Gründe können einen Artikel verhindern, den ich bereit bin online zu stellen. Damit sich kein zu großer Stapel auf meinem Schreibtisch bildet, will ich nun zumindest kurz etwas über zwei Titel schreiben.

Fiesta: The sund also rises

von Ernest Hemingway,
erschienen bei Arrow Books, ISBN 978-0-099-90850-0, 6,99£

Hemingway ist bis jetzt vollkommen an mir vorbei gegangen. Nun habe ich dieses Buch von einem guten Freund geschenkt bekommen und ziemlich schnell gelesen; den Inhalt jedoch nur an mir vorbeiziehen lassen. Es geht um einige befreundete Amerikaner (Künstler und Journalisten), die sich nach dem ersten Weltkrieg in Paris niedergelassen haben und den Sommer zusammen in Spanien verbringen wollen: Erst Angeln in den Pyrenäen, dann die berühmte Fiesta mit Stierkämpfen in Pamplona. Doch die einzige Frau in der Runde schafft es, die Männer gegeneinander aufzubringen und zieht dann doch mit einem jungen Stierkämpfer von dannen.

So leicht wie sich diese Zusammenfassung schreibt, ist auch das Buch selber geschrieben. Es lebt von dem sprunghaften Schreibstil Hemingways und der Atmosphäre, die Paris und Spanien in den 20er Jahren ausstrahlen. Dem angemessen plätschern die 215 Seiten so vor sich hin; keine Spur von Tragik oder einem großen Finale findet sich und am Ende ist fast alles wie zu Beginn des Romans. Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht in der Lage, das Werk ausreichend zu interpretieren und belasse es deshalb bei dieser Kurzbesprechungschreibung.

Die Filmerzählung - Acht exemplarische Analysen

von Eberhard Ostermann,
erschienen beim Wilhelm Fink Verlag, ISBN 978-3-7705-4562-9, 19,90€

Auf der Suche nach Interpretationsansätzen für Filme wie Caché oder Swimming Pool bin ich auf dieses Buch gestoßen. Der Autor hat es sich zum Ziel gesetzt, Filme auf der Ebene der Erzählung zu interpretieren, um den Leser zu Ähnlichem anzuregen. Dabei gibt er im Vorwort selber zu, dass eine Herauslösung der Handlung aus dem Gesamtkunstwerk Film diesem niemals gerecht werden kann. Zum Glück hält er diese selbstgesetzte Grenze nicht immer ein, der Schwerpunkt jeder der acht Analysen liegt jedoch immer im Bereich der Erzählung.

Für Caché liegt er weitgehend auf meiner Linie, bei Swimming Pool dagegen habe ich einige Aha-Erlebnisse beim Lesen gehabt. Auch die Analysen von Cast away und Mystic River sind interessant, jedoch hatte ich bei beiden Filmbesprechungen das Gefühl, dass der Autor mehr hineininterpretiert hat, als das Material zulässt. Der durchgängige Versuch, Freuds Ödipuss-Komplex in allen Werken wiederzufinden, fällt sogar negativ auf. Trotzdem liest sich das Buch gut und schnell und hat meine Erwartungen erfüllt - für das zeitgenössische Kino sind Werke dieser Art rar gesät.

Ich habe jedoch nach den genannten vier Filmen eine Pause eingelegt, um mich an den berechtigten Hinweis im Vorwort zu halten. Damit eine Analyse wirklich verstanden werden kann, muss man den Film zumindest gesehen haben und im Idealfall danach erneut rezipieren, um das Verständnis zu erhöhen. Bei Breaking the waves, The sweet Hereafter, Birth und Taste of cherry ist diese Voraussetzung für mich nicht erfüllt. Mein Festplattenrekorder ist jedoch ständig scharf geschaltet, so dass ich die restlichen Filme bald nachzuholen gedenke.

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Mittwoch, 28. Mai 2008

Fellbüschel

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Da öffnet man früh nichtsahnend sein Schlafzimmerfenster und steht plötzlich den stummen Zeugen eines Verbrechens gegenüber: Ein Tier hat mitten auf dem Fensterbrett ordentlich Haar lassen müssen. Und das im ersten Stockwerk mitten in Deutschlands größter Stadt, abseits der üblichen Pfade der meisten Spezies. Meine Vermutung ist, dass es sich um das Fell eines Eichhörnchens handelt, die gerne die grobe Fassade für Ausflüge durch die Innenhöfe der Friedrichshainer Altbauten nutzen. Doch die Farbe will nicht so richtig stimmen; meine bisher gesichteten Nachbarn aus den Bäumen haben alle rotbraunes Fell:

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Vielleicht sind es aber auch Reste eines Winterfells - eine logische Erklärung, die jedoch meine Sensationslust nicht stillt…

Dienstag, 27. Mai 2008

Dabeisein ist alles

Vielleicht hätte ich meine alten blauen Bund-Turnschuhe vor der ersten Benutzung nach acht Jahren noch einmal inspizieren sollen. Dann wäre mir aufgefallen, dass erstens die Einlegesohlen fehlen (weil sie sich in meinen Badminton-Schuhen in einer anderen Stadt ausruhen) und zweitens sich meine Fußform inzwischen verändert haben muss. Anders kann ich mir einfach nicht erklären, dass sich nach nur fünf Minuten Basketball gleich drei Blasen unter beiden Füßen gebildet haben, weil ich zu viel Spielraum für meine zehn Zehen hatte. Mit genügend Polsterung konnte ich zwar noch zu Ende spielen, doch viel Spaß macht das Laufen gerade nicht.

So viel zum Thema Sport. Für Freitag ist noch Anbeachen angesagt; ich hoffe bis dahin haben sich die Füße etwas erholt.

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Dienstag, 27. Mai 2008

Escapado im Cassiopeia

(Gute) Hardcore-Bands, die auf deutsch singen schreien, gibt es ja leider nicht viele. Also habe ich die Chance genutzt, die rühmliche Ausnahme Escapado bei mir um die Ecke im Club mit dem schlechtesten Kicker der Stadt für schlappe 8 Euronen zu sehen. So billig bin ich seit einem Deichkind-Konzert für 11DM anno 2000 nicht mehr davon gekommen.

Zudem gab es zwei lokale (Hardcore-/Progressive-) Vorbands, die leider den Escapado-Auftritt auf die für die arbeitende Bevölkerung unglückliche Zeit Sonntag abend kurz vor Mitternacht verzögerten. Von weitem kaum auseinander zu halten, war die erste Band Laura Mars deutlich besser als die Nummero Zwo; doch zumindest hatte niemand Probleme mit dem Sound und auch aufgrund der sehr guten Lüftung kann man das Cassiopeia als Konzert-Location nur empfehlen.

Zehn vor Zwölf kamen dann die vier Mannen von Escapado auf die Bühne und zeigten schnell den Unterschied zu ihren Vorgängern auf. Das tragende Gitarrengeschrammel, die zwischen intensivem Gesang und Geschrei wechselnde Stimme und die erprobte Bühnenerfahrung inklusive Rumpoken in der ersten Reihe - da macht den Nordlichtern so schnell niemand etwas vor. Nach vier, fünf Liedern von der aktuellen Platte (die ich nicht kenne, die mich aber auch nicht vom Hocker rissen) gingen sie dann schnell zu den “alten” Songs von Hinter den Spiegeln über und heizten das Publikum ordentlich auf. Nach nur einer Stunde inklusive Zugabe war das Konzert dann aber schon zu Ende, so dass ich noch einige Stunden Schlaf vor der neuen Arbeitswoche tanken konnte.

Wer Escapdado also noch nicht gesehen hat und auf Hardcore steht, dem lege ich ein Konzert der Band ans Herzen. Noch ist das Preis-/Leistungs-Verhältnis einfach genial!

Montag, 26. Mai 2008

BenX

Belgien (2007)
Regie: Nic Balthazar
Darsteller: Greg Timmermans (Ben), Laura Verlinden (Scarlite), Marijke Pinoy (Bens Mutter), Pol Goossen (Bens Vater), Titus De Voogdt (Bogaert), Maarten Claeyssens (Desmedt), Tania Van der Sanden (Sabine), Johan Heldenbergh (Religionslehrer), Jakob Beks (Werklehrer), Peter De Graef (Psychiater), Ron Cornet (Schuldirektor) und andere Flämen

Offizielle Homepage

Ben ist ein autistisch veranlagter Jugendlicher, der in der Schule von den Mitschülern malträtiert nur in der Welt des Online-Rollenspiels Archlord zurecht kommt. Doch die dort gesammelten Erfahrungen lassen sich nur bedingt ins echte Leben übertragen, während reale Ereignisse durchaus bis in die virtuelle Realität Einfluss ausüben. Dies muss Ben auf die harte Tour erkennen, als er mit Handy-Videos seiner Mitschüler zugespammt wird, die ihn in peinlicher Pose zeigen. Zudem will seine Online-Bekanntschaft Scarlite ihn im richtigen Leben kennenlernen, doch Ben schafft es nicht, sie anzusprechen. Als er schließlich auch noch von zwei anderen Schülern verprügelt wird, sieht er nur noch einen Ausweg: Den Selbstmord.

Was sich auf den ersten Blick anhört wie eine klassisch einseitige Verarbeitung des Themas virtuelles vs reales Leben, entpuppt sich schließlich als eine argumentativ breit gefächerte Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt zwischen Jugendlichen und deren mediale Repräsentanz. Die Quelle für diesen flämischen Film war dabei ein realer Selbstmord eines Schülers; doch Regisseur und Autor Nic Balthazar hat sich einige Freiheiten bei der Darstellung genommen und mit dem Happy-End sogar ein klares Statement hinzugefügt.

Zu Beginn des Films wird der Zuschauer jedoch zuerst von der hervorstechenden Optik gefangen: Um die Sicht von Ben zu vermitteln, werden die Bilder von Interface-Elementen des Onlinespiels überlagert; man erlebt wie der Charakter in seinem täglichen Tun Parallelen zu seinem virtuellen Alter Ego (dem titelgebenden BenX) zieht, wenn er sich anzieht, durch die Stadt bewegt; wie er versucht mit verschiedensten Situationen klar zu kommen, die einem Autisten vor große Probleme stellen. Das Rollenspiel steht hier nicht für eine Sucht (die Online-Zeit wird genau kontrolliert), sondern für die Abwechslung einer Welt, in der Ben die (vereinfachten) Konventionen versteht und in der er sich mit einer größeren Freiheit bewegen kann. Die Übertragung der Macht seines virtuellen Charakters gelingt ihm aber ebensowenig wie das für ihn anstrengende Kopieren realer Verhaltensweisen seiner Mitmenschen.

Doch bald tauchen andere mediale Einflüsse auf: Eltern und Lehrer kommentieren in dokumentarisch anmutenden Sequenzen ein scheinbar tragisches Finale; der auf Video und Handys aufgenommene Beweis von Bens Schikanierung durch die Klassenrowdies taucht bald schon in Bens Mailbox auf, doch auch Ben selber filmt viel mit seiner Kamera. Verdeutlich wird damit die mediale Durchdringung und Verknüpfung unseres gesamten Lebens, in dem es kaum noch medienfreie, private Rückzugsräume für den Menschen gibt. Doch nicht alles ist schlecht an dieser technischen Entwicklung: Das Videohandy erlaubt Ben auch die Kommunikation mit der Mutter und er erhält darüber die Nachricht seiner Online-Bekanntschaft Scarlite. Außerdem missbraucht er selber die Macht des Videos bei seinem inszenierten Selbstmord. Das Fazit sollte also sein, selbstbestimmend mit den Medien umzugehen, sich ihnen nicht unterzuordnen und sich erst Recht nicht abhängig machen.

BenX behandelt jedoch nicht nur das Thema mediale Gewalt, sondern auch Gewalt zwischen Jugendlichen. Diese findet nicht nur physisch statt, und meist sind es Außenseiter wie Ben, die aufgrund ihrer Andersartigkeit und mangelnder Anpassung zu Opfern wider Willen werden. Dabei ist der Autismus nur eine Spielart der Andersartigkeit; stellvertretend für alle gemobbten Außenseiter an den Schulen. Im deren sozialen Geflecht gibt es immer Aggressoren, die sich durch Schikanierung und Demütigung der Schwachen eine gewisse Stellung erarbeiten. Dazu kommt ein unterstützendes Publikum, dass um nicht aufzufallen und in der breiten Masse anonym unterzugehen zustimmend applaudiert, während der Rest solche Aktionen zwar nicht billigt, aber auch nicht eingreift. Bei Ben führt das Gefühl der Hoffnungslosigkeit schließlich zu Aktionen der ungezügelten Gewalt.

Doch anstatt diese letzte Form des Ausdrucks korrekt zu interpretieren, muss Ben vor dem Direktor erscheinen; nicht in der Lage seine Probleme gegenüber den Mitmenschen auszudrücken. Viel lieber will der Rektor den “Problem”-Schüler von der Schule verweisen, denn dies ist die einfachere Lösung gegenüber der Ursachenforschung der eigentlichen Probleme. Genauso haben aber auch Bens Eltern nicht ganz zu Ende gedacht, als sie ihren Jungen tagtäglich damit quälen, in die normale Schule zu gehen. Diese ständige Belastung führt zu einer weiteren Einkehr in sich selbst, die schließlich ein wichtiger Schlüssel für den Selbstmordversuch ist. Erst am Ende haben die Eltern so weit verstanden, dass es für Ben durchaus Lebensformen abseits eines normalen Lebens gibt - anders zu sein muss nicht schlecht sein, es muss nur verstanden und akzeptiert werden.

Das schon erwähnte Happy-End als mediale Befreiungsaktion aus sich selbst hinaus wirkt jedoch etwas deplatziert. Zu sehr hat man als Zuschauer die Denkweise Bens kennengelernt, um ihm diese Planung des vorgetäuschten Selbstmords abzunehmen. Ben scheint eine so ausgeklügelte Racheaktion in der realen Welt nicht planen zu können, eher passt die Online-Ankündigung des Suizids (”Endgame”) und die Reaktion der Zeugin Scarlite in die Geschichte. Trotzdem ist BenX ein sehenswerter Film, der sich unter der Oberfläche popkultureller Bild- und Toneinstellungen mit Problemen der Jugend und des Aufwachsens in einem medialen Raum befasst.

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Dienstag, 13. Mai 2008

Die Haarteppichknüpfer

von Andreas Eschbach
erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-24337-2, 7,95€

Lange schon stand dieser “Klassiker” des deutschen Science-Fiction auf meinem Wunschzettel, seit ich die Leseprobe verschlungen habe. Jetzt endlich habe ich ihn gelesen und kann die Lorbeeren verstehen. Denn lange habe ich keine so spannende und aufwühlende Utopie mehr gelesen, und im Gegensatz zu den meisten nachfolgenden Werken des Autoren, der sich in der Zwischenzeit zum deutschen Michael Crichton gemausert hat, ist auch die Charakterzeichnung kein Problem.

Dies verdankt das Buch seinem Aufbau aus 17 Kurzgeschichten und dem Fehlen eines durchgängig handelnden Helden. Zwar gibt es immer wieder einzelne Charaktere, die im jeweils folgenden Kapitel, meist am Rande, erneut auftauchen und damit die Verbinung zwischen denselben bilden. Doch diese Verbindung können auch einfach nur Orte sein und größere Zeitsprünge sind eher die Regel als die Ausnahme. Eine Gemeinsamkeit aller Kapitel sind jedoch die kleinen Tragödien, die sich meist auf der im Gegensatz zu der riesigen Größe des beschriebenen Universums geradezu mikroskopischen Ebene einzelner menschlicher Beziehungen abspielen. Am Ende akkumulieren sich diese Handlungsfäden wie die Haarfäden der titelgebenden Teppiche zu etwas Größerem; denn alle diese tragischen Elemente sind Folgen eines makroskopischen Schicksals auf universaler Ebene, dass auf so viele Menschen Einfluss hat, dass es den Leser geradezu erschlägt gegen Ende des Buches.

Neben dem interessanten und auf mehreren Ebenen ausgeführten formalen Ansatz weiß auch die beschriebene Welt zu überzeugen. Die sehr gern verwendete Mischung aus mittelalterlichen und modernen Technologien sowie verschiedenen Staatsformen und Relegionen findet hier ihre Begründung, wenn auch die Vorgeschichte des Kaiserreiches und die Verbreitung der Menschheit über den Kosmos im Dunkeln bleibt. Doch die richtige Mischung aus aufeinander aufbauenden Details und der bewusst vage gehaltenen Beschreibung des Haarteppich-Universums erhält die gesamten 319 Seiten über eine Spannung aufrecht, die sogar noch von der Auflösung des großen Rahmens aller Handlungsfäden getoppt wird.

Fazit: Wer sich nur ein wenig für Science-Fiction begeistern kann oder Bücher in der Tradition des Wüstenplaneten mag, der sollte den Erstlingsroman von Andreas Eschbach unbedingt lesen. Eine tragische Geschichte verpackt in einem innovativen formalen Konzept, spannend vom Anfang bis zum Ende - so muss ein gutes Science-Fiction-Buch aussehen!

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Dienstag, 13. Mai 2008

Informatiker-Witz

Manchmal lernt man in einem Workshop ganz nebenbei manche Kuriosität kennen. So heute geschehen mit dem RFC 1149, auch IPoAC genannt, dem sogenannten Internet-über-Brieftauben-Protokoll. Ein Herr David Waitzman hat diesen Vorschlag am 1.April 1990 mit einer sehr komischen Bescheibung eingereicht, und viele Kommentatoren haben ihr Scherflein dazu beigetragen. Die wichtige Frage von MontyPython ist jedoch noch immer ungeklärt: Macht es einen Unterschied, ob es eine europäische oder eine afrikanische Taube ist?

Freitag, 9. Mai 2008

Fan-Freundschaften

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Ich habe ja schon einiges erlebt, was das Verhalten von Fans unterschiedlicher Vereine gegenüber einander betrifft. Dabei ist es zwar nirgends so extrem wie bei den Fußball-Fans (Magdeburg-Halle oder Leipzig-Halle sind Klassiker der Polizei-Einsätze), doch auch Handball- und Eishockey-Fans wissen Feindschaften zu leben. Beim Spiel Hertha BSC Berlin gegen Karlsruher SC im fantastischen Olympiastadion wurde mir jedoch gezeigt, wie man trotz unterschiedlicher Vereins-Zugehörigkeit vernünftig miteinander umgehen kann. Wenn sich Tribünen gegenseitig den Namen des jeweils anderen Vereins zurufen und auch die Spielernamen des Gegners mitgebrüllt werden, dann zeugt dies von gegenseitigem Respekt. Klar, Hertha-Fans sind schon etwas anders als ihre Pendants aus der Oberliga oder dem Ruhrpott, aber die Stimmung war super, das Wetter optimal für ein schönes Fußballspiel und Tore (3 alleine auf das Tor, hinter dem ich saß) bzw Strafraumszenen gab es genügend. Was will man mehr für 10,50€ Eintrittsgeld?

Freitag, 9. Mai 2008

Alle Wege führen nach Freyburg

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Jedenfalls taten sie das für mich um Männertag herum. Am Mittwoch vor Himmelfahrt stand Walpurgisnacht-Rock auf Schloss Neuenburg oberhalb von Freyburg auf dem Programm. Sieben Bands und die interessante Kulisse innerhalb der Burgmauern waren der Anreiz, mir dieses Mini-Festival einmal anzusehen.

Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen dieser Art hatte jede Band eine Auftrittszeit von anderthalb Stunden und konnte so das volle Repertoire zeigen. Dies wurde durch zwei Hauptbühnen und überlappende Spielzeiten erreicht, wodurch man sich zwar immer für eine Band entscheiden musste, aber trotzdem von jeder etwas mitbekommen konnte. Im Innenhof war den ganzen Abend Mittelaltermusik angesagt (Transsylvanians, Fiddler’s Green, Tanzwut), während auf der Vorburg-Bühne die Firebirds von Rammstein-Lookalikes und -Coverbands eingerahmt wurden. Warum dann ausgerechnet Feuerengel als letzte Band und nicht Tanzwut den Headliner spielen durften, war mir nicht ganz klar. Aber vielleicht wollte man vor Männertag einigen Herren die Chance geben, schon 0:30 Uhr nach Hause zu fahren. Ich bin dann auch nicht bis zum Ende geblieben, da inzwischen der Wind so unangenehm durch die Burg fegte und Feuerengel nicht genügend Hitze erzeugten, um mich warm zu halten.

Entgegen aller Planungen ging es dann gleich zu Himmelfahrt wieder nach Freyburg. Meine Männertagsrunde hatte spontan beschlossen, von Bad Kösen über Schulpforte nach Freyburg entlang der kleinen Saale und Unstrut zu wandern. Da das Wetter mehr als mitspielte und die Strecke einiges zu bieten hat, wurde es ein sehr angenehmer Tag. Am Zielort lud außerdem der Freyburger Weinfrühling zu Weinproben ein. Aufgrund des Bayerns-Spiels haben wir aber auf einen Aufstieg zur Neuenburg verzichtet und uns eine Kneipe mit Live-Übertragung gesucht.

Vielleicht komme ich ja dieses Jahr zum Winzerfest wieder an die Unstrut; dieses ist immer einen Besuch wert!

Sonntag, 4. Mai 2008

Nichtsdestotrotz

Manchmal braucht es einen Stein des Anstoßes, damit man sich bewusst wird, was für Wörter man so im täglichen Sprachgebrauch nutzt. In meinen Fall war es die letzte Sendung Lesen! von Elke Heidenreich, in der sich die Moderatorin über einen Übersetzer echauffierte, der das Wort nichtsdestotrotz verwendete - bei mir im Blog findet man vier (ältere) Artikel, die sich dieser “Sünde” bedienen. Dabei steht das Wort sogar im Duden, auch die DDR-Ausgabe von 1981 führt es auf. Was also ist so schlimm daran?

Vermutlich sind es die Kürzel umg (DDR) und ugs. (aktuelle Ausgabe), die beide für umgangssprachlich stehen. Laut Wikipedia haben uns ein paar Studenten diese Wortschöpfung eingebrockt, und sie hat den Menschen so gut gefallen, dass sie immer häufiger genutzt wird. Ich persönlich kenne das Wort seit Kindheitstagen, kann aber nicht sagen, ob Eltern, Freunde, Erzieher oder Lehrer es an mich herangetragen haben. Aus einem Buch habe ich es bestimmt nicht, meint der Zwiebelfisch:

Im gepflegten Deutsch sind nach wie vor die Begriffe “trotzdem”, “wenngleich” und “obwohl” zu bevorzugen.

Aha, daher weht also der Wind. Die Hüter der deutschen Sprache sind wieder erwacht und müssen das Deutsch vor den aberwitzigen Wortkreationen übermütiger Studenten beschützen, deren einziges Ziel es ist, unsere Muttersprache bis zur Unkenntlichkeit zu deformieren. Ich sage: Sollen sie ruhig. Wer das Wort mag, soll es gebrauchen. Denn nach einiger Zeit wandert wohl jedes Wort aus dem Bereich Umgangssprache entweder in die Ecke der vergessenen Schöpfungen oder aber in die Elite der akzeptierten deutschen Wörter.