HDTV – ein holpriger Start

Pünktlich zu den olympischen Winterspielen in Vancouver haben es die Öffentlich-Rechtlichen Sender ARD und ZDF geschafft, ihre HDTV-Ausstrahlung in den Regelbetrieb übergehen zu lassen. Während arte schon seit über einem Jahr hochauflösend auf Sendung ist, haben die beiden ersten Programme erst ein paar Showcases wie zur Leichtathletik-WM und über Weihnachten ausprobiert, bevor der große Schritt gewagt wurde.

Trotzdem ist natürlich nicht alles HD, was auf den HDTV-Versionen der Sender läuft. Der Löwenanteil der Sendungen wird immer noch in SD produziert und für die HD-Ausstrahlung einfach nur hochgerechnet. Neben Mischformen wie der Bundesliga-Sportschau, deren Studioaufnahmen hochauflösend sind, die Spielzusammenfassungen jedoch nicht, gibt es aber bereits einige Programmformate in HD. In der ARD-Programmübersicht sind diese als solche markiert; beim ZDF kann man gezielt nach HD suchen. In den nächsten vierzehn Tagen dominiert die Olympia-Berichterstattung diesen Bereich.

Technisch hat man sich bereits vor Jahren für 720p50 entschieden, d.h. für 50 Bilder pro Sekunde in der kleineren der beiden HD-Auflösungen. Begründet wird dies mit dem angeblich besseren Bild durch die höhere zeitliche Auflösung gegenüber dem weitverbreiteten 1080i50, also 50 Halbbildern in voller HD-Größe. So richtig ich die Entscheidung gegen das Interlaced-Format finde, dass als Relikt aus analogen TV-Tagen zu Zeiten von LCD-Fernsehern eigentlich längst ausgestorben sein sollte, so ärgerlich finde ich die Wahl der geringeren Auflösung. Denn zum Einen hat sich 1080p als Standardformat auf Blu-Rays längst durchgesetzt, zum Anderen wird weltweit das meiste HD-Material in 1080i produziert. Dies bedeutet, dass das gewählte Format nur eine Zwischenlösung darstellt und vermutlich bald wieder abgelöst wird. Bis dahin entsteht viel Konvertierungsaufwand, wenn fremdproduzierte Sendungen ausgestrahlt werden sollen wie aktuell die olympischen Spiele. Und selbst internationale Großereignisse wie die Leichtathletik-WM letztes Jahr in Berlin wurden von ARD/ZDF in 1080i produziert und nur dem eigenen Publikum in 720p50 präsentiert…

Neben dem höher aufgelösten Bild bringt der HDTV-Start auch Dolby Digital als Standardtonformat für die Öffentlich-Rechtlichen. Ob das abseits der Filme, bei denen dies bereits üblich war, wirklich Vorteile bringt, muss ich jedoch anzweifeln. Bei den Olympia-Übertragungen bedeutet dies nur, dass der Kommentator auf den Center-Lautsprecher gelegt wird und alle anderen Umgebungsgeräusche wie die Zuschauer auf den Surroundboxen erscheinen. Leider ist die Abmischung nicht optimal, der Kommentator geht teilweise in den Umgebungsgeräuschen unter, und beim Wechsel auf die nicht in 5.1 produzierte Werbung stören die großen Lautstärkeunterschiede.

Dennoch ist es wichtig, dass der Schritt zu HD endlich vollzogen wurde und ich verspreche mir einen wichtigen Impuls für die gesamte Fernsehlandschaft in Deutschland. Der Unterschied zum analogen Fernsehen und selbst zum digitalen SD-Bild ist deutlich zu sehen; endlich kann ich die Fähigkeiten meines HD-Fernsehers einmal ausnutzen.

Dabei standen die Chancen bis vor kurzem noch schlecht, dass ich als Zwangskunde von Kabel Deutschland das HDTV-Signal überhaupt eingespeist bekomme. Denn entgegen anderer Kabel-Monopolisten wollte Kabel Deutschland von den Sendern Geld dafür verlangen, dass es dem für den Anschluss zahlenden Kunden die hochaufgelösten Kanäle anbietet. Erst Ende Januar hatte das Pokerspiel ein Ende und Kabel Deutschland lenkte ein; seit einer Woche kann man das Signal nun empfangen und dies sogar ohne die ansonsten übliche Grundverschlüsselung.

Zum HD-Glück fehlte jetzt nur noch ein HD-Receiver. Denn mein Samsung-LCD besitzt keinen eingebauten DVB-C-Tuner wie der Philips meiner Eltern, bei denen ich über Weihnachten bereits erste Erfahrungen mit ARD/ZDF HD machen konnte. Da Kabel Deutschland bis vor kurzem außer Premiere/Sky, die eigene Receiver anbieten, keine HD-Sender im Programm hatte, fehlt noch jegliches HD-Angebot an die eigenen Kunden. Das bestmögliche angebotene Gerät war bisher ein digitaler Festplattenrekorder, der jedoch nicht einmal einen HDMI-Ausgang besaß sondern das digitale Signal über Scart an den Fernseher weitergab. Ein qualitativ hochwertiges Bild liegt eindeutig nicht im Fokus des Kabelanschlussanbieters – einige digitale Sender wie Eurosport 2 wurden mit einer geringen Bitrate eingespeist, die Erinnerungen an die ersten Internetvideos weckte. Erst im Sommer zur Fußball-WM soll das Angebot erweitert werden; mit etwas Glück kann ich dann gleich auf einen HD-Festplattenrekorder wie bei Kabel-BW wechseln.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mir selbständig einen Receiver zuzulegen. Die Auswahl an preiswerten Geräten ist klein, und so kurz vor dem olympischen Spielen waren auch die Lager der Händler leer. Ich entschied mich für den Philips DCR-5000, der gerade rechtzeitig zum Regelbetrieb von ARD und ZDF HD per Firmware-Update überhaupt einen fehlerfreien Empfang der Sender ermöglicht. Anschluss und Einrichtung verliefen problemlos und so kann ich nun seit gestern die Winterolympiade in HD verfolgen.

Die Umschaltzeiten des Philips sind relativ gering und Bild und Ton können überzeugen; die Integration in meinen HiFi-Stack stellte keine Probleme dar. Zudem hat das Gerät eine tolle Fernbedienung und einen Stromsparmodus für das Standby, der aber auch die Aktualisierung des EPG verhindert. Probleme in Sachen Zukunftssicherheit sehe ich in der Beschränkung des HDMI-Ausgangs auf 1080i; Vollbilder in der großen HD-Auflösung sind so nicht möglich. Dies ist zwar momentan ausreichend für alles, was in Deutschland an HD-Fernsehen gesendet wird, aber wie gesagt gehört die Zukunft ganz klar dem 1080p-Format.

So muss man also vielerorts noch einige Hürden überwinden und den üblichen Preis der Early Adopters zahlen, um an der Zukunft des Fernsehens teilhaben zu können. Doch für mich hat sich die Investition ganz klar gelohnt und ich freue mich auf zwei Wochen Olympia in HD!

Vorhang auf

Einen runden Geburtstag feiert die Berlinale dieses Jahr, und doch fühlt es sich an wie all die letzten Jahre; von Jubiläum keine Spur. Der Winter hat Berlin fest im Griff und Festivaldirektor Dieter Kosslick hat erneut eine amateurhaft wirkende Eröffnungsfeier inszeniert. Ihm zur Seite stand diesmal Anke Engelke, die bravourös in die Fußstapfen ihrer Vorgängerinnen (inklusive ihrer eigenen) stieg und mit schlechten Kalauern und einer seltsamen Intonierung ihres Englisch irritierte.

Die von mir abonnierte Filmzeitschrift Ray schreibt dazu passend in ihrer aktuellen Ausgabe über die Berlinale:

Sie ist das forderndste, ja unliebsamste Festival, weil ihrer Auswahl nicht zu trauen ist. Es gibt dort so viele Kuratoren, dass man sein eigener Kurator werden muss, das Sehenswerte suchen um den Preis oft schmerzhafter Fehlgriffe. Ja, ein paar Lieblingsfilme bleiben schließlich übrig als trotzige Eroberungen. Man gibt sie nicht mehr aus der Hand, weil man so schwer daran gekommen ist. Doch wenn man sie in eine Liste setzt, dann ergeben sie eher ein Bild von uns selbst als das eines großen Festivals.

Und das trifft es ziemlich gut. Die Berlinale will gar nicht die Speerspitze der Hochkultur sein, kein Arthouse oder andere Nischen besetzen, sondern spricht die Allgemeinheit an. Auf keinem anderen Festival gehen mehr Besucher in die Kinos, laufen mehr Filme. Da gibt es keine Elite, keinen Mainstream, sondern eine unglaubliche Anzahl schwer einzuordnender Filme, von denen am Ende alle ihre Besucher finden.

Und das macht die Berlinale gleichzeitig so anziehend und ärgerlich; eine Hassliebe eben wie so vieles in Berlin. Dazu gehört die Eröffnungsgala ebenso wie mein heutiges zwanzigminütiges Anstehen im Kino International – zum Glück war die Schlange kurz. Der sozialistische Charakter des Ticketsverkauf – für jeden nur maximal zwei Tickets pro Film und die Verkäufe starten immer erst drei Tage vorher – passt da genauso ins Schema.

Für mich ist jedoch das größte Problem, die Qual der Wahl zu haben unter so vielen Filmen, die oft noch nicht in Deutschland aufgeführt wurden und wahrscheinlich genauso oft den Weg in den Verleih nicht finden werden. Außerhalb des Berlinale-Journals finden sich kaum nennenswerte Informationen, so dass jeder Kinobesuch auf der Berlinale aufs Neue ein Experiment ist; immer auf dem schmalen Grat zwischen eigenem Geschmack und dessen Wiedererkennung in den Beschreibungen. Mein Balanceakt startet dieses Jahr am Sonntag mit David wants to fly. Ich bin gespannt und werde berichten.

Einer von vielen

von Norbert Zähringer,
veröffentlicht im Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-498-07664-1, 22,90€

Was haben ein amerikanischer Filmassistent, ein vielsprachiger Exilarmenier und ein deutscher Junge gemeinsam? Ihre Wege werden sich, so erzählt es Norbert Zähringer, in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs in Berlin kreuzen. Doch bis es so weit kommt, musste einiges passieren, und davon berichtet Einer von vielen in einer handvoll parallelen Handlungssträngen, die
achtzig Jahre umspannen und deren Handlungsorte über die gesamte Welt verteilt sind. Verknüpft sind diese Handlungsstränge, die sich kapitelweise immer einer der Hauptfiguren widmen, durch Treffen dieser Charaktere oder Ereignisse, die Einfluss auf die Entwicklung mehrerer Akteure haben.

Da sich der Autor einige Mühe gegeben hat, diese Zusammenhänge zu verschleiern, gestaltet sich der Beginn des Buches sehr zäh. Viele Nebencharaktere bevölkern die Seiten und in jedem Kapitel muss der Leser erst einmal herauszufinden, welchem der schon bekannten Handlungsstränge nun gefolgt wird. Im Laufe des Buches kristallisieren sich dann fünf Hauptlinien heraus, die sich über zeitliche Sprünge noch vervielfachen. Diese große Menge an Handlungen und die Tatsache, dass sie in den kurzen Kapitel jeweils nur angerissen werden, hat es mir sehr schwer gemacht, ein Interesse an deren Fortgang zu entwickeln.

Doch zum Glück fokussiert sich der Mittelteil des Buches auf die Figur des Edison Frimm, und damit kommt zum ersten Mal Spannung auf. Der Junge kommt nämlich mit der Filmmetropole Hollywood in Berührung, und alles was mit Filmen zu tun hat, weckt automatisch mein Interesse. Die Beschreibung der Filmindustrie als propagandistisches Werkzeug im zweiten Weltkrieg, aber auch als Geldwäscheinstrument bei gleichzeitiger Mangelwirtschaft empfand ich als sehr reizvoll. Und genau diese Punkte, wo die fiktive Handlung durch reale Ereignisse oder Personen an die Wirklichkeit gebunden ist, machen das Buch interessant.

So taucht als Vertreter der Schauspielergewerkschaft kurz ein gewisser Ronald Reagan auf und der schwerreiche Produzent Gerald G. Hodges erinnert stark an Howard Hughes. Neben dem zweiten Weltkrieg spielt vor allem ein Erdbeben aus dem Jahr 1923 eine entscheidende Rolle als auslösendes Element. Hinzu kommen die detaillierten Beschreibungen von Los Angeles und Berlin, wobei gerade die Wiedererkennung der Schauplätze in meiner Wahlheimat die Akzeptanz des Buches deutlich erhöht hat.

Dennoch wirkt die Berliner Handlungslinie um den Kommissar Mauser und seinen Serienmörder zu aufgesetzt. Die Berührungspunkte zu Beginn und Ende des Buches sind zwar als Klammern für die Handlung schön gewählt, aber gerade dadurch wird im Gegensatz zu den sonst leicht und verspielt wirkenden Verknüpfungen der einzelnen Stränge die Konstruktion als ebendiese ersichtlich.

Gegen Ende der knapp 500 Seiten wird schließlich klar, wohin diese führt: Im belagerten Berlin, in einer Nacht der Bombenangriffe, gibt es drei Kapitel, die mit einem nahezu identischen Einstieg das Irren der drei anfangs genannten Charaktere durch die zerstörte Stadt beschreiben. Dies scheint das Ziel zu sein, auf das die gesamte Konstruktion des Buchs ausgelegt ist; eine Art magischer Moment, ein Wendepunkt, in dem sich die Handlungsfäden an einem einzigen Zeitpunkt und Ort überlagern, scheinbar zu einem verschmelzen und an die vielen Ereignisse zurückdenken lassen, die die Figuren hierher geführt haben.

Diese im Aufbau des Buches mit codierte Grundidee, dass alles mit allem zusammenhängt, wird auch direkt in der Nebenhandlung um Edison Frimms Mutter angesprochen, die während ihrer Arbeit in einer Poststation Therorien aufstellt, wie sich Krankheitserreger auf der Welt ausbreiten können.

Was am Ende hängenbleibt ist ein zeitweise unterhaltsames Buch, das vom Spiel mit seinen vielen Handlungsfäden lebt und die Kleine-Welt-Theorie zum zentralen Element und inhaltlichen Leitfaden erhebt. Ein paar weniger Charaktere und ein nicht so abgegrastes Feld wie den Zweiten Weltkrieg hätten dem Buch allerdings gut getan.

A serious man

USA (2009)
Regie: Joel und Ethan Coen
Darsteller: Michael Stuhlbarg (Larry Gopnik), Sari Lennick (Judith Gopnik), Aaron Wolff (Danny Gopnik), Richard Kind (Onkel Arthur), Fred Melamed (Sy Ableman), Jessica McManus (Sarah Gopnik), Adam Arkin (Scheidungsanwalt), Simon Helberg (Rabbi I), George Wyner (Rabbi II), Alan Mandell (Rabbi III) und andere Dybbuks

Offizielle Homepage

Der Film beginnt mit einer Szene, die in einem mittelalterlichen, jüdischen Dorf im heutigen Polen spielt. Ein Mann kommt nach Hause und berichtet seiner Frau, dass sein Karren eine Panne hatte und ihm von einem zufällig vorbeikommenden, entfernten Verwandten geholfen wurde. Er hat den Helfer daraufhin auf eine Suppe eingeladen, doch seine Frau erklärt ihm, dass sie sicher sei, dass der Verwandte vor drei Jahren gestorben ist und er einem Dybbuk, einem bösen Geist, begegnet ist. Als dieser kurz darauf die Hütte betritt, rammt sie ihm als Beweis einen Eispickel in die Brust. Der Verwandte ist zuerst amüsiert, doch dann fängt die Wunde an zu bluten – dennoch richtet er sich auf, verabschiedet sich und verlässt das Haus.

Danach beginnt der eigentliche Film. Der Zuschauer lernt Larry Gopnik kennen, einen jüdischen Professor der Physik im Amerika der späten 60er Jahre. Er hat Haus, Frau, Kinder und einen Job, doch hinter der Fassade kriselt es: Seine Frau will ihn verlassen, räumt vorsorglich sein Konto leer und schmeißt ihn aus dem Haus. Der Sohn, kurz vor der Bar Mizwa, raucht lieber einen Joint nach dem anderen und schließt in Vaters Namen teure Platten-Abonnements ab, während die Tochter die Schule verlassen hat und sich nur noch in Discos herumtreibt.

Um das noch nicht abbezahlte Haus zu finanzieren, benötigt Gopnik dringend die Festanstellung an der Universität. Doch die mit der Entscheidung beauftragte Kommission bekommt anonyme Briefe, die ihn diskreditieren, und ein koreanischer Student will sich seine Noten bei ihm erkaufen. Zu allem Überfluss muss er auch noch seinen Bruder unterbringen, der wegen Glücksspiel und Sodomie mit der Polizei in Konflikt geraten ist. Verstört durch diese vielen Probleme sucht Larry Gopnik schließlich Rat bei drei verschiedenen Rabbis…

… und das dies bei einem Film der Coen-Brüder nicht gut ausgehen kann, sollte bekannt sein. Doch wie schon bei deren letzten Film, Burn after reading, verweigern die Coens dem Zuschauer auch diesmal den Spaß, das fatale Ende auf der Leinwand mit zu erleben. Während im Vorgänger zumindest noch berichtet wird, wie sich das Ableben der übrig gebliebenen Figuren gestaltet, sieht man in A serious man das Unheil in Form eines Wirbelsturms nur noch am Horizont auftauchen. Larry Gopnik hat sich gerade dafür entschieden, das Geld des Studenten anzunehmen, und bekommt genau in diesen Moment einen Anruf von seinem Arzt.

Und an dieser Stelle findet der Film sein Ende. So ungewöhnlich sich der Einstieg mit der zusammenhangslosen Vorgeschichte gestaltet, so abrupt entlässt der Film seine Zuschauer. Hat Gopnik Krebs, wird die Bestechung aufgedeckt und stirbt sein Sohn? Der Kinogänger bleibt im Ungewissen, muss sich selbst ein Ende zusammenreimen oder akzeptieren, das die Coens einmal wieder einen kompletten Film einem Thema unterwerfen.

Denn zweimal sieht man Gopnik im Hörsaal stehen und seine Studenten unterrichten, und beide Male lehrt er ein Thema: Schrödingers Katze. Dies ist ein Bild für ein physikalisches Phänomen auf Teilchenebene, wonach eine Katze, die sich in einem geschlossenen Karton befindet, entweder tot oder lebendig ist. Wenn man nachschaut, kann man dies mit Sicherheit entscheiden, doch vorher hat die Katze das Potential, beide Zustände zugleich einzunehmen.

Übertragen auf den Film bedeutet dies, dass mit Absicht nicht offen dargestellt wird, ob der Verwandte wirklich ein Dybbuk ist oder durch den Eispickel stirbt. Und ein ausformuliertes Ende hätte ebenso Gewissheit geschaffen, also machen sich die Coens den Spaß und lassen die Katze im Karton. Dieses Prinzip findet sich im Kleinen auch in Form des Briefes mit dem Bestechungsgeld wieder. Anfangs lässt Larry ihn in seiner Schreibtischschublade, später träumt er davon, das Geld seinem Bruder zu übergeben. Und zum Schluss, mit der ersten eigenen Entscheidung, nämlich die Bestechung anzunehmen, treibt er die bis dahin zumindest unentschlossene Handlung (seine Frau kehrt gerade zurück zu ihm, der Sohn hat die Bar Mitzwa absolviert) in die fatale (?) Richtung.

Denn Larry Gopnik ist natürlich wieder ein typischer fremdbestimmter Coen-Charakter (Zitat: “Ich habe doch gar nichts getan”), ein Spielball der restlichen Figuren, welche für ihn die Entscheidungen treffen, die er aber ausbaden muss. An dieser Stelle schlägt der Film doch noch den Bogen zur Einleitung, denn auch dort ist es nicht der Mann, der herausfinden möchte, ob der Verwandte ein Dybbuk ist, sondern die Frau. Und diese möchte den Geist lieber austreiben, als mit der Ungewissheit zu leben. Larry hätte dagegen lieber nicht herausgefunden, was seine Frau, sein Bruder und seine Kinder treiben, doch anstatt damit zu leben, wie es eine anfangs genannte jüdische Weisheit empfiehlt, sucht er verzweifelt nach einem Sinn hinter den Schicksalsschlägen. So eindeutig Schrödingers Katze für ihn auf physikalischer Ebene ist, so wenig kann er mit den Potentialen in seinem Leben umgehen.

Hinter dieser sich dem Konzept unterwerfenden Handlung ist A serious man zumindest zeitweise eine jüdische Komödie. Allein die Besuche bei den drei Rabbis oder die bekiffte Bar Mitzwa quellen nur so vor schwarzem Humor; viele Themen des jüdischen Lebens werden von den ebenfalls jüdischen Coen-Brüdern ironisch aufgegriffen. Doch wie schon bei The man who wasn’t there geht dies merkbar unter in der sorgsam arrangierten Inszenierung, die zu wenig Freiraum für eine verständliche Handlung lässt. Gerade anfangs will der Funke nicht überspringen – und dann ist der Film schon vorbei, wenn er gerade in Fahrt kommt.

Fazit: Die Coen-Brüder gönnen dem Zuschauer keinen Spaß mehr im Kino. In A serious man muss sich alles einem Konzept unterordnen: Handlung, Humor und sogar Anfang und Ende des Films. Dies ist zwar zeitweise ganz unterhaltsam anzuschauen, verwirrt aber die restliche Zeit und hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck.

Schullektüre – eine Retrospektive

Abseits der Diskussionen um ein Zentralabitur durfte ich schon zu meinen Schulzeiten feststellen, dass die im Unterricht gelesenen Bücher zwar teilweise von den Empfehlungslisten des jeweiligen Bundeslandes stammen, aber zumeist die ganz subjektive Auswahl des Lehrers sind. Nur wenige Bücher des Blogger-Kollegen aus Magdeburg wurden in meiner Klasse gelesen, aber das galt ebenso für die Parallelklasse. Der Artikel hat mich jedoch dazu angeregt, die zwangsgelesenen Bücher noch einmal hervorzukramen (ich werfe ja kein Buch weg) und die Erinnerungen daran aufzufrischen.

Los ging es auf dem Gymnasium mit Kinderbüchern, die mich genervt haben, da ich schon weitaus früher anspruchsvollere Werke aus dem Bücherschrank der Eltern gelesen habe. Pippi Langstrumpf, Emil und die Detektive, Titus kommt nicht alle Tage und Die Insel der blauen Delphine haben mich weitgehend gelangweilt und deshalb keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Danach kam die Phase der Hamburger Lesehefte – deutsche Klassiker in echtem Paperback, die man zu Preisen von wenigen DM erwerben konnte. So gut wie keine Erinnerungen habe ich an Gottfried Kellers Romeo und Julia auf dem Dorfe (Kleider machen Leute haben wir möglicherweise auch gelesen) und Georg Büchners Woyzeck. Umso mehr haben mich aber Goethes Die Leiden des jungen Werther und Faust verschreckt, da mich die Figuren nicht ansprachen und der anstrengende Stil demotivierte. Beide Werke habe ich nach ein paar Seiten weggelegt und die inhaltliche Auseinandersetzung aufgrund von Inhaltsangaben geführt.

Schon besser gefiel mir Theodor Storms Der Schimmelreiter. Die Novelle trumpft mit viel Atmosphäre und recht klaren Motiven der Protagonisten auf und ist nicht so auffällig wie Goethes Werke ein Kind ihrer Zeit. Damit hat sie viele Punkte bei mir gesammelt und ist in angenehmer Erinnerung geblieben. Auf ganz andere Weise hat dies Lessings Nathan der Weise geschafft. Der humanistische Gedanke der Toleranz als wichtigstes Thema des Dramas ist zeitlos, Jerusalem zu Zeiten der Kreuzzüge als Handlungsort interessant und eine gewisse Komik lässt sich nicht verleugnen – wie anders soll man das Ende auffassen, wo ein Liebespaar sich darüber freut, dass sie Bruder und Schwester sind. Warum aber so viel Aufhebens um die Ringparabel gemacht wird, blieb mir unerklärlich.

Verweigert habe ich mich danach Schillers Kabale und Liebe. Die Thematik kombiniert mit der Versform haben mich so abgeschreckt, dass ich das Büchlein einfach nicht gelesen habe und trotzdem irgendwie durch die Klassenarbeit kam.

Weiter ging es mit Hermann Hesse, der mir mit Unterm Rad verleidet wurde und an dessen wichtigere Werke ich mich seitdem nicht herangetraut habe. Ich habe es nicht geschafft, mich in die Hauptperson hinein zu versetzen, und so quälte ich mich durch den Absturz des jungen Helden und eine Welt, die ich nicht begreifen konnte. Erst wenn ich Zugang zu einem Roman gefunden habe, kann ich mich auch tiefer damit auseinandersetzen, doch für Unterm Rad war ich noch nicht reif genug und so habe ich mich dem Buch verschlossen und es sich mir.

Viel besser gefiel mir dagegen Max Frischs Homo Faber, schon allein weil es die erste Schullektüre seit langem war, die noch keinen Staub angesetzt hatte und in der Welt spielte, die ich selber kannte. Als mathematisch begabter Schüler habe ich mich zudem sofort mit Walter Faber identifiziert und dadurch die Handlung nicht als das wahrgenommen, was sie ist, nämlich eine Konstruktion. Dies führte zu ausgedehnten Diskussionen mit den Lehrern über die Interpretation von Fabers Schuld, die ich mit Herzblut aber ohne Argumente geführt habe. Im Nachhinein war dies eine wichtige Lektion, die ich nicht missen möchte.

Langsam war es auch an der Zeit, im Englischunterricht das eine oder andere Buch durchzunehmen. Die Lehrer waren jedoch mit Morton Rhues The Wave (das wir auch in Deutsch lesen mussten) und Dead Poets Society sehr konservativ. Beide Bücher zeichnen sich als Jugendbücher durch ihre in Schulen spielenden und deshalb für Schüler leicht verständlichen Handlingen aus, auch wenn ein wenig der Anspruch fehlte. Allerdings empfahl mir meine Englischlehrerin bereits 1997 ein Buch namens The Lord of the Rings, ein paar Jahre vor dem großen Hype…

Kurz vor dem Abitur durfte dann endlich Bert Brecht gelesen werden mit der Standardlektüre Leben des Galilei. Für mich eine dankbare Aufgabe, da sich Struktur und Inhalt dem Leser offen präsentieren. Insgesamt war die Literaturliste meiner Schulzeit aber eher langweilig, wenn auch mit positiven Ausreißern, und weitaus länger, als ich es vor dem Schreiben dieses Artikels in Erinnerung hatte. Herumgekommen bin ich um Effi Briest, Die Physiker und Antigone, die die schon erwähnte Parallelklasse dafür durchnahm, und den Vorleser, den mein Bruder fünf Jahre später an derselben Schule las – ob dies Glück oder Pech war, kann ich nicht beurteilen. Etwas neidisch bin ich dafür auf einen Berliner Kollegen, der George Orwell in Deutsch (1984) und auf Englisch (Animal Farm) lesen musste durfte.

Interessant aus heutiger Sicht ist vielleicht noch die Tatsache, dass die Lehrer auf der Suche nach etwas Aufmerksamkeit ihrer Schüler oft die Verfilmungen der Bücher der Klasse vorführten. Zwei Lehrer haben dabei auch versucht, den Blick auf Details der Kameraarbeit und Szenengestaltung zu lenken und mich damit animiert, mich intensiver mit dem Medium Film zu befassen. Ein großes Dankeschön dafür!

Metropolis

Er war zu seiner Zeit der teuerste Film der Geschichte. Er hat das Genre der Science-Fiction auf der Leinwand quasi begründet und der Tricktechnik im Kino zu einem Quantensprung verholfen. Und er bedeutete den Zenit der Babelbergschen Filmproduktionen, bevor die Nazis dafür sorgten, dass Hollywood fortan die Rolle als wichtigste Produktionsstätte einnahm.

Die Rede ist natürlich von Metropolis, der Großstadtparabel, Dystopie und Gesellschaftskritik von Fritz Lang aus dem Jahr 1927. Ich habe den Film schon diverse Male gesehen und war immer wieder beeindruckt, welche Leistungen in dieser Pionierzeit des Kinos erbracht wurden. Doch so herausragend der Film aus heutiger Sicht ist – 1927 war die Resonanz keineswegs euphorisch und selbst eine gekürzte und umgeschnittene Fassung konnte den Ruin der Produktionsfirma nicht mehr verhindern (bei 27.000 Statisten kein Wunder).

Der Originalschnitt von Lang galt seit langem als verschollen, und so basierte auch die 2001 restaurierte Version des Klassikers auf der angepassten Kinofassung. Doch vor zwei Jahren wurde in Argentinien eine Kopie des Originals mit den herausgeschnittenen Szenen gefunden und seitdem derselben Restaurierung unterzogen. Im Rahmen der diesjährigen Berlinale kommt es nun am 12.02. zur Welturaufführung des neu aufbereiteten “Directors Cut” inklusive einer nach Original-Partituren gespielten Filmmusik, und ich hatte mir berechtigte Hoffnungen auf das Ergattern einer der Premierenkarten gemacht. Leider ist der Vorverkauf jedoch unabhängig von den normalen Berlinalekarten bereits an diesem Montag gestartet und die Tickets waren schnell ausverkauft.

Zum Glück gibt es aber noch Arte. Der Sender überträgt live die Uraufführung aus dem Friedrichstadtpalast, so dass ich die Premiere bequem vom Sofa aus verfolgen kann. Da die Stühle im Friedrichstadtpalast maximal unbequem sind könnte dies sogar eine Verbesserung darstellen, je nachdem wie die Bild- und Tonqualität ist (leider kann ich Arte noch nicht in HD empfangen). Ich freue mich auf jeden Fall riesig über dieses Angebot.

Offtopic: Wie jedes Jahr muss ich auch 2010 Werbung für das Festivalblog machen, das nicht nur von der Berlinale berichten und Filme rezensieren wird, sondern momentan auch kurze Rückblenden auf die 59 vorangegangenen Jahre der Jubiläums-Berlinale wirft (zuletzt die für Berlin so spannenden Jahre 1989/1990).

Winterimpressionen 2010

Eigentlich hätte ich dieses Jahr Berlin gar nicht verlassen müssen, um Schnee zu sehen. Ich habe es aber doch getan und eine schöne Woche mit Wintersport im Erzgebirge verbracht. Hier ein paar Impression aus dem Urlaub:

Schneeallee
Schneemann in Karlsbad
Langlaufareal Oberwiesenthal

Meine persönlichen Filmmomente des Jahres 2009

Jahresrückblicke sind langweilig. Zumindest dann, wenn sie zu einer reinen Auflistung der besten Filme verkommen. Ich möchte daher das Filmjahr auf eine etwas persönlichere Weise Revue passieren lassen und die Filmmomente vorstellen, die mich am meisten berührt haben. Dabei muss der zu den Szenen gehörende Film nicht zwangsweise gut gewesen sein, aber bestimmte Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt und diese möchte ich jetzt vorstellen.

The Limits of Control – Streichholzschachtelübergabe mit Tilda Swinton

Eigentlich war 2009 mein ganz persönliches Tilda-Swinton-Jahr. So viele Filme der Britin wie dieses Jahr habe ich noch nie gesehen: The Invisible Frame / Cycling the frame, The Limits of Control, Der seltsame Fall des Benjamin Button, Constantine, The War Zone, Orlando, Young Adam. Dies mag damit zusammenhängen, dass Frau Swinton und mich die Stadt Berlin verbindet. Gerade die beiden Dokumentationen zur Berliner Mauer zeigen, wie sehr sie sich mit der Stadt auseinandergesetzt hat, und ihre Rolle als Präsidentin der Berlinale-Jury im Jubiläumsjahr der Wende war da nur folgerichtig.

Aber in The Limits of Control sieht man sie trotz extremer Maske sehr privat, nämlich als Filmliebhaberin (sie hat ein eigenes Festival auf ihrem Schloss in Schottland begründet). Alle prominenten Darsteller des Films konnten sich aussuchen, über welche Form der Kunst sie einen Monolog halten wollen, und Tilda hat sich natürlich für das Kino entschieden. Da dies gleichzeitig in selbstreferentieller Manier in einem Film passiert, habe ich diese Szene als geradezu magisch und die Grenzen des Mediums sprengend erlebt.

Inglourious Basterds – Szene im Projektorraum

Bei diesem Filmmoment zitiere ich mich einfach selber:

In der wohl schönsten Szene des Films sieht man Shosanna im Profil vor dem im Projektor durchlaufenden Film; das grelle Licht der Projektorlampe und das rote Kleid der Akteurin führen zu einem wundervollen Kontrast, der mir bis heute als Bild im Gedächtnis hängen geblieben ist. So schön kann Kino sein, und so schön kann man Kino im Kino nur präsentieren, wenn es man liebt wie Tarantino.

Coraline – Das Auseinanderfallen der aus Puzzleteilen bestehenden Welt

Animationsfilme haben den großen Vorteil, eine Welt erschaffen zu können, die nicht der Realität entspricht, und kein Zuschauer stellt Fragen. Coraline hat zu diesem Zweck eine wunderbare Kombination aus Knetfiguren und CGI-Effekten benutzt, die mir erst bei dieser Szene so richtig bewusst wurde. Denn wo sich vorher noch ein Hintergrund mit Himmel, Hügeln und Bäumen befand, gab es plötzlich einen riesigen Globus aus Puzzleteilen, der in sich zusammenfiel und eine weiße, endlose Leere präsentierte. Die nur für das Mädchen erschaffenen Parallelwelt der anderen Mutter war einfach nur ein Potemkinsches Dorf, eine Fassade, die beim Auseinanderfallen ihre wahre Natur der fehlenden Substanz, des fehlenden Hintergrunds einer echten Welt offenbarte. Ein optisch wie inhaltlich beeindruckendes Bild.

The Fall – Das Intro

Selten habe ich eine so faszinierende Einführung in einen Film gesehen. Was zuerst wie eine Abfolge von SW-Fotos aussieht offenbart sich als eine Reihe Aufnahmen in extremster, fast surrealistischer Zeitlupe. Die Klarheit der Bilder und ihr hoher Kontrast zeigen nach und nach, was vor Beginn der Handlung passiert ist (nämlich ein Unfall eines der ersten Stuntmen des Kinos), doch verstehen tut es der Zuschauer erst im weiteren Verlauf des Films.

(und Lars von Trier hat es für seinen Antichristen kopiert)

Waltz with Bashir – Der finale Wechsel vom Zeichentrick in reale Aufnahmen

Waltz with Bashir findet eine Unmenge von beeindruckenden Bildern zur Visualisierung der Schrecken des Krieges für die jungen Israeli, die nur ein Zeichentrickfilm auf diese Weise darstellen kann. Als stärkster Moment bleibt jedoch das Ende in Erinnerung, wo die abstrakte Animation direkt in Original-Dokumentaraufnahmen übergeht und mir mit aller Direktheit klar machte: So persönlich die Erinnerungen an die Invasion für die einzelnen Beteiligten sind, das Massaker hat es wirklich gegeben, und so wie die Bilder den Zuschauer schocken so haben sie auch bei den Figuren Traumata hinterlassen. Ein passendes Ende für einen wichtigen Film.

So, das war auch schon mein persönlicher filmischer Jahresrückblick. Ich wünsche allen Lesern einen guten Rutsch in das neue Jahr und hoffe auf gutes Filmjahr 2010.

Dragon Age: Origins – Ein Verriss

Das Lob schlug hoch für Dragon Age im weiten Netz. Ein neues Baldur’s Gate soll Bioware geschaffen haben, das beste Rollenspiel seit Jahren heißt es allerortens. Doch meine drei Blogeinträge sollten gezeigt haben, dass ich diese Einschätzung nicht teile.

Über eine andere Meinung als der Rest der Welt würde ich mir normalerweise keine Gedanken machen, aber auch im Freundeskreis ist das Spiel gut angekommen und wurde mit noch älteren Werken des Genres verglichen. Und als ich dies hörte wurde mir zweierlei klar: Zum Einen, dass Dragon Age wirklich wie ein Spiel aus weit zurückliegenden RPG-Tagen daher kommt und Zweitens meine Nörgeleien genau darin begründet sind.

Die vielen aufgezählten Kleinigkeiten sind mir nur so bitter aufgestoßen, weil mich der Schwierigkeitsgrad genervt hat. Ich mag es einfach nicht, nach jedem Kampf speichern zu müssen, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, an der nächsten Herausforderung zu scheitern. Dragon Age nimmt sich jedoch die Freiheit, den Spieler durch einen Trial-and-Error-Spießrutenlauf zu schicken. Nur selten überlebt man eine falsche Entscheidung, doch Hilfestellungen gibt es fast gar nicht und so muss sich der Spieler alles selber erarbeiten. In meinen Fall bedeutete dies intensives googlen nach Informationen, die man ohne Probleme auch im Spiel selber hätte vermitteln können.

Das ist aus meiner Sicht einfach eine veraltete Herangehensweise aus den 80ern – den Schwierigkeitsgrad durch Vorenthalten von benötigtem Wissen nach oben zu treiben. Damals waren weder Grafik noch die Absatzzahlen weit genug entwickelt, um den Spieler durch ein Spiel leiten zu müssen. Dieser benötigte im Gegenteil ein gut entwickeltes Vorstellungsvermögen, um sich in die virtuelle Welt hineinzudenken, und weite Teile des Spiels spielten sich ähnlich wie beim Buchlesen im Kopf des davor sitzenden Menschen ab. Doch seitdem haben sich Spiele und ihre Präsentation weiterentwickelt und die meisten aktuellen Games bieten nur noch Interaktionen mit einer weitgehend durch die Entwickler vorgegebenen Welt (bestes Beispiel ist die Gothic-Reihe mit dem namenlosen Helden) – und verkaufen sich deshalb auch deutlich besser als vergleichbare Titel aus den 80ern.

Ich mag solche eingängigen Spiele mit einem zuksessive ansteigenden Schwierigkeitsgrad, bei denen der Spieler mit seinen Herausforderungen wächst. Dazu gehören auch Rückschläge, doch sollten diese nicht sofort zum virtuellen Tod und damit exzessiven Ladesessions führen – das ist frustrierend und einfach demotivierend. Taktische Kämpfe sind ebenso gern willkommen, solange man die eigene Taktik auch umsetzen kann – auf der PS3 ist dies bei Dragon Age aufgrund der missratenen Steuerung jedoch nicht immer möglich.

Da kann das Spiel noch so umfangreich sein – ich habe 55 Stunden netto für das Durchspielen benötigt – und noch so tolle Charaktere haben, am Ende hatte ich einfach das Gefühl, dass Dragon Age mir gegenüber unfair ist. Und so bleibt leider ein negativer Eindruck übrig, wie ich ihn seit dem letzten Level von Drakensang nicht mehr erlebt habe.

Portugal – Portimão und Ferragudo

Ausgangsbasis für die Erkundung der Algarve war unser Hotel in Portimão. Dieses ist genau im Yachthafen gelegen und bot einen tollen Blick über den Rio Arade hinüber nach Ferragudo, einem netten kleinen Fischerdorf. Bis zum Strand Praia da Rocha ist es nur ein kurzer Fußmarsch, doch ebenso wie der Pool war der Atlantik im November schon unangenehm kühl.

Portimão selber muss man nicht gesehen habe. Die Hafenpromenade ist keine Schönheit, die Stadt selber hat nicht viel zu bieten und verkehrstechnisch ist das Einbahnstraßenlabyrinth der Innenstadt eine Katastrophe. Beim Aufbau des Vorortes Praia da Rocha hat man aus diesen Fehlern gelernt und breite, weitläufige Straßen für den Tourismus gebaut. Doch eine Stadt, die nur aus Hotelhochhäusern besteht, muss man sich nicht ansehen. Der einzige Vorteil der Erschließung durch den Fremdenverkehr sind die vielen Kneipen, Restaurants und Supermärkte, die im November – so sie denn überhaupt noch aufhaben – angenehm leer sind. Weite Teile von Praia da Rocha waren jedoch geschlossen; riesige Hotelburgen mit heruntergezogenen Jalousien haben einen gespenstischen Eindruck bei mir hinterlassen.

Wer in Portimão essen gehen möchte, dem kann ich zwei Restaurants empfehlen. Das Almeida liegt in Strandnähe direkt am Fuße der Fortaleza de Santa Catarina, einer alten Verteidigungsanlage an der Mündung des Rio Arade. Neben einer riesigen Weinauswahl gibt es hier fast alle Spezialitäten der Algarve mit – für Portugal ungewöhnlich – einer reichhaltigen Auswahl an Beilagen. Ich habe hier Piri-Piri und Porco preto gegessen und war beide Male sehr zufrieden mit dem Essen.

Direkt am Hafen in einer alten Fischerhalle haben wir das Docas do Sul gefunden. Die Bahnhofshallenatmosphäre der Restauration ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig genau wie die strenge Pflicht, sich schon beim Eintritt den Fisch auszusuchen und die Beilagen an einem Buffet selber auf den Teller zu packen. Doch der Fisch hat dies mehr als entschädigt, denn hier gibt es im Gegensatz zu den Restaurants an der Promenade von Praia da Rocha nicht nur eine eingeschränkte Auswahl und der gewählte Degenfisch war einfach superlecker.

Am Hafen kann man auch Küstentouren per Boot buchen. Entweder Richtung Lagos oder Armação de Pêra fahren die Schiffe die Steilküsten entlang und in kleinen Motorbooten werden dann direkt vor Ort die Grotten und Felsformationen erkundet. Wir haben uns für eine Grottentour auf einem als Piratenschiff umgebauten Fischerboot entschieden, die mit nur zwölf zahlenden Gästen angenehm leer war. Die Besatzung sprach deutsch und es gab Getränke und WC an Bord; allerdings war der Atlantik wie im November üblich nicht so ruhig, als dass alle Grotten hätten befahren werden konnten. So eine Tour sollte man also im Sommer machen, dann muss man auch nicht wie wir mit Jacke auf dem Deck sitzen. Gelohnt hat es sich trotzdem; ich persönliche genieße jede Bootstour und die Kulisse der Steilküsten wirkt umso beeindruckender, wenn man sie aus einem Meter Entfernung auf einer hohen Welle schaukelnd erlebt.

Einen Tag sind wir schließlich auch nach Ferragudo gefahren. Das Fischerdörfchen strahlt noch so richtig die Atmosphäre der Algarve aus; hier liegen die kleinen Boote der Fischer malerisch im Rio Arade und wir konnte morgens das Einholen und Säubern der Netze beobachten. Zusammen mit der Kirche auf dem Hügel bildet Ferragudo eine beliebte Postkartenansicht. Inzwischen hat der Tourismus aber das Bild des Ortes gewandelt. Auf dem Markt gibt es fast ausschließlich Kneipen und Cafés und an der Promenade Fischrestaurants mit zum Teil gehobenen Preisen, aber sehr frischem Fisch dessen Weg auf den eigenen Teller man fast komplett beobachten kann. Wer also überlegt, Portimão zu besuchen, der sollte lieber hinüber nach Ferragudo fahren!