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	<title>The KingOli Blog &#187; gesehen</title>
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	<description>The KingOli Blog</description>
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		<title>Planet der Affen: Prevolution</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 22:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Blu-Ray]]></category>

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		<description><![CDATA[Verloren hat mich der Film bereits in den ersten fünf Minuten. Dies lag zum Einen daran, dass die Affen trotz perfekter anatomischer Animation nicht überzeugt haben, da sie sich gefühlt unnatürlich bewegten (Andy Serkis mag ein guter Gollum sein, ein Affe ist er aber nicht). Und zum Anderen an dem schlechten Plotaufhänger, dass in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verloren hat mich der Film bereits in den ersten fünf Minuten. Dies lag zum Einen daran, dass die Affen trotz perfekter anatomischer Animation nicht überzeugt haben, da sie sich gefühlt unnatürlich bewegten (Andy Serkis mag ein guter <a href="/blog/?s=Gollum">Gollum</a> sein, ein Affe ist er aber nicht). Und zum Anderen an dem schlechten Plotaufhänger, dass in einem Tierversuchslabor trotz ärztlicher Kontrolle &#8211; die Wissenschaftler wollen ja wissen, welche Auswirkungen ihr Medikament hat &#8211; nicht aufgefallen ist, dass ein Versuchsaffe in seiner Zelle ein Baby zur Welt gebracht hat.</p>
<p>Mit so einem Einstieg hatte es der Film natürlich in der Folgezeit schwer, mich zu begeistern. Wenige gute Ideen wie das <a href="http://www.negativ-film.de/2011/08/planet-der-affen-prevolution-ruckbezuge.html">Einbinden des Starts der Icarus</a> werden durch mäßige Schauspielleistungen (kann Tom Felton nur <a href="/blog/?s=Draco+Malfoy">Draco Malfoy</a> darstellen?) und das nicht nachvollziehbare Drehbuch aufgefressen. Zwei Beispiele:</p>
<p>Caesar, der erste intelligente Affe, beobachtet, wie der an Alzheimer leidende Vater seines Ziehvaters vor dem Haus in das offen stehende Auto des Nachbars steigt und damit sofort einen Unfall baut. Als der Nachbar deswegen auf den alten Mann losgeht, will Caesar diesen verteidigen und beißt dem Nachbarn einen Finger ab. In dieser Reihenfolge sind die Handlungen durchaus nachvollziehbar. Doch sieht man in anderen Szenen, wie Kinder aus dem Viertel mit Skateboards und BMX-Rädern auf der Straße herumspielen und vorbeifahrenden Autos gegen den Kotflügel treten, dann fragt man sich, wieso der Nachbar sein Auto mit offener Tür und steckenden Schlüssel auf der Straße stehen lässt. Durch solche Unachtsamkeiten fällt die gesamte Szene wie ein Kartenhaus in sich zusammen.</p>
<p>Ganz erbärmlich dann die Schlussszene. Caesar hat seine Affengeschwister durch halb L.A. und die Golden Gate Brigde in den Park mit den Riesenbäumen getrieben. Seit der Flucht aus dem Affenhaus hat sein Ziehvater Will (ebenfalls schwach: James Franco) ihn verfolgt, hat sich in lebensbedrohliche Situationen wie dem Kampf der Polizei gegen die Affen begeben, und schlussendlich Caesar auch gefunden. Nun fragt sich der Zuschauer, warum Will all diese Strapazen auf sich genommen hat und muss mit anhören, dass er den ausgewachsenen Affen, der gerade eine halbe Stadt verwüstet hat, in Misachtung alles Erlebten tatsächlich bittet, wieder mit nach Hause zu kommen.</p>
<p>Der Film besteht nur aus solchen notdürftig aneinandergeketteten und nicht funktionierenden Szenen, die den Eindruck machen, als ob das Drehbuch rund um ein paar Ideen zusammengeschustert wurde und um die üblichen Actionfilm-Must-Haves angereichert wurde. Charakterentwicklung auf Menschden- oder Affenseite? Fehlanzeige! Die gesamte Actionszene auf der Golden Gate Bridge hat keinerlei narrative Notwendigkeit und die vorherige Hetze durch ein seltsam leeres Los Angeles ebensowenig &#8211; hier wird das faktisch machbare präsentiert, aber ob es dem Film in seiner Erzählung hilft wird niemals hinterfragt (mein Highlight: ein Dutzend Affen springt aus den Fenstern des Laborgebäudes &#8211; sinnfrei, aber effektvoll). So kann ich nur konstatieren, dass das Franchise <a href="/blog/2001/09/04/planet-der-affen/">ein weiteres Mal</a> zu Grabe getragen wurde &#8211; nur diesmal wird das <a href="http://boxofficemojo.com/movies/?id=riseoftheapes.htm">Einspielergebnis</a> nach den geltenden Regeln Hollywoods wohl eine Fortsetzung nach sich ziehen. Ich brauche sie nicht!</p>
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		<title>Meine liebsten Filme 2011</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2012/01/16/meine-liebsten-filme-2011/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 20:42:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was Quentin Tarantino kann, kann ich ebenfalls &#8211; eine Bestenliste der gesehenen Filme 2011 aufstellen. Ich war zwar nur 19mal im Kino und muss mit dem Zeitversatz der deutschen Veröffentlichungen leben, habe aber genug gesehen um eine eigene Top12 aufzustellen (mit nur einer Überschneidung zu Tarantino). Und hier ist sie: Scott Pilgrim gegen den Rest [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was <a href="http://www.tarantino.info/2012/01/14/exclusive-quentin-tarantinos-favorite-films-of-2011-more/">Quentin Tarantino kann</a>, kann ich ebenfalls &#8211; eine Bestenliste der gesehenen Filme 2011 aufstellen. Ich war zwar <a href="/blog/2011/12/31/mein-jahr-2011-in-zahlen/">nur 19mal im Kino</a> und muss mit dem Zeitversatz der deutschen Veröffentlichungen leben, habe aber genug gesehen um eine eigene Top12 aufzustellen (mit nur einer Überschneidung zu Tarantino). Und hier ist sie:</p>
<ol>
<li><a href="/blog/2011/03/22/scott-pilgrim-vs-the-world/">Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt</a></li>
<li>Sherlock (erste Teil der <a href="/blog/2011/08/08/sherlock/">BBC-Mini-Serie</a>)</li>
<li><a href="/blog/2011/09/16/midnight-in-paris/">Midnight in Paris</a></li>
<li>The Social Network</li>
<li><a href="/blog/2011/05/22/four-lions/">Four Lions</a></li>
<li><a href="/blog/2011/04/24/movies-on-a-plane/">True Grit</a></li>
<li><a href="/blog/2011/06/08/biutiful/">Biutiful</a></li>
<li><a href="/blog/2011/02/15/the-guard/">The Guard</a></li>
<li>Gainsbourg &#8211; Der Mann, der die Frauen liebte</li>
<li><a href="/blog/2011/04/24/movies-on-a-plane/">The Fighter</a></li>
<li>The King&#8217;s Speech &#8211; Die Rede des Königs</li>
<li><a href="/blog/2011/01/30/black-swan/">Black Swan</a></li>
</ol>
<p>Und wenn Herr Tarantino Sonder-Awards vergibt, dann will ich nicht hintenanstehen und vergebe deshalb den Preis für den besten Soundtrack an die Chemical Brothers für ihre beeindruckende musikalische Untermalung von <em>Wer ist Hanna?</em>.</p>
<p>Zum Schluss muss ich unbedingt noch <a href="http://www.hbo.com/game-of-thrones">Game of Thrones</a> als beste TV-Serie des Jahres nennen, die bei der diesjährigen Verleihung der <a href="http://www.goldenglobes.org/blog/2012/01/peter-dinklage-wins-a-golden-globe/">Golden Globes</a> mit nur einem Award für den besten Nebendarsteller (Peter Dinklage) für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen ist.</p>
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		<title>In time</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/12/14/in-time/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 21:18:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[USA (2011) Regie: Andrew Niccol Darsteller: Justin Timberlake (Will Salas), Amanda Seyfried (Sylvia Weis), Cillian Murphy (Timekeeper Raymond Leon), Vincent Kartheiser (Philippe Weis), Johnny Galecki (Borel), Olivia Wilde (Wills Mutter), Matt Bomer (Henry Hamilton) und andere Uhrenträger Offizielle Homepage In einer fernen Zukunft hat sich die Menschheit mit Hilfe der Gentechnik so weit entwickelt, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>USA (2011)<br />
Regie: Andrew Niccol<br />
Darsteller: Justin Timberlake (Will Salas), Amanda Seyfried (Sylvia Weis), Cillian Murphy (Timekeeper Raymond Leon), Vincent Kartheiser (Philippe Weis), Johnny Galecki (Borel), Olivia Wilde (Wills Mutter), Matt Bomer (Henry Hamilton) und andere Uhrenträger</em><br />
<a href="http://www.intime-derfilm.de/">Offizielle Homepage</a></p>
<p>In einer fernen Zukunft hat sich die Menschheit mit Hilfe der Gentechnik so weit entwickelt, dass das Altern aufgehalten werden konnte. Alle Menschen wachsen und entwickeln sich nur noch 25 Jahre lang und behalten danach ihr Aussehen &#8211; so sie denn genügend Zeit haben. Denn die Zeit ist als Währung an die Stelle von Geld getreten, und jeder Mensch trägt am Unterarm eine digitale Uhr, die sein Zeitkonto anzeigt und damit die Menge der ihm verbleibenden Zeit. Läuft diese Uhr ab, stirbt der Mensch.</p>
<p>Doch trotz der Chance, praktisch ewig zu leben, profitiert nicht die gesamte Bevölkerung von diesem Fortschritt. Ganz im Gegenteil ist die soziale Spaltung der Gesellschaft so weit fortgeschritten, dass die Menschen je nach Zeit auf dem Konto in Zeitzonen aufgeteilt sind, die streng voneinander abgeschottet werden. Die Timekeepers, eine Art Polizei, sorgt dafür, dass nicht zu viel Zeit die Zonen wechselt, und zementiert damit die sozialen Verhältnisse.</p>
<p>Will Salas ist in einer der ärmsten Zeitzonen aufgewachsen. Jeden Tag erarbeitet er sich in einer Fabrik die Zeit, um einen weiteren Tag das Überleben zu sichern &#8211; auf seiner Uhr sind selten mehr als 24 Stunden zu sehen. Als er von einem Fremden, der kurz danach Selbstmord begeht, einhundert Jahre gutgeschrieben bekommt, macht sich Will auf in die Zeitzone der Reichen, deren Überfluss er kaum glauben kann. Dort lernt er Sylvia kennen, deren Vater eine wichtige Zeitbank führt und die sich deshalb noch nie Gedanken um die Zeit auf ihrer Uhr machen musste. Als die Timekeeper Will aufspüren und zurück in seine Zeitzone bringen wollen, nimmt er Sylvia als Geisel und entführt sie in seine Zeitzone&#8230;</p>
<p>Mit <em>In time</em> entwirft Andrew Niccol, der schon für <em>Gattaca</em> verantwortlich zeichnete, erneut eine interessante Zukunftsvision. Doch sein neuer Film wird vermutlich nie den Status seines Erstlings erringen, zu sehr bedient er sich in seinem Drehbuch bei Filmklassikern von <em>Metropolis</em> (die Arbeitsbedingungen in Wills Fabrik) über <em>Robin Hood</em> bis <em>Bonnie und Clyde</em> (der Überfall auf die Zeitbank). Man spürt förmlich in jeder Szene des Films, wie Niccol ein Statement gegen die immer weiter aufklaffende soziale Schere setzen will und dabei seine Charaktere etwas aus den Augen verliert. Dass sich Will und Sylvia ineinander verlieben werden ist schnell klar, doch <em>In time</em> schafft es nicht zu vermitteln, wie dies passiert. Da der Film gleichzeitig noch eine Verfolgungsjagd durch den Timekeeper &#8211; Cillian Murphy in Lederkluft ist deutlich unterfordert &#8211; mit einer unmotivierten Vatergeschichte verknüpft, ist einfach zu wenig Zeit für eine vernünftige Figurenentwicklung vorhanden.</p>
<p>Überzeugend ist dagegen die Grundidee von <em>In time</em>, die aber akzeptiert werden muss. Wer schon die zu Beginn aus dem Off propagierte Prämisse in Frage stellt, wird mit dem folgenden Film nicht glücklich. Und verpasst dabei ein wunderbares Gedankenexperiment, das neben vielen Wortspielen mit &#8220;Zeit&#8221; und kleinen Details im Hintergrund (99-Sekunden-Shop) vor allem durch seinen Gesellschaftsentwurf besticht.</p>
<p>Nichts ist erschreckender als zu sehen, wie die immer am Limit kalkulieren müssende Mutter von Will stirbt, weil die Busgesellschaft ihre Preise erhöht hat. In der heutigen Gesellschaft bedeutet kein Geld zu haben noch lange nicht den Tod, doch wenn man Geld und Zeit gleichsetzt ändern sich plötzlich die Verhältnisse hin zu denjenigen Kräften in der Gesellschaft, die über die Zeit bestimmen. Es gibt schließlich keine besseren Arbeitnehmer als diejenigen, die nicht mehr streiken können, weil sie keinen Tag ohne ihr Gehalt in Form von weiteren 24h Lebenszeit auskommen können.</p>
<p>Dieses Abhängigkeitsverhältnis ist Sozialdarwinismus extrem, in dem nicht nur mit allem Lebensnotwendigen gehandelt wird, sondern auch das Leben selber zur Ware geworden ist. Und ist dieses System erst einmal etabliert, kann man es wunderbar kontrollieren und somit die Gesellschaft zum Stillstand bringen, wie der Film so eindringlich ausführt.</p>
<p>Im Gegensatz zur Visions des Films hat die Ausstattung bei mir gemischte Gefühle hervorgerufen. Auf der einen Seite malen die scheinbar endlosen Betonflächen der leeren Highways mit ihren Sportwagen und Limousinen im Retrolook das Bild einer stagnierenden, rückwärtsgewandten Luxusgesellschaft. Dazu passen die kalten Farben, in denen die Szenen in der Zeitzone der Reichen gehalten sind, und die im Kontrast zu den warmen Tönen der Armensiedlung stehen. Diese Differenzierung der Zeitzonen setzt sich fort bis hin zu den Frisuren, wo Amanda Seyfried besonders auffällt &#8211; wenn auch negativ.</p>
<p>Doch den vielen passenden Details stehen andere Aspekte gegenüber, die nicht zu Ende gedacht wurden oder einfach nur oberflächlich behandelt werden. So sterben im Film einige Figuren, weil ihre Uhr abgelaufen ist. Diese Menschen fallen einfach dort, wo sie sich gerade befinden, tot um. Doch gleichzeitig sind die Straßen leer und aufgeräumt, was genauso wenig passt wie dass die Hochhäuser in den reicheren Zeitzonen stehen und die Armenviertel nur eine niedrige Bebauung haben. In das durchwachsene Bild passt auch, dass ich gefühlt in 90% der Außenszenen immer wieder wieder dieselbe Brücke aus L.A. aus verschiedenen Blickwinkeln sehen musste.</p>
<p>Fazit: <em>In time</em> funktioniert als Film eher schlecht als recht. Den Figuren nimmt man ihre Entwicklung nicht ab, weil die Handlung zu viele Baustellen aufreißt und vielen interessanten Details stehen Ideen gegenüber, die nicht zu Ende gedacht wurden. Wer jedoch gesellschaftliche Gedankenspiele mag, sollte ruhig einen Blick wagen, denn die entworfene Zukunftsvision hat ihre Reize, die zudem optisch ansprechend verpackt sind.</p>
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		<title>Halle ist Budapest</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 17:40:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
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		<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Halle]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Jedenfalls für den Film Carlos über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, der vor kurzem als Directors Cut auf arte lief. Wann immer eine Außenaufnahme in Budapest im Bild zu sehen ist, sieht der Zuschauer in Wirklichkeit das Paulusviertel mit seinen Villen im Gründerzeitstil. Anfangs kamen mir die Straßenzüge nur seltsam bekannt vor, doch dann wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jedenfalls für den Film <em>Carlos</em> über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, der vor kurzem als Directors Cut auf <em>arte</em> lief. Wann immer eine Außenaufnahme in Budapest im Bild zu sehen ist, sieht der Zuschauer in Wirklichkeit das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paulusviertel_(Halle)">Paulusviertel</a> mit seinen Villen im Gründerzeitstil. Anfangs kamen mir die Straßenzüge nur seltsam bekannt vor, doch dann wurde in einem Schwenk die markante Pauluskirche auf ihrem Hügel erfasst und damit war ein Irrtum auszuschließen. Da haben die Produzenten ihren Aufenthalt in Halle (in der <a href="http://www.halleforum.de/Halle-Nachrichten/HalleMesse-wird-OPECSitz/20441">Messe</a> wurden die Innenaufnahmen zum Überfall von Carlos auf die Konferenz der OPEC-Länder in Wien gedreht) gleich noch für weitere Szenen genutzt, was ich deutlich angenehmer &#8211; weil unverbrauchter &#8211; finde, als immer und immer wieder Berlin in internationalen Filmen zu sehen.</p>
<p><img src="/blog/wp-content/uploads/2011/12/carlos.jpg" alt="Die Pauluskirche in Carlos" title="Die Pauluskirche in Carlos" width="500" height="222"/></p>
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		<title>The Thing (1982) vs. The Thing (2011)</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 20:30:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor beinahe dreißig Jahren (1982) drehte John Carpenter mit Das Ding aus einer anderen Welt (The Thing) das Remake eines Horrorfilmklassikers, welches inzwischen selber zum Klassiker geworden ist. Dieses Jahr nun gab es unter gleichem Namen ein Prequel, was ich mit ein paar Kollegen zum Anlass genommen habe, mir die beiden Filme in einem The-Thing-Double-Feature [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor beinahe dreißig Jahren (1982) drehte John Carpenter mit <em>Das Ding aus einer anderen Welt</em> (<em>The Thing</em>) das Remake eines Horrorfilmklassikers, welches inzwischen selber zum Klassiker geworden ist. Dieses Jahr nun gab es unter gleichem Namen ein Prequel, was ich mit ein paar Kollegen zum Anlass genommen habe, mir die beiden Filme in einem <em>The-Thing-Double-Feature</em> anzusehen.</p>
<p>Die Handlung des 1982er Filmes ist schnell erzählt: Ein außerirdisches Monster, das vorher von Norwegern aus dem ewigen Eis befreit wurde, fällt in eine amerikanischen Forschungsstation in der Antarktis ein. Das Ding hat die Fähigkeit, andere Lebewesen nachzubilden, indem es sie verschlingt und auf Zellebene kopiert. Bald wissen die Wissenschaftler nicht mehr, wer von ihnen noch ein Mensch ist und wer bereits assimiliert wurde, doch sie wissen ganz genau, dass sie das Ding nicht entkommen lassen dürfen, da es eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellt.</p>
<p>Das titelgebende Monster, wenngleich für einige deftige Splatterszenen verantwortlich, steht dabei gar nicht im Vordergrund. Vielmehr wird durch das wachsende Misstrauen der Wissenschaftler untereinander und die menschenfeindliche Umgebung der durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschirmten Forschungsstation eine bedrohliche Atmosphäre erzeugt, die schließlich in einem heißen Showdown mit offenem Ende kulminiert.</p>
<p>Neben dem Hauptdarsteller Kurt Russell (wie seine Forscherkollegen in Vollbart) ziert ein weiterer berühmter Name den Vorspann. Ennio Morricone wird als Komponist des Soundtracks genannt, doch angeblich war John Carpenter nicht zufrieden mit dessen Arbeit und hat selber ein paar Stücke für den Film geschrieben. So oder so, der Score ist mit seinen Synthiestakkatos ein Kind seiner Zeit und seines Genres, damit aber trotzdem präsenter als sein Gegenstück aus der 2011er Neuauflage.</p>
<p>Diese erzählt quasi die Vorgeschichte zu <em>The Thing</em>. Norwegische Antarktisforscher entdecken in hunderttausend Jahre altem Eis ein UFO und bald auch ein Alien, welches das Schiff verlassen hat und dabei gefrostet wurde. Zusammen mit eingeflogenen amerikanischen Forschern (es soll ja nicht nur norwegisch gesprochen werden) soll der Fund analysiert werden. Doch keiner auf der Station hat damit gerechnet, dass das geborgene Alien noch lebt, und bald müssen die Forscher feststellen, dass dieses Ding Menschen kopieren kann.</p>
<p>Eine Stunde lang ergeht sich das Prequel darin, in einer Art respektvoller Verbeugung vor Carpenters Original wichtige Handlungselemente daraus nachzuerzählen und Verknüpfungen zu legen. Dies reicht von der Axt in der Wand und dem Funker mit den aufgeschnittenen Pulsadern, die Kurt Russell 1982 bei der Durchsuchung der norwegischen Station fand, bis hin zu dem versagenden Flammenwerfer und den aus der Arrestzelle fliehenden Gefangenen. Andere Elemente werden leicht variiert (z.B. <a href="http://www.archive.org/details/TheThingcompleteBloodTestScene">die legendäre Bluttestszene</a>), wobei nicht alle Neuerungen funktionieren.</p>
<p>So waren die Charaktere des Original-Casts markanter als in der Neuauflage; allein Kurt Russell steckt die B-Movie-Darsteller um Mary Elizabeth Winstead und ihre platten Nebenfiguren lässig in die Tasche. Auch das Monster, 2011 zeitgemäß digital animiert, hat einiges an Wirkungskraft verloren. Warum entpackt sich das Ding so langsam hinter der Hauptdarstellerin &#8211; in der gleichen Zeit hätte es sie schon längst abgefertigen können. Und eine spätere Verfolgungsjagd wäre erfolgversprechender verlaufen, wenn das Alien erst die Metamorphose beendet hätte. Außerdem scheint es bei späteren Auftritten nicht mehr so schnell zu sein wie beim anfänglichen Ausbruch &#8211; da war das Original konsequenter und damit auch bedrohlicher.</p>
<p>Erst zum Ende hin löst sich das Prequel schließlich vom Vorbild und setzt eigene Akzente mit seinem Finale im Inneren des Raumschiffs. Viel interessanter fand ich jedoch die Unterschiede, die einen Rückschluss auf unsere Gesellschaft erlauben. So war die Forschungsstation der Amerikaner 1982 eine reine Männerdomäne, in der im Aufenthaltsraum fleißig geraucht und getrunken wurde. Einen Film ohne Frauen mutet man 2011 dem Zuschauer nicht mehr zu; und so wie das Rauchen langsam aber sicher aus der Öffentlichkeit verbannt wird so sieht man auch in <em>The Thing</em> (2011) nur noch eine einzige glimmende Zigarette.</p>
<p>Am Ende war diese Doublefeature gerade durch den Vergleich der beiden Filme eine interessante Erfahrung; die 2011er Version bleibt jedoch zu belanglos um weiterempfohlen zu werden. John Carpenters Original von 1982 spielt dagegen in Sachen Atmosphäre auch aufgrund der Bild- und Tongestaltung in einer anderen Liga und hat so seinen Platz in der Geschichte des Horrorfilms verdientermaßen sicher.</p>
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		<title>Perfect Sense</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/10/31/perfect-sense/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 18:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[UK (2011) Regie: David Mackenzie Darsteller: Ewan McGregor (Michael), Eva Green (Susan), Connie Nielsen (Susans Schwester), Stephen Dillane (Samuel), Ewen Bremner (James) und andere Sinnlose Offizielle Homepage Susan ist eine Epidemiologin (gibt es das Wort im Deutschen?) an einer Forschungsanstalt in Glasgow. Als ein Truckfahrer eingeliefert wird, der nach spontanen Gefühlsausbrüchen plötzlich nichts mehr riechen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>UK (2011)<br />
Regie: David Mackenzie<br />
Darsteller: Ewan McGregor (Michael), Eva Green (Susan), Connie Nielsen (Susans Schwester), Stephen Dillane (Samuel), Ewen Bremner (James) und andere Sinnlose</em><br />
<a href="http://www.sigmafilms.com/films/perfect-sense/">Offizielle Homepage</a></p>
<p>Susan ist eine Epidemiologin (gibt es das Wort im Deutschen?) an einer Forschungsanstalt in Glasgow. Als ein Truckfahrer eingeliefert wird, der nach spontanen Gefühlsausbrüchen plötzlich nichts mehr riechen kann, glaubt sie zuerst, nicht zuständig zu sein. Doch dann mehren sich überall auf der Welt ähnliche Fälle, und schon bald gibt es keinen Menschen mit Geruchssinn mehr.</p>
<p>Besonders betroffen von diesem Verlust ist Michael, der als Koch in einem Gourmetrestaurant arbeitet und dem nun die Gäste fernbleiben. Als er Susan kennenlernt und sich die beiden ineinander verlieben, tritt das globale Problem erst einmal in den Hintergrund bzw intensiviert ihre Gefühle füreinander. Doch dann rollt die zweite Welle der Pandemie über den Erdball, die einen Verlust des Geschmackssinnes nach sich zieht. Und langsam wird allen klar, dass dies noch nicht das Ende ist&#8230;</p>
<p>Eine seltsame Mischung setzt Regisseur David Mackenzie mit <em>Perfect Sense</em> dem Zuschauer vor. Auf der einen Seite zeichnet der Film ein interessantes Weltuntergangsszenario, so dass er durchaus in das Programm des <a href="http://www.fantasyfilmfest.com/filme/Perfect.html">Fantasy Filmfest</a> passte. Doch gleichzeitig nimmt die Liebesgeschichte zwischen Michael und Susan den überwiegenden Teil der Handlung ein. Sie wird stark beeinflusst von den seltsamen Sinnesverlusten, doch nur selten wird der Blick über den Tellerrand der persönlichen Probleme gewagt und gezeigt, wie der Rest der Welt auf die Pandemie reagiert. Der Fokus liegt nicht beim Aufhalten der Apokalypse, sondern auf dem Umgang damit aus der Perspektive der jungen Liebe. </p>
<p>Diese Verknüpfung der beiden Handlungselemente wird auch von der Erzählerstimme betont, welche die direkten Folgen auf den Menschen der in Etappen verloren gehenden Sinne beschreibt und am Ende zum Schluss kommt, dass die Liebe zwischen zwei Menschen dann am Stärksten ist, wenn sie nur auf direkten Berührungen basiert &#8211; dem <em>Perfect Sense</em>. Vermitteln kann der Film dies nicht mehr, da er für die Darstellung der Taub- und Blindheit die offensichtliche Umsetzung wählt und so am Ende das Medium seiner beiden an den Zuschauer vermittelten Sinne beraubt ist &#8211; bis dahin haben jedoch der emotionalisierende Soundtrack und die vielen Hochglanz-Liebesszenen den Sinnen genügend zu verarbeiten gegeben.</p>
<p>Besonders gefallen hat mir dabei die Dialogvisualisierung, die statt klassischem Schnitt-Gegenschnitt häufig beide Teilnehmer im selben Bild, aber in unterschiedlicher räumlicher Tiefe aufnahm und die Kamera selektiv den Sprechenden scharf stellt. Dies verlieh den Szenen gleichzeitig Ruhe und einen Fluss, der die Gefühle der beiden Hauptfiguren gut transportiert. Im Kontrast dazu stehen wild verwackelte Kamerafahrten vor Fahrrädern, die den Effekt wieder zunichte machen.</p>
<p>Stark ist der Film ebenfalls dann wenn er zeigt, wie die Menschen mit dem Fehlen der Sinne umgehen. Dies wird vor allem an dem Nobelrestaurant deutlich, in welchem Michael arbeitet. So wird nach dem Wegfall des Geruchssinnes zuerst der Geschmackssinn mittels stärkeren Einsatzes von Gewürzen stimuliert. Als dieser wegfällt, wird auf das Erfahren der Geräusche und des Fühlen des Essens in Mund und Speiseröhre gesetzt. Bis zum Schluss versuchen alle, das geregelte Leben irgendwie möglich aufrecht zu erhalten; eine überraschend optimistische Darstellung einer Epidemie.</p>
<p>Insgesamt wirkt der Film für meinen Geschmack aber zu glattgebügelt. War der Regisseur mit seinen vorherigen Werken <em>Young Adam</em> und  <em>Hallam Foe</em> noch für die schonungslose, aber genaue Darstellung des Unterschichten-Milieus bekannt, so ist er nun in die langweilige Welt der Yuppies mit ihren sanierten Fabrikhallenwohnungen gewechselt, wo jeder Raum wie vom Designer gestylt, aber auch austauschbar aussieht. Als schöner Mensch in schönen Interieurs zu leben schützt zwar nicht vor dem Verlust der Sinne, verhindert aber etwas das Mitfühlen mit den Figuren.</p>
<p>Fazit: So richtig warmwerden kann ich mit <em>Perfect Sense</em> nicht. Auf der einen Seite hat er ein interessantes Szenario und einige optische Ideen zu bieten, um es darzustellen. Auf der anderen Seite sorgen die Liebesgeschichte in Hochglanz und einige deplatzierte Effekte dafür, dass der Film zwischen den Genres hängen bleibt, weil die einzelnen Teile nicht zusammen passen wollen.</p>
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		<title>Melancholia</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/10/23/melancholia/</link>
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		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 10:01:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Dänemark/Schweden (2011) Regie: Lars von Trier Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Udo Kier (Hochzeitsplaner) Offizielle Homepage Melancholia ist ein erdähnlicher Planet ohne eigene Sonne, der aus dem Sternzeichen des Skorpion kommend auf dem Weg durch unser Sonnensystem ist. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dänemark/Schweden (2011)<br />
Regie: Lars von Trier<br />
Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Udo Kier (Hochzeitsplaner)</em><br />
<a href="http://www.melancholia-derfilm.de/">Offizielle Homepage</a></p>
<p>Melancholia ist ein erdähnlicher Planet ohne eigene Sonne, der aus dem Sternzeichen des Skorpion kommend auf dem Weg durch unser Sonnensystem ist. Er wird die Erde in unmittelbarer Nähe passieren, doch es ist ungewiss, ob die Erde den Planeten nicht mit ihrer Schwerkraft einfängt und es zu einer Kollission kommt, dem sogenannten Tanz des Todes, dem Ende alles Lebens. Wer nach Lars von Triers letzten Film <a href="/blog/2009/11/22/antichrist/">Antichrist</a> noch Zweifel daran hatte, dass der Regisseur schwere psychische Probleme zu bewältigen hat, der sollte nach diesem Weltuntergangsszenario von Handlungsrahmen eines Besseren belehrt sein. Denn von Trier beschreibt durch seine Hauptfigur Justine das Leben als deprimierende Ausnahme im Universum, dem Melancholia ein verdientes Ende setzt.</p>
<p>Bemerken tut Justine dies zum ersten Mal ausgerechnet auf ihrer Hochzeitsfeier. Diese wird von ihrer Schwester Claire und dessen Mann John auf deren mondänen Landsitz am Meer inklusive Stallungen und Golfplatz ausgerichtet. Doch trotz der exquisiten Kulisse ist Justine bald nicht mehr zum Feiern zumute; Visionen des nahenden Weltuntergangs plagen sie während ihre Eltern die Hochzeit zur gegenseitigen Abrechnung nutzen (wunderbar gespielt von Charlotte Rampling &#038; John Hurt) und kein offenes Ohr für die Tochter und ihre Probleme haben. Als auch noch der frischgebackene Ehemann unsensibel auf die Hochzeitsnacht drängt, schlägt die Verzweiflung der Ungehörten in Trotzreaktionen um und am folgenden Morgen ist nicht nur die Ehe aufgelöst, sondern auch Justine in eine tiefe Depression verfallen.</p>
<p>Claire nimmt die Schwester daraufhin zu sich. Während John in technisch rationaler Gläubigkeit das Naturereignis des passierenden Melancholia entgegensehnt und seiner Frau Optimismus vorspielt, lässt diese sich eher von Justines Anschauung anstecken, die wiederum mit fortschreitender Nähe des heranrasenden Planeten immer mehr aus ihrer Lethargie erwacht.</p>
<p>Diese familiäre Figurenkonstellation und der Umgang der einzelnen Charaktere mit dem drohenden Ende der Welt ist der Kern von <em>Melancholia</em>. Justine, Claire, John &#8211; jeder hat seine eigene Art des Umgangs mit dem absoluten Ende, jeder zeigt andere Reaktionen. Justine ist dabei die Extremste. Zuerst schüttelt sie all den Ballast der Gesellschaft &#8211; Ehemann, Familie, Job &#8211; in wenigen Handstreichen von sich, um nach der folgenden Depression ob der verbliebenen Leere das Ende wie einen Liebhaber zu empfangen, der sie von der Last der Existenz befreit. Von Trier verdeutlicht dies indem er Kirsten Dunst nackt am Ufer eines Bächleins liegend zeigt, nur illuminiert vom unwirklichen Licht von Melancholia. Bilder der Romantik auf Zelluloid gebannt.</p>
<p>Die von Charlotte Gainsbourg gewohnt souverän verkörperte Claire dagegen mit ihrem geordneten Leben &#8211; Haus, Mann, Kind &#8211; will anfangs nur zu gerne ihrem Ehemann und nicht Justine glauben, obwohl das Internet ihre Visionen bestätigt. Als schließlich die Zeichen nicht mehr geleugnet werden können, versucht sie trotzdem, die Fassade ihres Lebens bis zu dessen Ende aufrecht zu erhalten und sogar dem Tod aufzuzwingen. John fehlt dazu die Kraft, er zerbricht am Einsturz seines Weltbilds und zieht den Freitod einem Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit vor.</p>
<p>So sitzen zum unabwendbaren Ende schließlich Justine und Claire zusammen mit deren Sohn auf einer Wiese in einem aus Holzästen gebauten Zelt und über sie rollt die Feuerwelle des einschlagenden Melancholia. Dies ist das beeindruckendste Bild des Films, viel stärker als die artifiziell stilisierten, unwirklich wirkenden Bilder in Super-Slow-Motion der ersten Minuten, in denen von Trier wichtige Teile der Handlung vorwegnimmt. Denn bei diesen war ich dank der klassischen Musikuntermalung unangenehm an <a href="/blog/2011/07/24/the-tree-of-life/">Tree of Life</a> erinnert, dessen Bilder von der Entstehungsgeschichte des Universums ganz ähnlich der kosmischen Katastrophe des Einschlags von Melancholia in die Erde zunächst einmal nicht mehr als leere Projektionsflächen darstellen, da sie (noch) nicht in die Handlung eingebettet sind.</p>
<p>Als Kontrast zu dieser bombastischen Einführung steht die nervöse Handkamera, die den Rest des Films dominiert. Als letztes Überbleibsel aus Dogma-Zeiten hat sie mich weitgehend genervt, weil sie so wenig zu dem an Bilder der Romantik erinnernden Szenenbild passt. Von Trier schreckt auch nicht vor den kitschigsten Bildern zurück (zum Beispiel wenn die beiden Schwestern auf ihren Pferden durch den Morgennebel ausreiten), wenngleich einige davon wie die Ankunft des Brautpaares in einer weißen Limo angenehm ironisch dekonstruiert werden und der am Himmel thronende Melancholia alles mit einer Atmosphäre der Bedrohung überzieht.</p>
<p>Aber ebenso wie das Figurenensemble existiert die optische Brillianz des Film nur, um am Ende zerstört zu werden, und da ist von Trier leider nicht mehr so weit weg von den Katastrophenfilmen hollywoodscher Prägung, die ihre Existenzberechtigung ebenfalls ausschließlich aus der Zerstörung ziehen &#8211; <em>Melancholia</em> setzt seine Destruktion nur eben eine Ebene höher, auf der künstlerischen Seite, an.</p>
<p>Fazit: So deprimierend der Handlungsrahmen um den alles Leben auf der Erde auslöschenden Planeten Melancholia sich anhören mag, so wenig fühlt es sich schließlich beim Sehen an. Dies liegt zum Einen an dem zumindest in der ersten Hälfte, der Hochzeitsfeier, vorherrschenden ironischen Unterton und zum Anderen an den stark romantisierenden Bildern des Films. Diese genauso wie seine Figuren in einem Weltuntergangsszenario zu zerstören ist dann auch die Stärke des Films, wenngleich er ansonsten keine Relevanz aufweist &#8211; zu viel Stil und zu wenig Inhalt lautet am Ende die Bilanz.</p>
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		<title>Naokos Lächeln</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/10/13/naokos-lacheln/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 20:36:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Japan (2010) Regie: Trần Anh Hùng Darsteller: Ken’ichi Matsuyama (Toru Watanabe), Rinko Kikuchi (Naoko), Kiko Mizuhara (Midori), Reika Kirishima (Reiko Ishida), Tetsuji Tamayama (Nagasawa), Eriko Hatsune (Hatsumi) Offizielle Homepage Und schon wieder Haruki Murakami: Nachdem ich Anfang des Jahres erst meinen ersten Roman von ihm gelesen habe und begeistert war, wurden mir plötzlich von allen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Japan (2010)<br />
Regie: Trần Anh Hùng<br />
Darsteller: Ken’ichi Matsuyama (Toru Watanabe), Rinko Kikuchi (Naoko), Kiko Mizuhara (Midori), Reika Kirishima (Reiko Ishida), Tetsuji Tamayama (Nagasawa), Eriko Hatsune (Hatsumi)</em><br />
<a href="http://naoko.pandorafilm.de/">Offizielle Homepage</a></p>
<p>Und schon wieder Haruki Murakami: Nachdem ich Anfang des Jahres erst <a href="/blog/2011/02/04/1q84/">meinen ersten Roman von ihm</a> gelesen habe und begeistert war, wurden mir plötzlich von allen Seiten weitere seiner Werke empfohlen. Eines davon, <em>Kafka am Strand</em>, habe ich auf Grund dieser Empfehlung einer Freundin geschenkt und bekam von ihr sogleich <a href="/blog/2011/07/12/hard-boiled-wonderland-und-das-ende-der-welt/">Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt</a> ausgeliehen. Da konnte ich die Verfilmung seines wohl populärsten Werkes, <em>Norwegian Wood</em>, natürlich nicht auslassen &#8211; und wurde überrascht, da Murakami darin vollkommen auf surreale oder fantastische Elemente verzichtet.</p>
<p>Sein Held, Toru Watanabe, ist ein Student in Tokio, der Ende der 60er Jahre auf der Uni Naoko wieder trifft. Naoko war seit Kindheitstagen die Freundin von Kizuki, Torus bestem Freund. Bis dieser sich mit 17 das Leben nahm und eine große Leere sowohl in Naoko als auch Toru hinterließ. Das gemeinsame Trauma lässt die beiden näher zusammenrücken, während um sie herum die Studentenunruhen nicht mehr als ein Hintergrundrauschen bleiben. Nach einer gemeinsamen Nacht ist Naoko jedoch plötzlich verschwunden, und erst ein paar Wochen später erhält Toru einen Brief von ihr und erfährt so, dass sie in einem Sanatorium in den Bergen versucht, mit der Vergangenheit klar zu kommen.</p>
<p>Toru wird es gestattet, sie dort zu besuchen, und lernt auf diese Weise Naokos Zimmergenossin Reiko kennen, die für die beiden <em>Norwegian Wood</em> auf der Gitarre spielt. Doch zwischen den seltenen Besuchen hat Toru inzwischen Midori getroffen, eine notorische Lügnerin, die ebenfalls eine Menge Probleme mit sich herum schleppt. Da sich Toru nicht entscheiden kann und vor allem Naoko in ihrer schwierigen Phase nicht allein lassen will, entwickelt sich eine komplizierte Dreiecksbeziehung, die kein gutes Ende nehmen kann&#8230;</p>
<p>Toru ist ein wahrhaft klassischer Murakami-Charakter. Ein aufwachsender Mann, dem die Welt Probleme aufbürdet, denen er sich nicht gewachsen sieht, die er aber auch nicht angeht sondern sie passiv über sich ergehen lässt. Die beiden Frauen mit ihrer intensiven Wirkung auf ihn verhindern eine normale Beziehung, wenngleich Toru zusammen mit seinem Kommilitonen Nagasawa auch unkomplizierten One-Night-Stands gefrönt hat, ohne Gefühle wie für Naoko entwickelt zu haben. Der Film legt seinen Fokus klar auf Toru, die Motivationen der Frauen bleiben aufgrund ihrer kurzen Auftritte weitgehend unverständlich. Von Naoko, immerhin in Deutschland titelgebend, sieht der Zuschauer nur eine mit jeder Szene zunehmende Schwermut; die Steigerungen ihrer depressiven Art werden allein durch die Briefe an Toru vermittelt. So fiel es mir schwer, diese Veränderungen bis zu ihrem bitteren Ende zu akzeptieren.</p>
<p>Dafür findet der Regisseur unglaublich schöne Bilder, um die Melancholie dieser Schwermut auf Zelluloid zu bannen. Lange Kamerafahrten begleiten Toru auf seinen Wegen durch das Studentenwohnheim zwischen öffentlichem Telefon und Zimmer, und eine beindruckende Einstellung ohne jeglichen Schnitt zeigt ihn in einer Diskussion mit Naoko an einem regnerischen Morgen in einer Wiese vor dem Sanatorium, wobei die beiden immer wieder auf einem Pfad hin und her laufen. Farblich gut aufeinander abgestimmt und vom Soundtrack kongenial unterstützt fließt der Film so vor einem hin, als könnten die Probleme, an denen die Figuren (fast) zerbrechen, sich in ihrer Darstellung verlieren &#8211; doch das tun sie nicht.</p>
<p>Fazit: Dieser Film lebt und atmet eine Atmosphäre der Melancholie. Wie er die Geschichte von Toru und seiner unglücklichen Liebe zu Naoko erzählt, ist unglaublich schön anzusehen und anzuhören. Hinter den elegischen Bildern fällt die Handlung trotz 133 Minuten Laufzeit leider etwas reduziert aus, so dass das Verhalten einiger Charaktere unverständlich bleibt &#8211; für dessen Verständnis sollte ich wohl besser das Buch lesen.</p>
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		<title>Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 23:42:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[Blu-Ray]]></category>

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		<description><![CDATA[Über Fremde Gezeiten kann man interessanterweise viel reden, ohne den Film direkt zu besprechen. So basiert er auf einem Roman von Tim Powers aus dem Jahr 1987, der die wichtigsten Handlungselemente vorgibt: Die Quelle der Jugend als Ziel, Blackbeard als Gegenspieler und die allgegenwärtige Voodoo-Magie. Damit passt er natürlich wie die Faust aufs Auge zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über <em>Fremde Gezeiten</em> kann man interessanterweise viel reden, ohne den Film direkt zu besprechen. So basiert er auf einem Roman von <a href="/blog/2008/01/22/declare/">Tim Powers</a> aus dem Jahr 1987, der die wichtigsten Handlungselemente vorgibt: Die Quelle der Jugend als Ziel, Blackbeard als Gegenspieler und die allgegenwärtige Voodoo-Magie. Damit passt er natürlich wie die Faust aufs Auge zu der <em>Fluch-der-Karibik</em>-Serie, für dessen vierten Teil Disney die Filmrechte von Powers erwarb. Da dieser Roman auch Einfluss auf die <a href="/blog/2010/09/11/me-monkey-island/">Monkey-Island-Serie</a> hatte, wird der Kreis der gegenseitigen Beeinflussung langsam unübersichtlich.</p>
<p>Desweiteren wurde der Film komplett <a href="http://camerarentalz.com/pirates-caribbean-shot-on-red/">digital in 3D mit neuen Kameras</a> der Firma <a href="http://www.red.com/experience#shot_on_red_67">RED</a> gedreht, was zu einigen guten wie schlechten Bildern geführt hat (in der 2D-Fassung, die 3D-Version kann ich nicht beurteilen). So fehlt es manchen dunklen Szenen an Details und Tiefenwirkung, so dass sie flau wirken &#8211; dafür überzeugen die Naturaufnahmen mit wunderbar kräftigen Farben. Die digitalen Kameras sind also noch nicht ganz in den Regionen des klassischen 35mm-Films angekommen, aber wenn 3D verkauft werden soll, dann wird schnell auf den billigeren Digitalworkflow zurückgegriffen und eine inkonsequente Farbgestaltung in Kauf genommen.</p>
<p>Wobei ich schon beim Gesamteindruck des Films bin. Denn neben dem 3D-Aufschlag ist auch der Überlängenaufschlag mit unnötigen 136min einkalkuliert und zeugt davon, dass hier alles für den Erfolg an den Kinokassen getan wurde. Also sollte niemand Überraschungen erwarten; das Erfolgsrezept der Vorgängerfilme wird gnadenlos kopiert (die drei langweiligen Fechtszenen wirken allesamt so, als wären sie aus <a href="/blog/2003/09/04/fluch-der-karibik/">dem ersten Teil</a> kopiert) und für Disney familientauglich glattgebügelt. Wenn Menschen sterben, dann passiert dies meist unblutig außerhalb des Bildes, und trotz gefühlt hundert unbekleideter Meerjungfrauen im gesamten Film ist nie auch nur eine Brust zu sehen.</p>
<p>Dazwischen stolpert Johnny Depp in seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow durch die Handlung und muss diese fast alleine tragen &#8211; zu viel für die inzwischen ausgereizte Figur, und zu wenig für den Film. Die als Ersatz für das Duo Knightley/Bloom gedachten Penélope Cruz als Tochter von Blackbeard und Missionar Philip schaffen es nicht, die Lücken auffüllen. Gerade Letzterer, ein eindimensionaler Charakter ohne jeglichen Hintergrund und ohne Ecken und Kanten, wirkt mit der unmotivierten Einführung (wofür braucht Blackbeard ihn?) wie ein Fremdkörper und seine christliche Gutmenschenart hat mich ein ums andere Mal dazu bewegt, über das Abschalten nachzudenken.</p>
<p>Und trotz alledem &#8211; das Ergebnis dieser nur zu einem Zweck zusammengerührten Blockbusterzutaten ist weitgehend unterhaltsam und erfüllt somit zumindest die Erwartungen. Einen weiteren Teil der Serie sollte uns Disney aber besser ersparen &#8211; wenngleich das gute Einspielergebnis dank der o.g. Aufschläge trotz zurückgehender Zuschauerzahlen für eine Fortführung des Franchise spricht.</p>
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		<title>Dreileben</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 22:40:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Anfang stand ein Diskurs. Per E-Mail debattierten Dominik Graf, Christoph Hochhäusler und Christian Petzold über den aktuellen Zustand des deutschen Kinos und speziell über die Berliner Schule. Graf warf seinen beiden Kollegen vor, nur noch &#8220;Schneewittchenfilme&#8221; zu machen, in denen Menschen leblos hinter Glas präsentiert werden. Er kritisierte das erstarrte deutsche Mainstreamkino, das versucht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Anfang stand ein Diskurs. Per E-Mail debattierten Dominik Graf, Christoph Hochhäusler und Christian Petzold über den aktuellen Zustand des deutschen Kinos und speziell über die Berliner Schule. Graf warf seinen beiden Kollegen vor, nur noch &#8220;Schneewittchenfilme&#8221; zu machen, in denen Menschen leblos hinter Glas präsentiert werden. Er kritisierte das erstarrte deutsche Mainstreamkino, das versucht, sich dem amerikanischen anzugleichen und das Leblose offensichtlich nur wählt, weil es sich so gut gestalten lässt: Wachsfiguren, die manchmal verdammt wertvoll drein schauen (siehe <a href="http://www.revolver-film.de/Inhalte/Rev16/html/Berliner.htm">Ausschnitte beim Revolver</a>).</p>
<p>In Fortführung der Diskussion um diese Vorwürfe entstand schließlich ein gemeinsames Projekt der drei Regisseure; ein Experiment um die Auseinandersetzung in der Praxis fortzuführen. Zusammen wurde ein Thema (entflohener Sexualstraftäter) und ein Ort (das fiktive Dreileben im Thüringer Wald) gefunden und beschlossen, sich zum Stand des deutschen Kinos jeweils im eigenen Stil zu äußern und das Ergebnis für sich sprechen zu lassen. Dieses Dreigestirn von Konzeptfilmen hatte schließlich auf der diesjährigen Berlinale Premiere und wurden vor kurzem von der produzierenden ARD im Fernsehen ausgestrahlt.</p>
<p>Die Filme tragen den Namen <em>Etwas Besseres als den Tod</em> (Christian Petzold), <em>Komm mir nicht nach</em> (Dominik Graf) und <em>Eine Minute Dunkel</em> (Christoph Hochhäusler). Letzterer erfüllt in seiner Darstellung des entflohenen Straftäters und eines ihn suchenden Kommissars noch am ehesten das Konzept eines Krimis, den man aufgrund der Rahmenhandlung erwarten würde. Doch gerade hier finden sich einige der von Graf kritisierten Punkte, denn die beiden Figuren erweckten bei mir kein Interesse an ihnen. Zu wenig konnte ich in sie hineinsehen, obwohl sie ausgiebig bei ihrem jeweiligen Tagesablauf gezeigt werden. Die meisten Szenen sind aber nur für den Handlungsablauf relevant und werden nicht für die notwendige Charakterisierung genutzt. Diese verlässt sich lieber auf das im Kopf des Zuschauers geprägte Bild vom Kommissar und dem gestörten Sexualstraftäter &#8211; wenngleich das Ende mit zumindest einer der beiden Charakterblaupausen bricht.</p>
<p>Im Sinne des ursprünglichen Diskurses sind die beiden anderen Filme die interessanteren Anschauungsobjekte. Denn trotz der Tatsache, dass sowohl Petzold als auch Graf ihrer Linie treu geblieben sind, und trotz der verschiedenen eingesetzten Stilmittel, haben sie bei mir eine ähnliche Wirkung erzielt. Diese lässt sich am Besten mit dem Blick durch ein Fenster beschreiben; einen durch nichts getrübten Blick auf die Handlung aus nächster Nähe, der jedoch eine gewisse Distanz bedeutet, einen Abstand bzw eine unsichtbare Wand darstellt.</p>
<p><em>Etwas Besseres als den Tod</em> erzeugte diese Wahrnehmung durch seine vielen Totalen und wiederkehrenden Bildeinstellungen. Der Akteur der Handlung, Johannes, lernt als Zivi in einem Waldkrankenhaus das Zimmermädchen Ana kennen. Es entwickelt sich eine stürmische Liebe, doch bald wird sichtbar, dass die impulsive Ana und der angehende Medizinstudent nicht viel gemeinsam haben. Petzold verdeutlicht diese Entwicklung durch Reduktion auf das Wesentliche, es gibt bei ihm keine Einstellung und keinen Dialog zu viel. Stattdessen wird durch den seltsam bedrohlich wirkenden Soundtrack und die ausgesuchten Kamerablickwinkel Wert auf eine Stimmung gelegt, die dem Zuschauer vermittelt, dass da im Hintergrund etwas wartet &#8211; dass hinter dem gegenseitigen Begehren und der frischen Liebe ein baldiger Konflikt und in der Idylle des Thüringer Waldes der entflohene Mörder wartet. Lebendig wirken die Figuren durch die Fokussierung nicht, aber alle Emotionen und Handlungen sind trotzdem gut nachvollziehbar. Die Charakterisierung ist schlüssig, es werden genau die erforderlichen Wesenszüge dargestellt und so kann von Leblosigkeit keine Rede sein.</p>
<p>Ganz anders Dominik Graf. Er führt die Berliner Polizeipsychologin Jo nach Dreileben, um den entflohenen Straftäter zu finden. Sie übernachtet bei ihrer Studienfreundin Vera und ihrem Mann Bruno, einem Autoren, die zusammen ein Haus restaurieren. In nächtlichen Gesprächen finden die beiden Frauen heraus, dass sie einst den selben Mann geliebt haben und plötzlich brechen Wunden auf, die beide für geheilt hielten. Die Rahmenhandlung um den Polizeifall tritt dabei fast komplett in den Hintergrund, der Fokus liegt klar auf den Dialogen und den aus der Charakterkonstellation entstehenden Konflikten. Um seine Figuren mit Leben zu füllen gestattet Graf dem Zuschauer viele intime, private Einblicke, füllt deren Leben mit Details und lässt in Dialogen genausoviel ungesagt wie in Gesten und Blicken angedeutet wird.</p>
<p>So wirken alle Charaktere unglaublich authentisch, aber dies bringt auch Nachteile mit sich. Denn zum Einen bekommen die Figuren so viele Seiten, so viele Facetten verpasst, dass es anfangs schwerfällt, zwischen Gesagtem und Unausgesprochenem das Verhältnis der Figuren zueinander richtig zu verstehen. Zum anderen hatte ich den Eindruck, zu Besuch bei einer Privatparty zu sein und die Gastgeber nicht zu kennen, die sich gerade über ihre privatesten Details auslassen. Da diese sich auf ihre jahrelang eingeübte Kommunikation verlassen können, bekommt der unbedarfte Zuhörer oft nicht den gesamten Inhalt der Unterhaltung mit. Und dies führte bei mir zu dem Gefühl, als Zuschauer nicht vollständig in die Handlung integriert zu werden und wie durch ein Fenster darauf zu schauen.</p>
<p>Zusammengefasst mag Graf in seiner Kritik sicherlich vorhandene Probleme angesprochen haben, die zu tendenziell schlechteren Ergebnissen wie Hochhäuslers <em>Eine Minute Dunkel</em> führen können. Die sehenswerten Filme von ihm und Petzold zeigen jedoch, dass beide Stilrichtungen ihre Berechtigung haben und ganz ähnliche Wirkungen beim Zuschauer hervorrufen können; der Stil also nicht allein für einen guten oder schlechten Film verantwortlich ist.</p>
<p>Schade ist, dass das Filmprojekt <em>Dreileben</em> nur auf dieser Konzeptebene funktioniert. Die Filme greifen nicht so gut ineinander, wie sie es könnten; ich hatte das Gefühl, dass sich die drei Regisseure entweder nicht ausreichend abgesprochen haben oder bewusst durchgängige Handlungsstränge torpedieren und so ein nicht lösbares Puzzle erschufen. Gerade <em>Komm mir nicht nach</em> und <em>Eine Minute Dunkel</em>, die sich stark mit dem geflohenen Sexualstraftäter beschäftigen, müssten viel mehr Einfluss aufeinander haben, als sie es tun. Aber weder die Aufdeckung einer korrupten Polizeitruppe noch die schlussendliche Festnahme des Flüchtenden werden im abschließenden Film thematisiert, so dass der Eindruck entsteht, sie hätten nichts miteinander zu tun.</p>
<p>Da fehlt die Harmonie und deshalb sollten die Filme besser unabhängig voneinander betrachtet werden und nicht als Einheit oder gar Trilogie &#8211; und erst Recht nicht als Krimi. Ein verteilter Sendetermin z.B. an drei aufeinander folgenden Abenden hätte dem Format bestimmt besser getan und sich sicherlich auch in den Einschaltquoten niedergeschlagen. Aber qualitativ hochwertige Filme um Mitternacht zu senden hat ja Tradition bei der ARD, und die Zuschauerzahlen auf diesen Ausweichsendeplätzen entsprechen dann als selbsterfüllende Prophezeihung dem nicht vorhandenen Vertrauen in das eigene Programm.</p>
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