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	<title>The KingOli Blog &#187; gelesen</title>
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	<description>The KingOli Blog</description>
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		<title>Snuff</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 18:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>

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		<description><![CDATA[von Terry Pratchett, veröffentlicht von Doubleday, ISBN 978-0-385-61926-4, 18.99£ Sam Vimes (Mumm im Deutschen) steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere: Seine Frau Sybil und Lord Vetinari haben beschlossen, dass der Chef der Stadtwache endlich einmal Urlaub machen soll. Also ist er gezwungen, mit Sybil und Sohn Sam auf den Landsitz zu fahren, auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Terry Pratchett,<br />
veröffentlicht von Doubleday, ISBN 978-0-385-61926-4, 18.99£</em></p>
<p>Sam Vimes (Mumm im Deutschen) steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere: Seine Frau Sybil und Lord Vetinari haben beschlossen, dass der Chef der Stadtwache endlich einmal Urlaub machen soll. Also ist er gezwungen, mit Sybil und Sohn Sam auf den Landsitz zu fahren, auf dem seine adelige Frau einst aufwuchs. Der Stadtmensch Mumm findet es anfangs schwer, sich mit der Natur und den Verhaltensweisen der Landbevölkerung anzufreunden, doch dann schlägt sein untrüglicher Polizeisinn zu: Irgendetwas ist faul in dem kleinen Dorf, wo der örtliche Polizist nicht etwa dem Gesetz, sondern den Ratsmitgliedern verpflichtet ist. Als plötzlich der Schmied verschwindet und versucht wird, Sam den Mord an einem Goblinmädchen anzuhängen, ist es endgültig aus mit der beschaulichen Urlaubsruhe&#8230;</p>
<p>Trotz fortschreitender Alzheimer-Erkrankung läuft der Büchermotor von Terry Pratchett weiter rund und so ist Ende 2011 mit <em>Snuff</em> ein weiterer Scheibenwelt-Roman erschienen. Doch seit einigen Jahren ist die Vorfreude meinerseits nicht mehr so groß wie früher, weil sich die immergleichen Themen im Kreise drehen und ich mich sattgelesen habe an der Stadtwache, von der auch <em>Snuff</em> handelt. In dem übergreifenden Handlungsfaden ist einfach die Luft raus; mit jedem Buch wird nur noch eine weitere Spezies integriert (diesmal Goblins &#8211; wie innovativ) und dies läuft in gewohntem Schema F ab.</p>
<p>Dazu macht es das Buch dem Leser zu Beginn nicht gerade leicht. Vermutlicht um das ruhige Landleben zu verdeutlichen beginnt es sehr zaghaft, so dass auf den ersten 100 Seiten so gut wie keine Handlung vorhanden ist, geschweige denn ein Hinweis, worum es eigentlich geht. Da auch die bei Pratchett üblichen Nebenhandlungen erst in der Mitte des Buches einsteigen, sich alles auf Sam Mumm konzentriert und der Humor weitgehend fehlt (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stolz_und_Vorurteil">Stolz und Vorurteil</a> wird anekdotenhaft aufgegriffen), war es anfangs eher eine Qual als ein Vergnügen, <em>Snuff</em> zu lesen.</p>
<p>Irgendwann wird klar, dass Sam Mumm auf eine Schleuserbande gestoßen ist, die Goblins entführt, damit diese als billige Arbeitskräfte auf Tabakplantagen schuften. Zusammen mit einer wilden Verfolgungsjagd auf einem Fluss sollte dies eigentlich für eine interessante Geschichte reichen, doch leider clasht sich der Inhalt mit der eingefahrenen Erzählweise und Charakterisierung von Pratchett &#8211; es fehlt einfach an Konflikten. Von Anfang an ist klar, dass niemand Sam Mumm gewachsen ist. Er kennt alle Leute und Situationen, gewinnt alle Kämpfe (die Prügelei am Anfang mit dem Schmied ist an den Haaren herbeigezogen); zur Not schreitet eben sein Butler oder seine Frau ein. Das ist langweilig, langweilig, langweilig.</p>
<p>Es fehlt an einem potenten Gegenspieler. Die Mitglieder des Dorfrates als Strippenzieher bleiben durchgängig im Hintergrund und scheiden deshalb aus. Der Leiter der Goblinverschleppung wird erst in der Mitte der Buches kurz aufgebaut und &#8211; trotz eines Nachschlags &#8211; schnell abserviert und entfaltet so niemals wirklich Gefahr. So verbleibt als einziger zählbarer Konflikt der innere Disput von Hauptmann Mumm über sein verbildlichtes dunkles Ich und die Mittel, mit denen er teilweise seine Ziele erreicht.</p>
<p>Diese immer wieder ab der Oberfläche hervorbrechenden Irritationen sind die Highlights des Buchs und stehen in einer Linie mit den humanistischen Aussagen der Scheibenweltbücher, die ich voll und ganz unterstütze. Schade nur, dass sich <em>Snuff</em> im Gegensatz zum klaren Statement gegen Arbeitssklaverei einer eindeutigen Aussage zu Mumms fragwürdigem Vorgehen verwehrt.</p>
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		<title>Deutschland macht dicht</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2012/01/08/deutschland-macht-dicht/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 23:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dietmar Dath, erschienen im Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-42163-5, 17,80€ Um das Land vor negativen Einflüssen aus dem Ausland zu schützen, hat der Bundeskanzler beschlossen, Deutschland dicht zu machen und von der Außenwelt abzuschotten. Dazu werden die Grenzen in einem komplexen Prozess einfach von außen nach innen umgestülpt und das Land vom Rest der Welt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Dietmar Dath,<br />
erschienen im Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-42163-5, 17,80€</em></p>
<p>Um das Land vor negativen Einflüssen aus dem Ausland zu schützen, hat der Bundeskanzler beschlossen, Deutschland dicht zu machen und von der Außenwelt abzuschotten. Dazu werden die Grenzen in einem komplexen Prozess einfach von außen nach innen umgestülpt und das Land vom Rest der Welt abgenabelt. Doch leider hat das Geld diese Aktion mitbekommen und sich in den Prozess eingemischt, da es um seinen Einfluss fürchtet. So geht die ganze Aktion fürchterlich schief und Deutschland verwandelt sich in ein chaotisches Labyrinth, in dem plötzlich alles umgedreht ist. Kein Weg führt mehr an sein Ziel, kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Der aus einer Idee manifestierte Plüschhase Mandelbaum muss sich zusammen mit den jugendlichen Helden Hendrik und Rosalie und dem ältesten Kommunisten Deutschlands auf den Weg machen, um die Dinge wieder zu richten. Dazu müssen sie einen Weg in das Schloss des Geldes finden, ein Hochhaus in Frankfurt, vorbei an der Bestie Sumsilatipak und einem fanatischen Terrorkäse&#8230;</p>
<p>War die <a href="/blog/2011/05/08/die-abschaffung-der-arten/">Abschaffung der Arten</a> noch eine wilde Mixtur der unterschiedlichsten Genres und Stile, so ist <a href="http://rosalievollfenster.de/">Deutschland macht dicht</a> zwar eine weitere Stilübung von Dietmar Dath, aber dafür eine durchgängige. Er wendet sich dem Jugendroman zu und erzählt seine märchenhafte Parabel aus Sicht der jugendlichen Protagonisten. In dazu passender Form gibt es kurze Kapitel mit kurzen, einfach gebauten Sätzen, die von Illustrationen begeleitet überraschend leicht zugänglich und vordergründig verständlich sind. Doch Dath wäre nicht Dath, wenn er nicht selbst in den engen Grenzen des Genres seinen ganz eigenen Stil einer technologisierten Kunstsprache verfolgen würde. Ebenso typisch ist der breite Kanon an angerissenen Themen wie Religion, Kultur, Journalismus bzw Medien allgemein und die niemals fehlende politische Systemkritik mit starker Linkstendenz.</p>
<p>Diese ist mal fantasievoll polemisch wie bei der Bestie Sumsilatipak (rückwärts lesen), mal scharf und direkt wie bei den vom Geld manipulierten Halbmenschen und anderen Systemunterstützern mit ihrer ewig gleichen Litanei. Die Welt ist jedoch durchgehend einfach gestaltet und passend zum Genre sind Gut und Böse schnell zu erkennen. Dath wagt sich sogar an pubertäre Probleme heran und lotet das Genre aus bis zum Abenteuerroman, ohne jedoch über eine oberflächige Imitation desselben hinauszukommen.</p>
<p>Das Buch mündet schließlich in einem actionreichem Finale, dass vielleicht etwas zu stark aufträgt mit einem Kung Fu kämpfenden Jesus und verworrenen Traumzeitreisen. Ich hatte zum Schluss das Gefühl, dass Dath sich schwer daran tat, aus der Fülle der Ideen eine funktionierende Handlung herauszuschälen. Meist wachsen in Jugendbücher die jungen Helden über sich hinaus; hier dagegen werden sie von einer gottgleichen Kraft gerettet, die sämtliche vorherigen Bemühungen und Erfahrungen an Wert verlieren lässt &#8211; die primitivste aller Lösungen für einen Konflikt.</p>
<p>Trotzdem ist <em>Deutschland macht dicht</em> durch die Vermischung von Daths Dauerthemen mit dem Genre des Jugendromans sehr unterhaltsam zu lesen; allein die Grundidee mit dem umgestülpten Land und die überzeichneten Charaktere sorgen für einen sehr heiteren Charakter des Buches. Da verzeihe ich auch gerne, dass sich Dath um ein vernünftiges Ende herumgestohlen hat und sich hinter all der phantastischen Kunstsprache doch nur die vom Autor bekannten plakativen Aussagen verstecken.</p>
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		<title>Keine Panik! Mit Douglas Adams per Anhalter durch die Galaxis</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 20:34:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Neil Gaiman, erschienen im Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-40803-6, 8,99€ Neulich bin ich beim Kauf eines Geschenkes im Buchladen über diese Biografie gestolpert. Da ich sowohl die Bücher von Douglas Adams als auch einige von Neil Gaimans Werken sehr mag, habe ich sofort zugegriffen, ohne mich wie sonst erst einmal darüber zu informieren. Dies war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Neil Gaiman,<br />
erschienen im Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-40803-6, 8,99€</em></p>
<p>Neulich bin ich beim Kauf eines Geschenkes im Buchladen über diese Biografie gestolpert. Da ich sowohl die Bücher von Douglas Adams als auch einige von Neil Gaimans Werken sehr mag, habe ich sofort zugegriffen, ohne mich wie sonst erst einmal darüber zu informieren. Dies war ein Fehler, wenn auch ein durchaus kurzweiliger.</p>
<p>Denn dem Buch fehlt es an einem durchgängigen Konzept, einer sinnvollen Struktur, die es zu mehr machen würden als einem Sammelsurium von Anekdoten über Adams und den <em>Anhalter</em>. Für eine Biografie fehlt es eigentlich komplett an privaten Details des englischen Autoren; es werden fast nur Erinnerungen von Weggefährten an der Arbeit des <em>Anhalters</em> zitiert; zeitweise auch Aussagen von Adams selber. Ich hatte jedoch ständig das Gefühl, dass Gaiman davor zurückschreckte, zu viele Details aus dem Privatleben seines Freundes publik zu machen. Ein vollständiges Erfassen der Person Douglas Adams nur auf Grundlage episodenhafter Ausschnitte fällt so natürlich schwer.</p>
<p>Um eine Biografie des <em>Anhalters</em> zu sein schwenkt Gaiman dagegen zu oft auf andere Werke von Douglas ab, wie den <em>Dr.Who</em>-Folgen aus seiner Feder und den <em>Dirk-Gently</em>-Romanen. Der <em>Anhalter</em> bestimmt jedoch weitgehend den Inhalt, von der Radio- über die Fernsehserie, die Buchvariationen und das Computerspiel bis hin zum Kinofilm und verschiedenen Bühnenfassungen, denen jeweils eigene Kapitel gewidmet sind. Dazu passen auch die im Anhang beigefügten Auszüge aus verschiedenen Drehbuchfassungen und Artikeln, auf die sich Gaiman öfters im Text bezieht und die es erlauben, einige am Material über die Zeit vorgenommene Änderungen nachzuvollziehen.</p>
<p>Leider bilden Gaimans eigene Texte nur einen recht geringen Anteil des Buches, hauptsächlich bedient er sich ausschweifender Zitate und begnügt sich trotz eigener Qualitäten damit, diese miteinander zu verbinden. Den dadurch entstehende Stilmix verstärkt die inzwischen 20jährige Entstehungsgeschichte des Buches noch. In diesem Zeitraum wurde es fortwährend erweitert und aktualisiert, und das tut dem Lesefluss nicht gut.</p>
<p>Dafür sind die Kapitel meist angenehm kurz und damit genau richtig für kurze Tramfahrten. Schlussendlich hatte das Buch einiges an neuen Informationen für mich zu bieten, die dank der Beteiligung vieler Berufskomiker angenehm kurzweilig zu lesen waren. Von einer Douglas-Adams-Biografie hätte ich mir dennoch mehr erwartet.</p>
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		<title>1Q84 Buch 3</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/12/04/1q84-buch-3/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 22:30:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Haruki Murakami, erschienen bei Dumont, ISBN 978-3-832-19588-5, 24,00€ Mein Jahr 2011 begann mit 1Q84 von Haruki Murakami, und nun endet es mit 1Q84 &#8211; dem dritten Buch. Wie schon in meiner Besprechung der ersten beiden Teile (in Deutschland in einem Band erschienen) erwähnt, war deren Handlung noch nicht abgeschlossen, und so war ich gespannt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Haruki Murakami,<br />
erschienen bei Dumont, ISBN 978-3-832-19588-5, 24,00€</em></p>
<p>Mein Jahr 2011 begann mit <em>1Q84</em> von Haruki Murakami, und nun endet es mit <em>1Q84</em> &#8211; dem dritten Buch. Wie schon <a href="/blog/2011/02/04/1q84/">in meiner Besprechung der ersten beiden Teile</a> (in Deutschland in einem Band erschienen) erwähnt, war deren Handlung noch nicht abgeschlossen, und so war ich gespannt, wie es mit Aomane und Tengo weitergeht und ob meine Interpretationen des Gelesenen korrekt waren.</p>
<p>Buch 3 beginnt dort, wo der zweite Teil aufhörte: Aomane, die den Anführer der mit den <em>Little People</em> redenden Sekte getötet hat, wartet in ihrer als Zuflucht dienenden Wohnung darauf, dass Tengo auf den Spielplatz zrückkehrt, wo er den zweiten Mond entdeckt hat. Doch Tengo hat am Bett seines Vaters gesehen, wie eine kleine Aomane in einer Puppe aus Luft gewoben wurde, und besucht den im Koma liegenden Vater deshalb täglich im Pflegeheim in der Hoffnung auf eine Wiederholung dieses Wunders. Währenddessen hat der von der Sekte beauftragte Privatdetektiv Ushikawa die Verbindung zwischen Tengo und Aomane aufgedeckt und damit nicht nur die beiden, sondern auch sich selbst in große Gefahr gebracht&#8230;</p>
<p>Folgten die ersten beiden Teile von <em>1Q84</em> noch der strengen Vorgabe sich einander abwechselnder Tengo- und Aomane-Kapitel, so erweitert Murakami dieses Muster im dritten Buch um einen dritten Hauptcharakter mit eigenen Abschnitten &#8211; Ushikawa. Dieser recherchiert im Auftrag der Sekte sicherlich das halbe Buch lang in mühsamer Kleinarbeit die Handlung der ersten beiden Bücher. Ob der bis dahin nur als Nebenfigur auftretende Ushikawa in seinem Status erhöht wurde, um Einsteigern eine Einführung in das bisherige Geschehen zu geben, weiß ich nicht. Der Effekt für Leser von Buch 1 &#038; 2 ist jedoch, dass diese sich langweilen, da sie die Handlung schon kennen und darauf warten, dass sie fortgeschrieben wird anstatt noch einmal neu aufgekocht zu werden.</p>
<p>Ich persönlich bin außerdem kein Fan der festen Kapiteleinteilung. Die Kapitel sind nur innerhalb ihres eigenen Erzählstranges zeitlich fortlaufend; dem gegenüber kann sich die Zeit ändern wenn die handelnde Person wechselt. Und das macht das Nachvollziehen der Handlung unnötig kompliziert. Bis zum Ende von Buch 2 war dies kein Problem sondern sogar eine Stärke von <em>1Q84</em>, da sich die Handlungsstränge nie kreuzten und so viel Raum für eigene Interpretationen blieb. In Buch 3 dagegen gibt es immer wieder Überschneidungen, vor allem auf dem Spielplatz, ohne das klar ist, welcher der wiederkehrenden Besuche von Tengo und Ushikawa durch Aomane beobachtet wird. Da diese Ungewissheit jedoch wenig Einfluss auf das Verständnis der Handlung hat, sondern sie mit ihrem wiederholenden Charakter nur unnötig aufbläht, bekamm ich beim Lesen das Gefühl, dass die zeitlichen Sprünge eine schlecht kaschierte Nebenwirkung der festen Kapiteleinteilung sind.</p>
<p>Sei es drum, später sorgt Ushikawa schließlich ungewollt dafür, dass die Verbindung zwischen Aomane und Tengo hergestellt wird und hat sich so seine Daseinsberechtigung innerhalb des Buches verdient &#8211; inklusive einem unrühmlichen Abgang. Generell werden viele Handlungsfäden in <em>1Q84 Buch 3</em> abgeschnitten, indem die damit verbundenen Figuren verschwinden: Tengos Vater stirbt, Fukaeri verschwindet, der Verleger wird entführt und die alte Dame zieht sich komplett in den Hintergrund zurück. So werden alle Seile gekappt, die Aomane und Tengo noch in der Welt von <em>1Q84</em> halten, und ihr Abschied daraus forciert. Denn Murakami gönnt seinen beiden Hauptcharakteren tatsächlich so etwas wie ein Happy-End, wenngleich ein großes Fragezeichen stehen bleibt und die Tür für weitere Fortsetzungen offen steht.</p>
<p><em>1Q84</em> bleibt auch in Band 3 ein Buch, das mit interessanten Plotelementen zu überraschen weiß. So wird Aomane schwanger, ohne Sex gehabt zu haben, und Tengo macht übersinnliche Erfahrungen mit einer Eule aus dem Wald. Alle Hauptcharaktere bekommen Besuch von einem NHK-Gebühreneintreiber (vermutlich der umherwandernde Geist von Tengos Vater), der lautstark an die Türen klopft und die Menschen aus ihren Verstecken treiben will. Alles in diesem Buch arbeitet also darauf hin, dass sich Aomane und Tengo endlich wiedersehen, und so sollte es nicht verwundern, dass dies am Ende tatsächlich passiert.</p>
<p>Viele Fragen bleiben darüber hinaus aber unbeantwortet. Warum gibt es überhaupt <em>Mothers</em> und <em>Daughters</em>, wofür veranstalten die <em>Little People</em> den ganzen Aufwand? Treten die Aomane, die Tengo bei seinem Vater in einer Puppe aus Luft gesehen hat, und die aus der Puppe nach Ushikawas Tod entstandene Person an die Stellen von Tengo und Aomane, die die Welt von 1Q84 verlassen haben? So wie Fukaeri vermutlich nur eine <em>Daughter</em> ist, die erzeugt wurde, um den Samen von Tengo zu transportieren? Aber was war das Ziel all dieser Mühen? Ein manipuliertes Kind in eine andere Welt zu schicken &#8211; eine Welt mit einem nach links schauenden Esso-Löwen?</p>
<p>Vermutlich ist trotz der offenen Fragen und verwaisten Plotenden die Geschichte um <em>1Q84</em>, die mit dem Betreten dieser Welt begann, mit dem Verlassen derselben abgeschlossen. Dabei wurde mir erst mit diesem dritten Band bewusst, dass sowohl Tengo als auch Aomane in geistiger Verbundenheit Namen für die Parallelwelt mit den zwei Monden vergeben haben, die gut ihre konsequente Charakterzeichnung zeigen: Aomane, eine rational denkende junge Frau, wählt ein Wort/Zahlenspiel (<em>1Q84</em>), um den subtilen Änderungen an der ihr bekannten Welt einen Namen zu geben, während der Schriftsteller Tengo eine Analogie in einem Buch gefunden hat (<em>Die Stadt der Katzen</em>).</p>
<p>Fazit: Einige aus meiner Sicht schlechte Entscheidungen in Sachen Buch- und Handlungsstruktur führen leider dazu, dass ich enttäuscht bin vom dritten <em>1Q84</em>-Band. Klar hat das Buch noch immer viele fantastische und überraschende Elemente zu bieten, die es aus der Masse der Literatur herausheben, aber von Murakami darf man mehr erwarten als ein Buch voller Wiederholungen.</p>
<p>P.S.: Seit wann wird eine Rutsche eigentlich als Rutschbahn bezeichnet? Ich habe das Gefühl, dass sich gerade viele Bahnen in die deutsche Sprache einschleichen. Vor meiner Arbeitsstelle wird vor Gehbahnschäden gewarnt &#8211; nicht Gehweg oder Gehsteig, sondern Gehbahn. Was zum Teufel ist daran eine Bahn???</p>
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		<title>Eine Stadt. Ein Buch.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 16:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gefunden]]></category>
		<category><![CDATA[gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; heißt eine seit 2002 in Wien veranstaltete Aktion, bei der 100000 Exemplare eines Buches gratis in der Stadt verteilt werden, um die Menschen zum Lesen anzuregen. Autoren wie John Irving oder Nick Hornby haben sich bereits an dieser Aktion beteiligt, zum Jubiläum ist es nun Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der sein Buch Der Geschichtenerzähler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; heißt eine seit 2002 in Wien veranstaltete Aktion, bei der 100000 Exemplare eines Buches gratis in der Stadt verteilt werden, um die Menschen zum Lesen anzuregen. Autoren wie John Irving oder Nick Hornby haben sich bereits an dieser Aktion beteiligt, zum Jubiläum ist es nun Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der sein Buch <em>Der Geschichtenerzähler</em> zur Verfügung stellt. Und dies erstmals auch in Berlin. <a href="http://einestadteinbuch.at/berlin">Eine eigene 100000er Auflage wird ab morgen an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt</a>. Mich muss man zwar nicht zum Lesen anregen, aber zu einem geschenkten Einstieg in die Werke des Autoren sage ich nicht nein und werde deshalb versuchen, ein Exemplar zu ergattern und meinen Horizont damit zu erweitern.</p>
<p><strong>Update:</strong> Ich war erfolgreich:</p>
<p><img src="/blog/wp-content/uploads/2011/10/vargas.jpg" alt="Eine Stadt. Ein Buch." title="Eine Stadt. Ein Buch." width="500" height="183" /></p>
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		<title>Geheime Botschaften</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 20:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet von Simon Singh, erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-33071-8, 12,90€ Die Kryptografie als Kunst der Ver- und Entschlüsselung hat eine lange Tradition. Schon in der Bibel wurden einzelne Wörter durch eine einfache Geheimschrift codiert. Doch erst mit dem Ende des Mittelalters [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet</strong></p>
<p><em>von Simon Singh,<br />
erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-33071-8, 12,90€</em></p>
<p>Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kryptographie">Kryptografie</a> als Kunst der Ver- und Entschlüsselung hat eine lange Tradition. Schon in der Bibel wurden einzelne Wörter durch eine einfache Geheimschrift codiert. Doch erst mit dem Ende des Mittelalters und der zunehmenden Bedeutung von Spionage und Geheimdiensten erlebte die Kryptografie ihren großen Aufschwung. In den Weltkriegen hatte sie schließlich ihre Bedeutung so weit gesteigert, dass sie Einfluss auf deren Ausgang hatte und mit dem zunehmenden Grad der Automatisierung ist sie inzwischen ein wichtiger Teil unser aller Leben geworden.</p>
<p>Diese Geschichte bringt Simon Singh dem Leser in einer angenehm zu lesenden Mischung aus praktischen Beispielen und historischen Anekdoten näher. Er beschreibt die Entwicklung der Kryptografie dabei als fortlaufenden Wettstreit zwischen Chiffrierern und Codeknackern und nennt für jeden Evolutionsschritt auf beiden Seiten die verantwortlichen Personen. Darunter sind so illustre Persönlichkeiten wie <a href="http://www.phil.uni-passau.de/histhw/TutKrypto/tutorien/chiffre-stuart.htm">Maria Stuart</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Bombe">Alan Turing</a>, aber auch viele Köpfe, die einen weniger großen Bekanntheitsgrad haben. Und dies hat seinen Grund, wie Simon Singh gleich im Vorwort erläutert: Nur selten durften die Menschen hinter den Fortschritten in der Kryptografie darüber frei reden. Zu wichtig waren ihre Forschungsergebnisse, als dass sie dem jeweiligen Feind in die Hände fallen durften, so dass viele Kryptologen Zeit ihres Lebens nicht die Anerkennung erhielten, die ihnen eigentlich zustand.</p>
<p>Zumindest für die heute bekannten Verfahren holt Simon Singh dies mit seinem Buch nun nach, erläutert jede neue Erkenntnis mit der notwendigen Tiefe und schiebt ablenkende Details in den Anhang. Gerade wenn es um die Errungenschaften der modernen Verschlüsselung im Internet geht, findet er gute Bilder, um die komplexe Materie dem Leser näher zu bringen. An dieser Stelle muss ich auch die Übersetzung loben, die trotz der Schwierigkeit, dass das Knacken von Verschlüsselungen viel mit dem Wissen über die verwendete Sprache zusammenhängt, die Beispiele da, wo es notwendig ist, in der Originalform belässt und ansonsten sehr gute Übertragungen ins Deutsche gefunden hat.</p>
<p>So sind die unterhaltsamen 420 Seiten schneller vorbei gewesen, als mir lieb war. Ich hätte mir an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr Details gewünscht, wie zum Beispiel dass im zweiten Weltkrieg auch Desinformation ein probates Mittel im Informationskrieg war. Gerade bei der Erwähnung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_Fleming">Ian Fleming</a> hätte dieser Aspekt ein wenig mehr Beachtung verdient &#8211; schließlich ist das Streuen falscher Informationen ein Weg der Verschlüsselung der korrekten Nachricht. Doch im Endeffekt ist die Geschichte der Kryptografie &#8211; so weit heute bekannt &#8211; eine sehr kurze und gleichzeitig überraschende, die dank Simon Singhs großartiger Recherche nun allen interessierten Lesern offensteht. Ich kann dieses Buch deshalb nur empfehlen!</p>
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		<title>Shadowmarch – Das Herz</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/10/03/shadowmarch-%e2%80%93-das-herz/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 20:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>

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		<description><![CDATA[von Tad Williams, erschienen bei Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-93720-6, 26,95€ Nun ist es endlich geschafft: Mit Das Herz ist der letzte Teil von Tad Williams Shadowmarch-Saga in Deutschland erschienen, und natürlich habe ich mich sofort darauf gestürzt, um das lange erwartete Finale und die letzten noch im Dunkeln verbliebenen Geheimnisse um die Südmarksburg zu ergründen. Nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Tad Williams,<br />
erschienen bei Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-93720-6, 26,95€</em></p>
<p>Nun ist es endlich geschafft: Mit <em>Das Herz</em> ist der letzte Teil von Tad Williams <em>Shadowmarch</em>-Saga in Deutschland erschienen, und natürlich habe ich mich sofort darauf gestürzt, um das lange erwartete Finale und die letzten noch im Dunkeln verbliebenen Geheimnisse um die Südmarksburg zu ergründen.</p>
<p>Nach einer kurzen Zusammenfassung der vorherigen Bücher nimmt sich <em>Das Herz</em> etwas Zeit, um den großen Schlagabtausch vorzubereiten. Die Fundlinge müssen sich nach dem unter Führung von Hauptmann Vansen ausgehandelten Waffenstillstand mit den Qars auf die nächsten Eindringlinge vorbereiten, denn der Autarch hält sich nicht lange mit der Belagerung der Oberburg auf sondern will direkt in die unterirdische Höhle vordringen, wo der sterbende Halbgott Krummling kurz davor ist, das Tor zu den schlafenden Göttern wieder frei zu geben. Die direkt von Krummling abstammenden Qar wissen dagegen anfangs nicht, ob sie sich diesem Kampf anschließen sollen, bis plötzlich Barrick Eddon, der die Feuerblume des Qar-Königs übernommen hat, zusammen mit der Qar-Königin auf den Wegen der Götter eintrifft. Seine Schwester stürmt inzwischen mit einer Armee Syanesen und deren Kronprinzen heran, während ihr Vater und Quinnitan als Gefangene im Schlepptau des Autarchen wie fast alle Charaktere einer ungewissen Zukunft entgegen sehen&#8230;</p>
<p>Die Hauptaufgabe von <em>Das Herz</em> ist, das war vorher klar, die unglaublich vielen parallelen Handlungsstränge endlich zusammen zu führen, nachdem ein Großteil der Verständnisfragen bereits im dritten Teil geklärt wurden. Wie viele Figuren Tad Williams bis dahin erschaffen hat, merkt der Leser erst, als ein erstaunlich großer Teil davon im Finale ein böses Ende nimmt. Alle anderen, denen der Leser im Laufe der Bücher in den Kopf schauen durfte, bekommen zumindest einen Abschiedsauftritt, womit am Ende tatsächlich alle Fäden entwirrt scheinen, die Tad Williams so kunstvoll verknotet hat.</p>
<p>Es scheint mir jedoch, dass dieses letzte Buch einen eigenen, vorher nicht eingeplanten, Spannungsbogen spendiert bekam. Einige der anfänglichen Wendungen und Konflikte wirken aufgesetzt und unnötig &#8211; allein wie viele Parteien zeitweise durch die Höhlen unterhalb der Südmarksburg ziehen und sich (nicht) begegnen übersteigt jedwede Vorstellung. So wird die zwischenzeitliche Stärke der geografisch verteilten Handlung zum großen Nachteil des Buches, da gefühlt alle Charaktere auf dem selben Fleck Erde herumwandeln und sich &#8211; vollkommen unerklärlich &#8211; nicht treffen und die Kräfte bündeln. Als Folge springt die Handlung auf fast jeder Seite und verwirrt mit ihrer nicht immer gegebenen Chronologie. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen; bei <a href="/blog/2008/11/23/harry-potter-and-the-deathly-hallows/">Harry Potter</a> haben die Bücher nie unter dem hohen Detailgrad und der Figurendichte gelitten wie bei <em>Das Herz</em>.</p>
<p>Ganz krass ist dabei die Auflösung der Nebenhandlung um den reichen Obdachlosen, der durch die Schattenmark des dritten Bandes stolperte. Nachdem er im letzten Teil eingeführt wurde und Tad Williams mit einem weiteren Handlungsstrang den Verdacht auf Shaso (in die Irre) lenkt, darf er am Ende ganz kurz in einen Kampf eingreifen und eine latente Liebesgeschichte beenden und hat seine Bestimmung damit erfüllt. Für meinen Geschmack ist dabei eindeutig zu viel Zufall im Spiel und die lange Vorgeschichte erscheint aufgrund des Kurzauftritts als verschwendet. So viel Mühe für so wenig Wirkung &#8211; fast würde ich Tad Williams einen ironischen Humor unterstellen. Doch da der Rest des Buches humorfrei erzählt wird, ist dies wohl eher eine Schwäche in der Planung der Handlung, die ihm am Ende über den Kopf gewachsen zu sein scheint.</p>
<p>Schade auch, dass aufgrund des kriegerischen Szenarios des Bandes immer wieder Ehre und Mut unangenehm in den Vordergrund rücken. In dieser Klischeehaftigkeit sind sich fast alle Charaktere gleich, was die eigentlichen Konflikte und Antriebe in den Hintergrund drängt, die bis dahin so spannend und kunstvoll entwickelt wurden. Keine Figur darf aus dem Korsett der Heldenhaftigkeit ausbrechen und so werden einige Charakterentwicklungen ad absurdum geführt. Als Seiteneffekt dieser Eindimensionalität geraten die wiederholten Schlachten in den Höhlen unterhalb der Südmarksburg trotz ihrer exotischen Kulisse schnell zu einer langweiligen weil abwechslungsarmen Angelegenheit. So etwas bin ich von Tad Williams nicht gewohnt, hier hätte ich mir ein wenig mehr von der Fantasie gewünscht, mit der er seine Welt ansonsten ausgestattet hat. Aber wenigstens das für die meisten Figuren schmerzhafte Ende hebt sich aufgrund des weitgehend fehlenden Happy Ends aus der Masse heraus.</p>
<p>Punkten kann <em>Das Herz</em> zudem mit einer Tugend, die schon die ersten drei Bände lesenswert machte: Jede Figur in der Geschichte ist mit ihrer ganz eigenen Denkweise und Sprache ausstattet, die sich gut voneinander abheben. Gerade die in der Schattenmark ortsfremden Charaktere und Völker &#8211; ganz deutlich an Quinnitan zu bermerken &#8211; benutzen ihre eigenen Vokabeln und Ausdrücke, um die Welt und ihre Wahrnehmung davon zu beschreiben. Diese Perspektivwechsel bieten immer wieder interessante Blickwinkel auf die ablaufende Handlung und ermöglichen erst das Verständnis der Handlungen.</p>
<p>Spannende Ansätze sind weiterhin die Beschreibung der Schlafwelt zwischen dem Diesseits und dem Tod, in der auch die Götter verbannt wurden, und die fantasievolle Idee der Feuerblume, für deren Verständnis erst dieser letzte Band die Vorraussetzungen schafft. Als Folge dessen werden weitere Entwürfe wie die mehrfache Bedeutung der Südmarksburg als titelgebendes Herz deutlich &#8211; bis hin zum Grundriss der Festung aus dem Einband, dessen Form dem Organ ähnelt.</p>
<p>Fazit: Fast zerstört Tad Williams mit dem letzten Teil der <em>Shadowmarch</em>-Serie, was er vorher so wundervoll aufgebaut hat. Dieses Buch ist in seiner Figurenzeichnung und Kriegsheldenhuldigung nicht besser als der übliche Fantasy-Einheitsbrei. Allein die detaillierte Welt der Schattenmark hat in ihrem umfassenden Entwurf nichts von ihrer Qualität verloren, so dass ich das Buch als Abschluss der Saga akzeptieren kann, wenngleich es als alleinstehendes Werk eine Enttäuschung ist.</p>
<p><em>Vorhergehende Bücher:</em></p>
<ol>
<li><a href="/blog/2005/09/18/shadowmarch-die-grenze/">Die Grenze</a></li>
<li><a href="/blog/2007/10/09/shadowmarch-das-spiel/">Das Spiel</a></li>
<li><a href="/blog/2010/10/04/shadowmarch-die-dammerung/">Die Dämmerung</a></li>
</ol>
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		<title>Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/07/12/hard-boiled-wonderland-und-das-ende-der-welt/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Jul 2011 20:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Haruki Murakami, erschienen im btb Verlag, ISBN 978-3-442-73627-0, 10€ Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt sind die Überschriften über den zwei Handlungen des Buches, die in sich abwechselnden Kapiteln vorangetrieben werden und anfangs scheinbar nichts miteinander zu tun haben &#8211; sogar die Schriftarten unterscheiden sich. Ersterer Part spielt in einem gegenwärtigen Tokio und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Haruki Murakami,<br />
erschienen im btb Verlag, ISBN 978-3-442-73627-0, 10€</em></p>
<p><em>Hard-boiled Wonderland</em> und <em>das Ende der Welt</em> sind die Überschriften über den zwei Handlungen des Buches, die in sich abwechselnden Kapiteln vorangetrieben werden und anfangs scheinbar nichts miteinander zu tun haben &#8211; sogar die Schriftarten unterscheiden sich. Ersterer Part spielt in einem gegenwärtigen Tokio und wird aus der Perspektive eines sogenannten Kalkulators erzählt. Dessen Job ist es, im Auftrag der Regierungsorganisation &#8220;System&#8221; wichtige Daten zu kodieren, um sie sicher transportieren zu können (das Buch wurde in einer Pre-Internet-Zeit geschrieben). Eines Tages muss er für einen Professor dessen Forschungsergebnisse verarbeiten und findet sich plötzlich in einem Datenkrieg zwischen dem &#8220;System&#8221; und ihrem privaten Gegenpart &#8220;Fabrik&#8221; wieder, die sich wiederum mit den unterirdischen Schwärzlingen verbündet haben.</p>
<p>Beim <em>Ende der Welt</em> handelt es sich dagegen um eine kleine Fantasiewelt, die vollkommen von einer unüberwindbaren Mauer umgeben ist. Der ebenfalls in der Ich-Form berichtende Erzähler musste bei seiner Ankunft seinen Schatten abgeben, und besitzt nun wie alle Bewohner innerhalb der Mauer keine Erinnerungen und keine Seele mehr. Seine Aufgabe in der Gemeinschaft besteht darin, in einer Bibliothek Gedanken aus den Köpfen toter Einhörner zu lesen, die <em>das Ende der Welt</em> bevölkern. Bei seinem Job verliebt er sich in die Bibliothekarin und fängt plötzlich an, die seltsame Welt zu hinterfragen, aus der es angeblich keine Flucht gibt, weil sie eben <em>das Ende der Welt</em> ist&#8230;</p>
<p>Manchmal gibt es schon seltsame Zufälle. So habe ich, während ich dieses Buch las, auch den Film <em>Anderland</em> gesehen, der eine ganz ähnliche Gesellschaft wie <em>das Ende der Welt</em> entwirft: Eine Gesellschaft ohne Trieb, ohne Emotionen, ohne Seele, ohne Licht und ohne Schatten &#8211; unendlich, unsterblich; die Welt geht nicht unter sondern ihr Ende währt immerfort. Für den Helden in <em>Anderland</em> ist so ein endloses, immergleiches Leben nicht lebenswert, und er rebelliert dagegen und will es verlassen. Der Erzähler im Buch dagegen ist sich unschlüssig. Er erkennt, dass ihm vieles in dieser Welt fehlt, doch er erkennt auch Vorteile für sich.</p>
<p>Denn wie der Leser im <em>Hard-boiled Wonderland</em> erfährt, hat er diese Welt immer schon in seinem Kopf mit sich herum getragen, für sich selbst geschaffen und seine Mauer und deren Grenzen selber erdacht. Nur eingesperrt hat er sich dort nicht, dafür ist die nicht minder fantastische, nur scheinbar reale Wirklichkeit verantwortlich. Dort fährt Murakami schwere Geschütze auf und schickt den Helden zusammen mit einem leicht fülligen, in rosa gekleideten Mädchen auf eine wilde Jagd durch Wasserfälle ohne Ton, Flure und Fahrstühle, die sich der physikalischen Ordnung entziehen, unterirdische Gänge mitten in Tokio, in denen gefährliche Wesen im Dunklen lauern, ein Professor in einem geheimen Labor Experimente mit dem Unterbewusstsein betreibt und plötzlich ein Einhornschädel auftaucht.</p>
<p>Dies ist zuviel für den Erzähler. Wie <em>Homo Faber</em> glaubt er an die Wissenschaft, an sein rationales Bild von der Welt, die viel zu aufregende und von einer Menge bekannter und unbekannter Gefahren bevölkerte Wirklichkeit ist nichts für ihn. Da sind dem Helden Fabelwesen lieber, auch wenn sie Seelen aufnehmen und im Winter verbrannt werden &#8211; solange alles seine Ordnung hat und den immergleichen Gang nimmt. Deshalb ist das Ende des Buches, in welchem er in seinem eigenen Kopf eingesperrt wird, für ihn ein Happy-End, während es auf mich trotz aller Nachvollziehbarkeit leicht deprimierend wirkte. Wenigstens erklärt sich so, warum <em>Hard-boiled Wonderland</em> in der Vergangenheitsform verfasst ist, während <em>das Ende der Welt</em> im Präsens erzählt wird.</p>
<p>Aber das Ende ist ebenso typisch Murakami wie viele andere Aspekte im Buch. So wird mehrmals ausführlich beschrieben, wie der Erzähler ausgiebige Mahlzeiten zubereitet und wie er Filme und Musik ebenso wie russische Litertaur zitiert. Im Gegensatz zu <a href="/blog/2011/02/04/1q84/">1Q84</a> ist <em>Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt</em> aber auch ein sehr humorvolles Buch, was vor allem an der Perspektive der Hauptfigur liegt, die sehr ruhig auf all das auf sie einstürzende Chaos reagiert und immer wieder trocken kommentiert, warum sich jegliche Auflehnung nicht lohnt. Diese typisch japanische, auf Europäer manchmal seltsam wirkende Passivität ist jedoch ein wichtiges Puzzleteil für das Verständnis des Buches, und macht gepaart mit dem Humor und der fantasiereich konstruierten Doppelwelt den Hauptreiz an ihm aus.</p>
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		<title>Schrödinger&#8217;s Cat Trilogy</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/06/26/schrodingers-cat-trilogy/</link>
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		<pubDate>Sat, 25 Jun 2011 23:20:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[The universe next door &#8211; The Trick Top Hat &#8211; The Homing Pigeons von Robert Anton Wilson, herausgegeben von Dell Publishing, ISBN 978-0-440-50070-4, 20$ Gleich zu Beginn muss ich zugeben, dass ich eine wichtige Ebene des Buches nicht verstanden habe. Schrödingers Katze behandelt in seinen drei Teilen jeweils ein Problem der Quantenmechanik, und bis auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>The universe next door &#8211; The Trick Top Hat &#8211; The Homing Pigeons</strong></p>
<p><em>von Robert Anton Wilson,<br />
herausgegeben von Dell Publishing, ISBN 978-0-440-50070-4, 20$</em></p>
<p>Gleich zu Beginn muss ich zugeben, dass ich eine wichtige Ebene des Buches nicht verstanden habe. <em>Schrödingers Katze</em> behandelt in seinen drei Teilen jeweils ein Problem der Quantenmechanik, und bis auf das erste davon, die Theorie der Paralleluniversen in <em>The universe next door</em>, habe ich keines richtig deuten können und das Buch hauptsächlich als Satire wahrgenommen. Dies ist es auch vordergründig, wie es ausgehend von einer drogenreichen Party das Land Unistat entwirft, das von Geheimdiensten und Geheimbünden mit den wildesten Verschwörungstheorien geprägt wird. Doch da soll eben auch mehr sein&#8230;</p>
<p>In sehr kurzen, dialoglastigen Kapiteln führt Robert Anton Wilson eine große Anzahl von überdrehten Charakteren ein, die sich auf der schon genannten Party treffen. Angefangen mit der Gastgeberin der Party, Epicene Wildeblood, einer stadtbekannten Transsexuellen (deren präparierter Penis ständig den Besitzer wechselt), über Dr. Dashwood, einem Orgasmusforscher, dem Zwerg Markoff Chaney, bis hin zu dem Zauberer Cagliostro der Große reicht die Palette der Figuren.</p>
<p>Zu viel sollte man sich an diese Antihelden jedoch nicht gewöhnen, denn jedes der drei Bücher ist in zwei Hälften unterteilt, die jeweils den Titel <em>Book One</em> tragen. Damit wird darauf hingewiesen, dass es einen Sprung in ein Paralleluniversum gab und fortan die Handlung von vorne beginnt. Während sich einige Ereignisse in gewissem Rahmen wiederholen, haben die Charaktere zum Teil ihre Geschlechter gewechselt, füllen komplett andere Rollen aus und Unistat hat wieder einen anderen Präsidenten. Die Spannbreite reicht dabei von einem religiösen Rechten über eine liberale Ökonomin, die durch die Förderung der Forschung die gesamte Gesellschaft in eine Utopie verwandelt. Ebenso wechseln die gerade angesagten Geheimbünde, ihre Mitglieder und Gegenspieler und die von ihnen verfolgten Theorien und eingenommenen Drogen. Verwirrend ist dabei, dass die Handlung teilweise einfach weitergeht und Kontinuität suggeriert, obwohl sich plötzlich die Rahmenbedingungen und Personen komplett verändert haben.</p>
<p>Jedes dieser so beschriebenen Universen (sprich Buchteile) nimmt sich bestimmter Probleme unserer Gesellschaft an, um dieser auf bitterböse Art und ins Extreme überspitzt den Spiegel vorzuhalten. Im letzten Teil zum Beispiel geht es praktisch nur noch um Sex, doch alle die verschiedenen Arten des Geschlechtsverkehrs beschreibenden Begriffe wurden durch Synonyme ersetzt, die meist Eigennamen von Obersten Richtern oder anderen Vertretern zurückgebliebener Ansichten sind. Zum Schluss behandelt sich das Buch sogar auf der Metaebene selber und trifft Aussagen über sich und seinen Autoren.</p>
<p>In all seiner oberflächigen Verwirrtheit ist <em>Schrödingers Katze</em> die meiste Zeit über einfach nur komisch. Als ich mich damit abgefunden hatte, der wild zwischen unterschiedlichsten Perspektiven umherspringenden Handlung nicht immer folgen zu können, hatte ich viel mehr Spaß an dem Buch. Und vielleicht gibt es ja irgendwo ein Universum, in welchem ich die Analogien der Quantenphysik darin gefunden und verstanden habe.</p>
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		<title>Die Abschaffung der Arten</title>
		<link>http://www.kingoli.net/blog/2011/05/08/die-abschaffung-der-arten/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 May 2011 21:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>KingOli</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dietmar Dath, erschienen bei Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 978-3-518-46145-7, 12,00€ 500 Jahre nach unserer Zeit haben die Tiere die Welt zurückerobert. Die sich selbst Gente nennenden Lebewesen haben die Herrschaft der Menschen beendet und bevölkern nun in drei großen Städten das Gebiet, welches früher einmal Europa hieß. Mittels eines Kommunikationsmediums, dem Pherinfonsystem, können alle Gente [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Dietmar Dath,<br />
erschienen bei Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 978-3-518-46145-7, 12,00€</em></p>
<p>500 Jahre nach unserer Zeit haben die Tiere die Welt zurückerobert. Die sich selbst Gente nennenden Lebewesen haben die Herrschaft der Menschen beendet und bevölkern nun in drei großen Städten das Gebiet, welches früher einmal Europa hieß. Mittels eines Kommunikationsmediums, dem Pherinfonsystem, können alle Gente ohne zeitlichen Verzug miteinander in Verbindung bleiben und Informationen austauschen; über genetische Verbesserungen kann jedes Mitglied der Gesellschaft sein Aussehen und seine Fähigkeiten an die eigenen Vorlieben anpassen. Über allen aber thront der Löwe Cyrus Golden, der schon beim Sieg der Gente über die Menschen dabei war und seitdem die Geschicke der Tiere lenkt.</p>
<p>Doch auch die Zivilisation der Gente ist nicht perfekt. Es hat sich eine Religion mit unklarem Ziel etabliert, es gibt so etwas wie Rassenideologien und die letzten Nachkommen der Menschen werden wie Tiere in illegalen Clubs zur Schau gestellt. Und in Südamerika hat sich aus zwei riesigen Computern das Keramikmaschinen-Kollektiv Katahomenleandraleal gebildet, das mit multidimensionalen Kreuzungen aus Menschen und Maschine beginnt, die Gente zu vertreiben. Diesen bleibt nur die Flucht ins All, wo sie auf Mars und Venus mit Hilfe von Gendatenbanken neue Zivilisationen ansiedeln mit dem Ziel, irgendwann auf die Erde zurückzukehren&#8230;</p>
<p>Was sich auf den ersten Blick wie ein Zukunftsroman, wie Science Fiction im Stile Frank Herberts anhört, fühlt sich weite Teile des Buchs ganz und gar nicht so an. <a href="http://www.cyrusgolden.de">Dietmar Dath</a> vermischt eine weit ausholende Gesellschaftsvision und Gedanken zur Evolution mit technischen Utopien, die sich ebenso in seiner Sprache voller Wortschöpfungen wiederfinden. Meist ist nicht sofort klar, wofür genau die erfundenen Wortkonstruktionen stehen, doch im Laufe der Handlung erschließt sich über den Kontext vieles, wenn auch nicht alles. Dazu kommt eine Vielzahl teilweise extrem langer Namenskonstruktionen, häufige Wechsel im Erzählstil und zeitliche und örtliche Sprünge innerhalb der Handlung, die einem leichten Lesefluss im Wege stehen. Doch dafür erhält der Leser ein Gedankenexperiment, das in so viele Richtungen seine Fühler ausstreckt, dass sie kaum alle aufzählbar sind.</p>
<p>Für einen linken Autoren wie Dietmar Dath besonders wichtig scheint die Frage nach der Gleichheit in der Gesellschaft. Was für einen Grundbau benötigt eine Gesellschaft, die zu Gleichheit befähigt? Wie gleich können die Mitglieder eines Kollektivs überhaupt sein und wie kann so ein Zustand maximaler Gleichheit erreicht werden? Indem alle Unterschiede aufgehoben werden &#8211; von Geschlecht, über Eigenschaften bis zum Aussehen &#8211; oder indem Zugang zu allem, was unterschiedlich macht, gewährt wird und damit alle die gleichen Möglichkeiten haben? Beiden Seiten gibt Dath im ersten Teil der <em>Abschaffung der Arten</em> mit den Gente und den Keramikanern ein Gesicht, und am Ende der ersten Buchhälfte stellt er sogar einen vorläufigen Sieger im Kampf der Systeme vor.</p>
<p>Doch einfache Lösungen sind in diesem Buch gewiss nicht zu finden. Am Ende haben alle Systeme mehrere Evolutionsschritte hinter sich gebracht und das Erreichte ist schwer zu interpretieren. Kategorien wie Erfolg und Scheitern zählen nicht mehr, sondern die Fragen, die derart fiktionale und vor allem abstrakt artifizielle Gesellschaftsentwürfe aufwerfen. In wie weit ist Leben, die Natur bzw die gesamte Evolution planbar? Hat die natürliche, durch Mutation voranschreitende Entwicklung, wie Darwin sie beschrieb, eigentlich ein Ziel, so dass überhaupt entschieden werden kann, ob Eingriffe durch den Menschen davon abweichen oder innerhalb der erhofften Auswirkungen selber zielführend sind? Oder ist die Idee, alles steuern zu können, vielleicht selber nur eine Illusion?</p>
<p>Die Moral solcher Entscheidungen wie der Genmanipulation wird dagegen vom Buch gar nicht berührt. Wie viele der technischen Hilfsmittel werden sie als gegeben angenommen, um als Grundpfeiler der Zivilisation der Gente eine Basis zu geben, ihr einen gewissen Abstand zu ermöglichen und damit die Diskussion auf einer anderen Ebene zu führen als nur über den Vergleich zur menschlichen Gesellschaft. Trotzdem wirkt die Menschheit in <em>die Abschaffung der Arten</em> an vielen Stellen auf ihre Nachfolger als Beherrscher der Erde nach. Dies betrifft sowohl Aspekte wie Religion und Kunst als auch, dass viele der Gente-Charaktere Tierfabeln entnommen sind. Es gibt den Löwen und den Fuchs, Dachse und einen Esel. Wenn sich die Figuren nun selber für ihre äußere Gestalten entschieden haben, liegt dies dann an einem tief im kulturellen Gedächtnis enthaltenen allgemeinen Wissen, quasi im Erbgut codierten Rollenbilder, die selbst die Genmanipulationen nicht vernichten können? Sind im Erbgut sogar die Ursachen für unsere Anfälligkeit für Religionen versteckt, wie Dath mit seinem Wetzelchen unterstellt?</p>
<p>Sind die vielfachen Wahloptionen der Gente also eher eine Illusion und die Grenzen trotz der vielfältigen Möglichkeiten fest abgesteckt? Wird vielleicht immer nur etwas anderes nachgeahmt? Dann muss es jemanden geben, der voranschreitet, der den Weg vorgibt, damit er kopiert werden kann &#8211; im Buch sieht sich Cyrus Golden in dieser Rolle. Doch wenn nur einer oder wenige diese Rolle einnehmen, hat die Allgemeinheit dann überhaupt die Freiheit? Oder kaut sie nur das nach, die Einzelne vorgegeben haben?</p>
<p>Beantworten muss diese Fragen jeder Leser für sich selber, die Möglichkeiten zur Interpretation sind vielfältig und ein Verständnis der Handlung nicht einfach. Im zweiten Teil des Buches verläuft sie chaotisch wie die Evolution selber, mit vielen Abzweigungen und Sackgassen, um mit der Beschreibung eines Paradieszustandes zu enden; mit einem Pärchen wie Adam und Eva, nur dass sie nicht die Quelle allen Lebens auf der Erde sind, wie es sich die Christen vorstellen, sondern das Ergebnis desselben, die Sammlung der besten Gene, das Ziel der Planungen von Cyrus Golden.</p>
<p>Ich vermute, dass ich vieles in diesem Buch nicht verstanden habe. So überfrachtet es mit Symbolen, Ideen, Handlungen und sogar Stilen ist, benötigt es schon ein universell-breites Wissen, um sie entschlüsseln &#8211; und dieses fehlt mir an vielen Stellen. Und doch hat die <em>Abschaffung der Arten</em> im Spiel mit den von mir identifizierten Fragen und den in dieser Form selten gesehenen Gesellschaftsentwürfen einen sehr anregenden Lesegenuss beschert, der mich acht Monate danach noch immer beschäftigt &#8211; so lange habe ich an dieser Kritik geschrieben.</p>
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