Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Über Fremde Gezeiten kann man interessanterweise viel reden, ohne den Film direkt zu besprechen. So basiert er auf einem Roman von Tim Powers aus dem Jahr 1987, der die wichtigsten Handlungselemente vorgibt: Die Quelle der Jugend als Ziel, Blackbeard als Gegenspieler und die allgegenwärtige Voodoo-Magie. Damit passt er natürlich wie die Faust aufs Auge zu der Fluch-der-Karibik-Serie, für dessen vierten Teil Disney die Filmrechte von Powers erwarb. Da dieser Roman auch Einfluss auf die Monkey-Island-Serie hatte, wird der Kreis der gegenseitigen Beeinflussung langsam unübersichtlich.

Desweiteren wurde der Film komplett digital in 3D mit neuen Kameras der Firma RED gedreht, was zu einigen guten wie schlechten Bildern geführt hat (in der 2D-Fassung, die 3D-Version kann ich nicht beurteilen). So fehlt es manchen dunklen Szenen an Details und Tiefenwirkung, so dass sie flau wirken – dafür überzeugen die Naturaufnahmen mit wunderbar kräftigen Farben. Die digitalen Kameras sind also noch nicht ganz in den Regionen des klassischen 35mm-Films angekommen, aber wenn 3D verkauft werden soll, dann wird schnell auf den billigeren Digitalworkflow zurückgegriffen und eine inkonsequente Farbgestaltung in Kauf genommen.

Wobei ich schon beim Gesamteindruck des Films bin. Denn neben dem 3D-Aufschlag ist auch der Überlängenaufschlag mit unnötigen 136min einkalkuliert und zeugt davon, dass hier alles für den Erfolg an den Kinokassen getan wurde. Also sollte niemand Überraschungen erwarten; das Erfolgsrezept der Vorgängerfilme wird gnadenlos kopiert (die drei langweiligen Fechtszenen wirken allesamt so, als wären sie aus dem ersten Teil kopiert) und für Disney familientauglich glattgebügelt. Wenn Menschen sterben, dann passiert dies meist unblutig außerhalb des Bildes, und trotz gefühlt hundert unbekleideter Meerjungfrauen im gesamten Film ist nie auch nur eine Brust zu sehen.

Dazwischen stolpert Johnny Depp in seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow durch die Handlung und muss diese fast alleine tragen – zu viel für die inzwischen ausgereizte Figur, und zu wenig für den Film. Die als Ersatz für das Duo Knightley/Bloom gedachten Penélope Cruz als Tochter von Blackbeard und Missionar Philip schaffen es nicht, die Lücken auffüllen. Gerade Letzterer, ein eindimensionaler Charakter ohne jeglichen Hintergrund und ohne Ecken und Kanten, wirkt mit der unmotivierten Einführung (wofür braucht Blackbeard ihn?) wie ein Fremdkörper und seine christliche Gutmenschenart hat mich ein ums andere Mal dazu bewegt, über das Abschalten nachzudenken.

Und trotz alledem – das Ergebnis dieser nur zu einem Zweck zusammengerührten Blockbusterzutaten ist weitgehend unterhaltsam und erfüllt somit zumindest die Erwartungen. Einen weiteren Teil der Serie sollte uns Disney aber besser ersparen – wenngleich das gute Einspielergebnis dank der o.g. Aufschläge trotz zurückgehender Zuschauerzahlen für eine Fortführung des Franchise spricht.

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