Innovativen Techniken zur Verlängerung der Wartezeiten an Getränkeausgaben

In einer idealen Welt würde ich mit meinem Wunsch, ein Bier an einem Ausschank zu erwerben, mich an einer Schlange anstellen, bedient werden und danach einen Zustand erreichen, in welchem ich glücklich bin, weil ich mein Bier habe, und der Verkäufer glücklich ist, weil er mir ein Bier verkauft hat und nun weitere verkaufen kann. Dies ist eines der Grundprinzipien der Marktwirtschaft. Leider lebe ich jedoch nicht in einer idealen Welt, und so habe ich in letzter Zeit oft viel zu lange an (kurzen) Schlangen angestanden, um den beschriebenen Zustand zu erreichen, während die Verkäufer viel weniger Umsatz gemacht haben, als sie eigentlich könnten, da nicht schnell genug bedient wurde. Und wenn ich viel Zeit benötige, um mein Ziel (das Bier!) zu erreichen, dann bin ich zum Einen nicht glücklich und mache mir zum Anderen Gedanken, warum dies so ist. Dieser Artikel ist das Ergebnis dieser Warteschlangenanalysen, die erläutern warum sowohl der Bierverkauf auf dem Deck 5 als auch bei der Beachvolleyball-EM so unbefriedigend für beide Seiten verlaufen ist.

Fehlende Spezialisierung

Als Biertrinker bin ich in den meisten Fällen schnell zu bedienen. Entweder gibt es gar keinen frisch gezapften Gerstensaft, so dass nur eine Flasche zu öffnen ist, oder es stehen bereits abgefüllte Biere bereit. Dies ist natürlich sehr unsolidarisch den Cocktailtrinkern gegenüber, bei denen die Zubereitung ihres Getränkes viel länger dauert. Nur so kann ich es mir erklären, dass am Ausschank die selben Personen für die Zubereitung der Cocktails zuständig waren wie für die Bestellungsaufnahme und das Abkassieren. An drei Schlangen warteten so die durstigen Gäste, weil an allen dreien die jeweilige Bedienung Cocktails mixte.

Das ist das klassische Problem des Schedulings. Viele Prozesse, die nur eine kurze Abarbeitung benötigen (wie der Verkauf von Bier an mich), müssen warten, weil langlaufende Prozesse (das Cocktailmixen) die begrenzten Ressourcen (die drei Bedienungen) blockieren. Eine Optimierung hinsichtlich des besten Durchsatzes (also zum Beispiel des meisten Umsatzes in einer begrenzten Zeit) findet nicht statt – und Kunde wie Betreiber sind nicht zufrieden gestellt.

One Queue to rule them all

Eine andere Variation des selben Problems erlebte ich an einer Grillstation-Bierwagen-Kombination. Aus mir nicht bekannten Gründen konnte man am Grill eine Wurst oder ein Steak nur gegen eine Marke erhalten, die es am Bierwagen zu erwerben galt. Also gab es eine lange Schlange am Bierstand, die als einzelne Ressource sowohl den Bierausschank als auch den Erwerb einer Essensmarke verzögerte. Zudem bestand diese unnötige Zwischenwährung aus kleinen Zetteln, die einzeln vom Block abgerissen und beschriftet werden mussten, damit der Grillstand wusste, ob er eine Wurst oder ein Steak ausgeben durfte.

So mussten alle potentiellen Kunden auf andere Kunden warten, die eigentlich ein ganz anderes Ziel verfolgten. Und während der Verkäufer an einem reinen Getränkestand über die sich entwickelnde Routine mit der Zeit schneller wird, war in meinem Beispiel durch das ständige Wechseln zum Zettel-abreißen-und-beschriften-Prozess eine deutliche Verlangsamung zu spüren.

Fazit

Aber da es im Kapitalismus immer mehrere Optionen gibt, den eigenen Gewinn zu maximieren, wird oftmals nicht am fehlerhaften Prozess geschraubt, sondern es werden einfach die Preise erhöht. In beiden Beispielfällen mussten sich die Betreiber keine Gedanken um eine etwaige Konkurrenz machen, so dass unnötig komplizierte Prozesse auch weiterhin den Kunden unzufrieden zurücklassen.

The A-Team

USA (2010)
Regie: Joe Carnahan
Darsteller: Liam Neeson (John “Hannibal” Smith), Sharlto Copley (Murdock), Bradley Cooper (Templeton “Faceman” Peck), Quinton “Rampage” Jackson (B.A. Baracus), Jessica Biel (Charisa Sosa), Patrick Wilson (Lynch), Gerald McRaney (General Russell Morrison), Brian Bloom (Brock Pike) und andere Serienhelden und -bösewichter

Offizielle MySpace-Seite

Am Donnerstag fand in Berlin parallel in mehreren Kinos die Deutschlandpremiere des A-Team-Films statt. Ich hatte das Glück, über einen Freund eine Karte im Cubix zu ergattern, in dem vor Filmstart auch kurz die sich auf Promotiontour befindenden Hauptdarsteller vorbeischauten und sich und den Film in den Himmel lobten.

Diese spielen in der Kinoneuauflage der 80er-Jahre-TV-Serie eine kleine, vierköpfige Spezialeinheit des amerikanischen Militärs, die bei einem Auftrag des CIA im Irak hintergangen wird und im Gefängnis landet. Doch Hannibal als Anführer und Stratege der Gruppe, der immer einen Plan parat hat, gelingt der Ausbruch und nachdem er sein Team ebenfalls befreit hat machen sich die Vier daran, den Verrat aufzudecken und ihre Akten reinzuwaschen…

Nun wurde also eine weitere TV-Kultserie einer Frischzellenkur unterworfen und fit für die große Leinwand gemacht. Dies äußert sich vor allem in einer neuen Besetzung und der Anpassung der Action an den aktuellen State-of-the-Art: Schnelle und hektische Schnitte, CGI-Effekte und ein deutlich höherer Materialaufwand sind die aus Produzentensicht wohl unverzichtbaren Elemente eines modernen Blockbusters.

Viele andere Aspekte des Originals wurden aber beibehalten. Da ist neben der klassischen Figurenzeichnung und -konstellation an vorderster Stelle die gnadenlos bis ins Absurde übertriebene Action und Handlung zu nennen. Mit einem Panzer aus einem Flugzeug abzustürzen, einen überdimensioniertes Hütchenspiel mit Containern im Frachthafen zu spielen und Dollarnoten-Druckplatten von Saddam zu stehlen sind nur ein paar Beispiele, die die erfolgreiche Portierung dieser Aspekte der Serie aufzeigen. Zudem gibt es viele Verweise auf das Original oder deren Darsteller: Der CIA-Gegenspieler trägt den Namen Lynch, bei der Befreiung von Murdock aus der Nervenklinik läuft der Vorspann der TV-Serie, in dem allerdings der Rollenname des Murdock-Schauspielers Dwight Schultz in StarTrek TNG, Reginald Barclay, eingeblendet wird.

So weit könnte man der Leinwandadaption also einen Erfolg attestieren. Doch leider ist aus diesen Zutaten kein guter Film geworden. Das liegt zum Einen daran, dass die Serie aus heutiger Sicht nicht mehr als eine verklärte Kindheitserinnerung ist. Da sich die Verfilmung eng an das Original hält, gilt dies ebenso für diese. Die Auffrischungen an aktuelle Sehgewohnheiten und den Zeitgeist durch Hinzunahme der CIA als allmächtigen Regierungs-Gegenspieler und des Handlungsteils während des Irakkriegs sind dabei eher kontraproduktiv, da sie zu inkonsequent eingesetzt werden. Der Film bleibt mittendrin stecken zwischen ironischer Übertreibung und Annäherung an die Realität.

Dazu bei trägt auch die unmotivierte weibliche Hauptrolle, verkörpert von Jessica Biel. Ihr Anteil an der Handlung ist unbedeutend, aber mit ihrer Beziehung zu Faceman zerstört sie dessen Funktion innerhalb des Teams als Ladykiller und nimmt die von der Serie so geliebte Leichtigkeit – nach der Episode ist alles so wie immer, keine Beziehung dauert längert – aus dem Film. The A-Team nimmt sich an Stellen wie dieser zu ernst, und die fehlende Unbeschwertheit verhindert, dass aus dem TV-Klassiker ein Kino-Highlight wurde.

Fazit: Eine aus heutiger Sicht trashige Kultserie aus den 80ern wurde behutsam in einen Kinofilm transformiert; viele Details und Anspielungen werden vor allem Fans des Originals erfreuen. Doch die Mischung aus der massiven Übertreibung des Originals und den Annäherungen an Zeitgeist und modernen Sehgewohnheiten geht nicht auf; der Film unterhält zwar in seinen zwei Stunden, ist aber noch schneller verdaut und vergessen.

Download-Tipp

Vor anderthalb Jahren lief der Film auf der Berlinale, letzten September strahlte ihn Arte zum ersten Mal aus. Nun wurde The Yes Men fix the world von den beiden Politik-Aktivisten im Netz zum freien Download bereitgestellt. Die Yes Men wollen damit Spenden für ihren nächsten Film sammeln. $67,035 sind dafür veranschlagt, und so kann sich jeder an der Finanzierung des Projekts beteiligen. Bisher sind allerdings nur ganze 0$ zusammengekommen, doch ich hoffe dass sich dies durch Mund- bzw Internetpropaganda wie meinem Blogbeitrag noch ändert.

TV-Tipp

Für Fans des Animationsfilms, wie ich einer bin, gibt es diese Woche ein Pflichtprogramm für den Videorekorder. Denn 3Sat sendet im Rahmen der Reihe Trickreich ausgesuchte Perlen dieser Filmgattung, die deren weite Bandbreite präsentieren: Computeranimation trifft auf Puppentrick, Stop-Motion auf Anime, Kurzfilm auf Klassiker (Hayao Miyazaki fehlt natürlich nicht). Da die meisten der Filme kaum Aussicht auf eine häufige TV-Ausstrahlung haben, sollte jeder Liebhaber des Trickfilms diese Gelegenheit nutzen!

Unseen Academicals

von Terry Pratchett,
veröffentlicht von Doubleday, ISBN 978-0-385-60934-0, 18.99£

Passend zur Fußball-WM habe ich es endlich geschafft, Terry Pratchetts letzten Scheibenweltroman zu lesen, der sich um das Thema Fußball dreht. Oder um es mit den Worten des Autoren zu sagen:

[...] the important thing about football [...] is that it is not just about football.

Um dieses Statement zu untermalen widmet sich Pratchett nicht nur der Geschichte der Sportart und der verwirrend-schwierigen Regelkunde, sondern auch ihrer Stellung in der Gesellschaft: Fans, Hooliganismus, Stadionreporter, Funktionäre, das wirtschaftliche Potential und damit auch die Macht, die man erhält wenn man Einfluss auf die Sportart hat – alles dies sind Themen, die in die Scheibenwelt verpflanzt immer wieder einen amüsanten Seitenblick auf die Mechanismen des Fußballs erlauben, die wir durch die Gewöhnung einfach akzeptiert haben und nur noch selten hinterfragen.

Als wären dies nicht Themen genug, hat Unseen Academicals noch eine Nebenhandlung um ein Model für Zwergenmode spendiert bekommen, inklusive einem kometenhaften Aufstieg und der damit verbundenen medialen Aufmerksamkeit. Leider versandet dieser Handlungsstrang trotz Potential etwas unmotiviert, ebenso wie die kurzen Auftritte von meinem Lieblingscharakter Rincewind. Dazu werden mit den Goblins/Orcs weitere klassische Fantasyrassen in der Scheibenwelt eingeführt, von denen wir in zukünftigen Romanen vielleicht noch hören werden. Ich kann nämlich nicht glauben, dass Pratchett der komplexen Geschichte seiner Welt nur für ein gewohnt moralisches Ende ein weiteres Puzzlestück hinzufügt – oder hat er sich mit dem Frieden zwischen Trollen und Zwergen etwa in eine Sackgasse geschrieben?

Durch die Involvierung von so vielen Figuren in die Geschichte (u.a. der gesamte Universitätsstab), unter denen sich kein klassischer Hauptcharakter befindet, liegt der Fokus ganz klar auf dem Fußballspiel, und das hat dem Buch ähnlich wie bei Moving Pictures nicht geschadet. Somit ist Unseen Academicals der beste Scheibenweltroman seit langem – vielleicht kann sich Terry Pratchett trotz seiner Alzheimererkrankung wieder zu alten Leistungen aufschwingen.

Summer in the city

Sommerhitze

Der Bergfried im Schloss Schkopau

Manchmal benötigt es ein Ereignis wie eine Hochzeit, um die eigenen Heimat kennenzulernen. Eine Freundin feierte gestern ihre kirchliche Trauung im Schlosshotel Schkopau, nur sechs Kilometer entfernt von der Hallenser Südstadt, in der ich meine Kindheit verbracht habe. Und so bin ich trotz der räumlichen Nähe zum ersten Mal im Schloss Schkopau gewesen, obwohl ich dachte, dass meine Eltern als fleißige Burgen- und Schlossbesichtiger mir bereits jedes Exemplar dieser Gattung in meiner Heimat gezeigt hätten.

Bei der im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten angebotenen Führung ergab sich zum Glück die Chance, den Bergfried des Schlosses zu besteigen, der mit seinen 3,5 m dicken Mauern auf die Geschichte des Schlosses als Trutzburg hinweist. Nur knapp 100 Stufen mit wechselnden Schritthöhen (vom Burghof aus gezählt) müssen überwunden werden, und schon eröffnet sich dem Besucher von der zinnenbewehrten Plattform ein Rundblick über Schkopau. Nach Westen dominieren das Chemie-Areal Buna und das Kraftwerk die Sicht und nach Süden reicht der Blick bis Merseburg. Im Norden und Osten dagegen hat sich die Saale-Elster-Aue ihr Grün erhalten können; neuerdings durchschnitten von der ICE-Trasse, für die Deutschlands längste Brücke errichtet wird.

Durch das gute Wetter konnte ich problemlos den Petersberg am Horizont ausmachen und sogar das Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig war erkennbar – die Lage gleicht die geringe Höhe des Turmes also gut aus. Allerdings ist der Bergfried im Gegensatz zum Hof des Schlosses nicht öffentlich zugänglich, da sich ein kleiner Tagungsraum darin befindet. Interessierte, die die Aussichtsplattform besteigen wollen, müssen somit entweder eine Führung beim Schlosshotel buchen oder den kleinen Saal für eine Veranstaltung mieten.

Public Viewing

Public viewing

Die GEZ ist tot, lang lebe die GEZ

Es ist Hochsommer in unserem schönen Land. Die sich im WM-Fieber befindenden Deutschen nutzen dies für ausgiebiges Grillen oder Chillen in den Beachbars. Der ideale Zeitpunkt also für die Regierung, ein Gesetz unterhalb der allgemeinen Aufmerksamkeitsschwelle schnell und ohne breite Diskussion in den Medien durchzubringen.

Nun mag die Gebührenfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Vergleich zum ebenfalls angegangenen Rückbau des Sozialstaates kein spannendes Thema sein, doch zumindest in meinem Bekanntenkreis gibt es eine breite Abneigung gegen diese Behörde und die teilweise angewandten Spitzelmethoden, mit denen Nichtzahler ausfindig gemacht werden. Aus meiner Sicht war eine Reform der Gebührenerhebung längst fällig; ich hätte mir ein einfaches System gewünscht, das gleichzeitig sozial ist, den Bürger so wenig wie möglich seiner Daten preisgeben lässt und die Behörde selber überflüssig macht. Eine Finanzierung als Einkommensteuer wäre ein Beispiel dafür.

So ist es jetzt aber nicht gekommen. Das neue Finanzierungsmodell sieht nach einem Kompromiss eines typischen Verhandlungsmarathons aus, in dem die ursprünglichen Ziele der beteiligten Parteien nur noch zu erahnen sind. Wichtigstes Ergebnis: Die Behörde bleibt bestehen, wenngleich die Spitzeltätigkeiten gegen einen Datenabgleich mit den Einwohnermeldeämtern ausgetauscht wird. Denn es soll keine Gerätegebühr mehr geben, sondern eine Haushaltsgebühr. Die GEZ muss also fortan nur noch feststellen, was ein Haushalt ist, der Mieter oder Besitzer muss danach für die Gebühr aufkommen. Im Endeffekt wurde eine Kopfpauschale gegen die andere ausgetauscht; und auch weiterhin wird es Probleme geben diejenige Person ausfindig zu machen, die am Ende zahlt. Zudem wurde es versäumt, einen einfachen Weg für die Befreiung von der Gebührenpflicht zu gehen; Bedürftige und sozial schwache Mitglieder der Bevölkerung müssen weiterhin bürokratische Hürden überwinden, die eine Erhaltung der GEZ notwendig machen.

Es wurde somit eine Chance vertan, einen wirklich großen Schritt zu machen. Ob das neue Modell die gesteckten Ziele erfüllt, einfacher und gerechter zu sein, muss ich doch stark anzweifeln. Zumindest sind jedoch die Zeiten der direkten Bespitzelung durch GEZ-Mitarbeiter bald vorüber; indirekt nutzt Vater Staat nun einfach stärker die ohnehin vorhandenen Daten der Einwohnermeldeämter (die m.W. bisher auch an die GEZ weitergeleitet wurden). Für mich als Gebührenzahler ändert sich also nichts – und das ist traurig!

Blogpause

An der geringer werdenden Frequenz meiner Artikel war es diesen Monat deutlich sichtbar – mir fehlt momentan jeglicher Elan zum Schreiben; die Worte tröpfeln nur noch durch die Tastatur. Woran es liegt, weiß ich nicht; das gute Wetter oder das überwältigende Kinoprogramm können nicht der Grund sein. Doch mit der vor der Haustür stehenden WM wird sich daran bestimmt nichts ändern, so dass ich in guter Tradition nach 2008 und 2006 erneute eine Pause von meinem Blog einlege. Mit etwas Glück werde ich zumindest kurze Film- und Bücherrezensionen online stellen und hoffe, dass ich mit dieser Aktion nicht alle meine fünf Leser vergraule.